Interview zum 80. Geburtstag
Constantin Freiherr Heereman: „Ich bin noch ganz geländegängig“

Dienstag, 13.12.2011, 22:12 Uhr

Hörstel-Riesenbeck - Seit mehr als 50 Jahren setzt sich Constantin Freiherr Heereman von Zuydtwyck mit Leidenschaft für Landwirtschaft, Jagd und Reiterei weit über das Münsterland hinaus ein. Im Gespräch mit Redakteur Stephan Beermann zieht er anlässlich seines 80. Geburtstags Bilanz - und zeigt auch seine nachdenkliche Seite.

Herr Baron Heereman, was haben Sie und Altbundeskanzler Helmut Schmidt gemeinsam?

Heereman: Da gibt es zwei Dinge: Zum einen die Verlässlichkeit: Was einmal abgesprochen ist, wird auch gehalten. Das Zweite ist sichtbar: Dass wir beide noch qualmen und es uns gut bekommt.

Wie viele Zigaretten rauchen Sie pro Tag?

Heereman: Ein Päckchen ist es schon wohl. Wenn abends Sitzungen sind oder es etwas fröhlicher wird, pafft man schon mal mehr.

Wie feiern Sie Ihren runden Geburtstag?

Heereman: Im ganz kleinen Kreis, nur mit der Familie und einigen engsten Freunden, insgesamt rund 80 Personen. Die eigentliche Feier machen wir im Mai, dann, wenn das neue Parkhotel Surenburg in Betrieb ist.

Dort haben Sie kürzlich beim Richtfest den letzten Nagel in den Giebel eingeschlagen, und Sie sind dazu über drei Etagen das Baugerüst hochgeklettert.

Heereman: Mein Architekt meinte erst, ich sollte mir das von unten angucken. Aber das wollte ich mir nicht nehmen lassen. Ich bin noch ganz geländegängig.

Sie sind in einer großen Familie aufgewachsen, zunächst in Münster , später in Riesenbeck . Sie haben fünf Kinder und neun Enkelkinder - was bedeutet Ihnen die Familie?

Heereman: Die Familie ist im Leben das Wichtigste. Wenn man aber über Jahrzehnte verbandspolitisch tätig ist, kommt vieles zu kurz. Meine Frau ist vor vier Jahren verstorben. Die Kinder sind aus dem Haus, ich bin jetzt mehr oder weniger allein. Es läuft alles weiter, der Betrieb, der Haushalt, und meine Schwiegertochter kümmert sich sehr um mich. Aber man merkt erst jetzt, was man versäumt hat und auch, was man der Familie zugemutet hat, zu viel zugemutet.

Verwöhnen Sie Ihre Enkelkinder?

Heereman: Ich habe ein sehr gutes Verhältnis zu meinen Enkeln, wir spielen viel zusammen. Ich versuche, verträglich zu sein, und ich freue mich, dass zwei der Jungs auch jagdlich begeistert sind und zwei der Mädchen gern reiten.

Wie verbringen Sie Ihren Alltag?

Heereman: Jeden Morgen schwimme ich und mache Gymnastik. Nach dem Frühstück sitze ich hinterm Schreibtisch und bearbeite meine Post, wenn ich nicht schon Termine in meiner Zentralverwaltung oder bei den Verbänden habe, wo ich Ehrenvorsitzender bin. Und natürlich lese ich die Lokal- und Wirtschaftszeitungen und die wichtigsten landwirtschaftlichen Fachzeitschriften. Nachmittags und abends habe ich häufig Veranstaltungen oder Einladungen, oder ich sitze wieder am Schreibtisch. Daneben läuft unser eigener Betrieb mit Land- und Forstwirtschaft und den Immobilien. Mein Sohn und ich haben da gemeinsam die Oberleitung.

Stimmt es, dass Sie auf eigenem Grund und Boden von Riesenbeck nach Münster laufen können?

Heereman: Das hat der damalige Minister Möllemann mal behauptet. Aber ganz so war das noch nie.

Und was macht die Jagd?

Heereman: Jetzt im Herbst finden die Treibjagden statt. Derzeit bin ich gut zweimal die Woche unterwegs. Das dauert dann den ganzen Tag.

Sie haben in Ihrer Laufbahn vieles erreicht. Gibt es noch ein Ziel, für das Sie sich weiter gern einsetzen möchten?

Heereman: Da gibt es immer etwas, zum Beispiel der Erhalt unserer wunderschönen münsterländischen Landschaft. Durch ihre Schönheit kann man ermessen, wie wichtig eine gute Beratung der Landwirte durch die Landwirtschaftskammer ist. Hier ist die Aus- und Weiterbildung enorm wichtig. Ziel muss daher der Erhalt der Kammer sein, da darf es nicht wackeln. Unsere Parklandschaft zeigt: Die Ergebnisse der Kammer sind greifbar.

Was war Ihr größter Fehler als Politiker und Lobbyist?

Heereman: Es gab viele Fehler. Vielleicht hätten wir uns noch früher für grüne Themen einsetzen müssen, noch bevor sich Nabu und andere Verbände gründeten. Aber mein größter Fehler war wohl, dass ich nicht energisch genug eingegriffen habe beim Zusammenwirken der landwirtschaftlichen Vermarktung. Das hat mich schon sehr umgetrieben. Mittlerweile ist alles eingetreten, wie ich es gewollt hatte. Das gibt mir im hohen Alter eine Befriedigung.

Was zählen Sie zu Ihren größten politischen Erfolgen?

Heereman: Dazu gehören sicherlich die Düsseldorfer Vereinbarungen mit Minister Matthiesen. Das hat Jahrzehnte gut funktioniert und sollte nicht geändert werden. Wenn Minister Remmel jetzt kommt und das alles aufheben will, ist das unbefriedigend. Da muss der Minister mit hartem Widerstand rechnen.

Am Samstag werden Sie 80 Jahre alt. Sorgt Sie das Älterwerden?

Heereman: Das Älterwerden geht ja schon mit 70 los, oder sogar mit 65. Das kann bedeuten, dass der Herrgott einen im besten Fall von einem Tag zum anderen zu sich ruft. Danach sollte man leben. Im Alter lebt man mehr als in jungen Jahren von heute auf morgen. Ich kann nur beten: Lass mich gesund bleiben, verschone mich vor Demenz.

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