Gastronomie, IHK und Stadtverwaltung
Ein Krisengipfel als Basis

Münster -

Münsters Gastronomie kämpft wegen der Corona-Krise um ihre Existenz. Die Stadt stellt nun Unterstützung in Aussicht – auch auf ungewöhnlichen Wegen.

Donnerstag, 30.04.2020, 18:50 Uhr
Außengastronomie, auch an ungewöhnlichen Orten der Stadt, soll eine der Antworten auf die coronabedingte Krise des Gastrogewerbes der Stadt sein – auch wenn es dabei sicher nicht so dicht gedrängt zugehen kann, wie zuletzt bei „Münster verwöhnt“ der Fall.
Außengastronomie, auch an ungewöhnlichen Orten der Stadt, soll eine der Antworten auf die coronabedingte Krise des Gastrogewerbes der Stadt sein – auch wenn es dabei sicher nicht so dicht gedrängt zugehen kann, wie zuletzt bei „Münster verwöhnt“ der Fall. Foto: Matthias Ahlke

Bitter enttäuscht und entsetzt seien viele seiner Kollegen gewesen, hatte Hendrick Eggert im Bezug auf die von der Stadt untersagte „Demo der leeren Stühle“ geäußert, mit denen die Gastronomie auf ihrer Situation hatte aufmerksam machen wollen.

Doch der Dissens, der sich noch vor wenigen Tagen offen Bahn zu brechen schien, von ihm war am Donnerstagmittag nichts mehr zu spüren, als Oberbürgermeister Markus Lewe in Begleitung von Krisenstabsleiter Wolfgang Heuer sowie Hendrik Eggert, Vorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbands, und Joachim Brendel als Vertreter der IHK Nord Westfalen vor die Presse traten.

Hoffen auf die Wiedereröffnung

Man habe das Wohlwollen der Vertreter der Stadt gespürt, bezog sich Eggert auf das vorangegangene Gespräch. Nun hoffe man, dass man in naher Zukunft auch Taten werde spüren können.

Beweisen könnten sich mögliche Taten vielleicht schon im Mai, dahingehend jedenfalls äußerte sich Krisenstabsleiter Heuer. Er gehe davon aus, dass das Land Nordrhein-Westfalen nach dem ersten Schritt Anfang Mai in einem zweiten Schritt einige Wochen später auch die Wiedereröffnung der Gastronomie erlaube. Voraussetzung dafür sei allerdings, so Heuer, dass sich die Infektionszahlen weiter so entwickelten, wie es derzeit zu beobachten sei. In Münster etwa sind sie seit mehr als vier Wochen rückläufig.

Forderung nach reduzierter Mehrwertsteuer

Handfestes, wie die Stadt der Gastronomie, so sie denn wieder bewirten darf, helfen kann, gab es nach dem ersten Gespräch am Donnerstag noch nicht zu vermelden. Gleichwohl äußerte Oberbürgermeister Lewe deutlich, er wolle seinen und den Einfluss der Stadt nutzen, um unter anderem anzustreben, dass eine reduzierte Mehrwertsteuer auf sieben Prozent nicht nur für einzelne Betriebe und Angebote der Branche komme, sondern für alle – und das nicht nur temporär, sondern auf Dauer. Eine Forderung, die von vielen, auch außerhalb Münsters, bereits seit Jahren formuliert wird.

Zudem haben Stadt und Gastronomen vereinbart, nach Konzepten zu suchen, das Geschäft der Gastronomen nach einer Wiedereröffnung zusätzlich anzukurbeln. Von Seiten der Verwaltung war am Donnerstag bereits zu vernehmen, die Außengastronomie spiele dabei eine große Rolle.

Neue Flächen für Außengastronomie

So soll nicht nur über größere Außenbereiche nachgedacht werden. Auch neue Flächen im gesamten Stadtgebiet sollen identifiziert werden, die Gastronomen für ihr Angebot zur Verfügung gestellt werden könnten. Zudem wird offenbar auch über zusätzliche Außengastronomie an bekannten Standorten, etwa auf der Jüdefelder Straße, nachgedacht.

Weiterhin werde über eine Einstellung der Vergnügungssteuer, etwa für Tanzveranstaltungen, gesprochen, so Lewe. Außerdem könnte die Beherbergungs- zu einer Tourismussteuer umgewandelt werden. Diese soll dazu dienen, Münsters Angebot nach außen zu bewerben. Denn Lewe erwartet in Folge der Corona-Pandemie in den kommenden Jahren einen verstärkten innerdeutschen Tourismus. Münsters Ausgangslage in diesem Zusammenhang bewertete Bernadette Spinnen (Münster Marketing) als „Pole Position“.

Die neuen Corona-Vorschriften für NRW

1/10
  • KITA UND SCHULE: Grundsätzlich müssen alle öffentlichen Schulen, Kitas und Kindertagespflegestellen zunächst bis zum 3. Mai geschlossen bleiben. Eine Ausnahme gilt ab Donnerstag an den weiterführenden Schulen für Prüflinge. Darüber hinaus gibt es an Schulen - in der Regel für die Klassen 1 bis 6 - und an Kitas Notbetreuungen für Kinder von Eltern, die in gesellschaftlich unverzichtbaren Berufen arbeiten und keine andere private Betreuungsmöglichkeit haben.

    Foto: dpa
  • NOTBETREUUNG: Bislang zählten bereits Berufstätige aus zehn Sektoren zum Kreis der Berechtigten, die zentrale Bereiche wie etwa das Gesundheitswesen, die Energie-, Wasser- und Lebensmittelversorgung oder die öffentliche Verwaltung aufrecht erhalten. Jetzt wurde der Kreis auf 29 weit gefasste Sparten ausgedehnt und detailreich erläutert. Ausdrücklich aufgeführt werden nun unter anderem Mitarbeiter von Tankstellen, Lebensmittelhandel, Drogerien und Hausmeister. Auch Hersteller von Hygiene-, Desinfektionsprodukten und Seifen sind systemrelevant, Müllentsorger und Erntehelfer ebenso wie Banker und Notare.

    Foto: dpa
  • AUSZUBILDENDE: Neu in der Liste sind auch «Personen, die zur Stärkung im Gesundheitswesen und im Pflegebereich aktiviert oder reaktiviert werden», darunter auch Auszubildende für medizinisch-technische oder bio-technische Assistenzstellen ebenso wie Studierende der Biologie, Biochemie, Biophysik, Veterinärmedizin und der Chemie ab dem Bachelor.

    Foto: dpa
  • REISERÜCKKEHRER: Die 14-tägige häusliche Quarantänepflicht für Reisende, die aus dem Ausland nach Deutschland heimkehren, gilt weiter. Ausnahmen gelten für Pendler und verschiedene Berufsgruppen wie Lastwagenfahrer, Piloten oder medizinisches Personal. Auch für diese Ausnahmegruppen hat NRW nun aber verfügt, dass sie innerhalb von 14 Tagen nach ihrer Rückkehr grundsätzlich keine Krankenhäuser, Pflege-, Reha- und ähnliche Einrichtungen betreten dürfen. Ausnahmen gelten für medizinisches Personal.

    Foto: dpa
  • FAHRSCHULEN: Fahrschulen dürfen ihre Dienste unter Einhaltung von Sicherheitsvorkehrungen und Mindestabständen weiter anbieten. Beim praktischen Fahrschulunterricht kann und muss der Mindestabstand von 1,5 Metern zwischen Personen nicht eingehalten werden.

    Foto: dpa
  • SPORT: Untersagt bleibt laut Verordnung «jeglicher Sportbetrieb auf und in allen öffentlichen und privaten Sportanlagen sowie alle Zusammenkünfte in Vereinen». Geschlossen bleiben müssen unter anderem Spiel- und Bolzplätze, Schwimmbäder und Fitnessstudios.

    Foto: dpa
  • SONNTAGSÖFFNUNG: «Geschäfte des Einzelhandels für Lebensmittel, Wochenmärkte, Abhol- und Lieferdienste sowie Geschäfte des Großhandels dürfen über die bestehenden gesetzlichen Regelungen hinaus an Sonn- und Feiertagen von 13 bis 18 Uhr öffnen», heißt es in der Schutzverordnung. «Dies gilt nicht für den 1. Mai.» Apotheken dürfen an Sonn- und Feiertagen generell öffnen.

    Foto: dpa
  • GASTRONOMIE: Der Betrieb von Restaurants, Gaststätten, Imbissen, Mensen, Kantinen, Kneipen, (Eis-)Cafés und anderen gastronomischen Einrichtungen bleibt zunächst untersagt. Sie dürfen aber mit Speisen und Getränken beliefern, falls Hygienevorschriften und Mindestabstände eingehalten und Warteschlangen vermieden werden können. Der Verzehr von Lebensmitteln ist untersagt in einem Umkreis von 50 Metern um gastronomische Einrichtungen sowie Geschäfte oder Kioske, in denen die Ware eingekauft wurde.

    Foto: dpa
  • GELDBUßEN: Ordnungswidrigkeiten können gemäß Infektionsschutzgesetz mit Geldbußen bis zu 25 000 Euro geahndet werden. Ordnungswidrig handelt demnach, wer vorsätzlich oder fahrlässig etwa unerlaubte Besuche in Gesundheits- oder Pflegeeinrichtungen abstattet, Einrichtungen betreibt, die nicht den erforderlichen Standards für Hygiene, Mindestabstände und Zutrittsregelungen entsprechen, touristische Übernachtungen anbietet oder wahrnimmt oder auch «an einem Picknick oder einem Grillen auf einem öffentlichen Platz oder einer öffentlichen Anlage beteiligt ist». Insgesamt listet die Coronaschutzverordnung, die bis zum 3. Mai gilt, 30 Ordnungswidrigkeiten auf.

    Foto: dpa
  • STRAFEN: Wer «vorsätzlich oder fahrlässig» gegen wesentliche Vorschriften der Coronaschutzverordnung verstößt und eine unzulässige Veranstaltung durchführt oder an solchen Veranstaltungen beziehungsweise Versammlungen teilnimmt, kann mit bis zu fünf Jahren Freiheitsstrafe bestraft.

    Foto: dpa
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7391521?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F5026%2F5190%2F5223%2F5225%2F
Nachrichten-Ticker