„Huhn mit Pflaumen“
Vom Geiger, der zu sterben beschließt - Verspielter Film

Donnerstag, 05.01.2012, 17:01 Uhr

Marjane Satrapi ist in Deutschland nicht durch ihre preisgekrönten Graphic Novels bekannt geworden, sondern über den Film, den sie - zusammen mit dem Regiekollegen Vincent Parronaud - aus einem ihrer Werke gemacht hat: „ Persepolis “ begeisterte 2007 mit seinem grafischen Schwarz-weiß-Minimalismus selbst Comic-Verächter. In ihrem zweiten Film nun, wiederum eine Verfilmung eines ihrer Bilderromane, wandert die in Frankreich lebende Exil-Iranerin zurück in die ausklingenden 50er Jahre.

Damals hatte das Leben in Teheran mit dem heutigen Repressions-Apparat der Mullahs wenig zu tun; betrachtet man den Film, entsteht fast der Eindruck, es handelte sich dabei um ein deko-orientalisches Märchenland. Bis auf ein paar starke Animations-Sequenzen haben Satrapi/Parronaud diesmal einen Spielfilm gedreht, dessen inszenatorische Verspieltheiten und Abschweifungen beinahe Jeunets „Amélie“ Konkurrenz machen können.

Im Zentrum steht der Star-Geiger Nasser (Mathieu Amalric, „Schmetterling und Taucherglocke“), der sich ins Bett legt, um auf den Tod zu warten. Warum? Die ungeliebte Gattin hat seine über alles geliebte Stradivari zerschmettert. Das ist alles? Natürlich nicht, denn die Geige steht symbolisch für Nassers unerreichbar gebliebene Lebensliebe.

Nassers Hinscheiden, sarkastisch begleitet vom Todesengel Azrael persönlich, ist Ausgangspunkt für allerlei Rück-, Voraus- und Seitenblicke teils desillusionierender, teils surreal-humoriger Art, bei denen bekannte Schauspieler wie Isabella Rossellini in Nebenrollen auftauchen. Manchmal berührt, amüsiert, bewegt das, oft führt die Fülle an Ideen, Details und Spielereien aber auch zu einem Overkill, der die Tragik der Geschichte begräbt. Ein schöner Film, gewiss, die Dichte von „Persepolis“ sucht man indes vergebens.

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