Fußball: Rückblick
B-Jugend des BSV Ostbevern und DFB-Elf in aller Munde

Kreis Warendorf -

Für viele Fußball-Fans ist 1966 noch heute ein denkwürdiges Jahr. Dank des spektakulären WM-Endspiels gegen England samt ominösem Wembley-Tor. Aber besonders in Ostbevern denkt man auch an ein lokales Ereignis zurück. Denn eben in dem Jahr begann auch die B-Jugend des BSV, Geschichte zu schreiben.

Donnerstag, 01.04.2021, 17:08 Uhr
Die Großkreismeister von 1967: (obere Reihe v.l.) Coach Josef Maibaum, Herbert Bußmann, Kurt Guse, Martin Harbert, Wolfgang Riesinger (mit Pokal), Werner Pottebaum, Norbert Schwegmann, Jochen Maier, Trainer Leo Termühlen, (untere Reihe v.l.) Reinhard Wiemann, Reinhard Kuhnert, Torhüter Manfred Linke und Richard Lehmbrock. Außerdem gehören zu diesem Ostbeverner Jahrgang Peter Bittner, Manfred Kerkhoff, Gerd Kuhn, Hubert Laumann, Dietmar Schapmann, Paul Schwegmann und Alfons Dartmann.
Die Großkreismeister von 1967: (obere Reihe v.l.) Coach Josef Maibaum, Herbert Bußmann, Kurt Guse, Martin Harbert, Wolfgang Riesinger (mit Pokal), Werner Pottebaum, Norbert Schwegmann, Jochen Maier, Trainer Leo Termühlen, (untere Reihe v.l.) Reinhard Wiemann, Reinhard Kuhnert, Torhüter Manfred Linke und Richard Lehmbrock. Außerdem gehören zu diesem Ostbeverner Jahrgang Peter Bittner, Manfred Kerkhoff, Gerd Kuhn, Hubert Laumann, Dietmar Schapmann, Paul Schwegmann und Alfons Dartmann. Foto: privat

Einmal ganz oben stehen, einmal die Nummer eins sein – das wünschen sich viele ehrgeizige Sportler. Für elf Fußballer in Reihen des BSV Ostbevern erfüllte sich dieser Traum schon in jungen Jahren – und das, obwohl sich mit dem SC Preußen Münster ein scheinbar unüberwindbarer Konkurrent im Wettbewerb befand.

Wir schreiben das Jahr 1966. Deutschland feiert mit Franz Beckenbauer und Wolfgang Overath seine neuen Fußball-Helden, ärgert sich aber auch über Schiedsrichter Gottfried Dienst und Linienrichter Tofik Bachramow, die Geoff Hursts umstrittenes Wembley-Tor bei Englands 4:2-Erfolg im WM-Finale anerkannt haben, als im Kreis Warendorf eine Saison beginnt, die für ein begabtes Team aus der Bevergemeinde mit einem historischen Triumph enden sollte.

Dass die B-Jugendkicker der Blau-Weißen in der ihrer Meisterschaftsrunde den Nachwuchs aus der Kreisstadt Warendorf hinter sich ließen, kam schon unerwartet, aber eine noch viel größere Überraschung sollte an einem sonnigen Frühjahrstag 1967 folgen. Der ESV Münster hatte in seiner Normalrunde dem großen SC Preußen Münster das Nachsehen gegeben und ging somit als eindeutiger Favorit ins Finale um den Titel des Großkreismeisters. Dieses abschließende Kräftemessen der beiden Topteams aus den Bereichen Warendorf und Münster gab es bis zur Einführung der heutzutage vertrauten Leistungsligen in der ersten Hälfte der 70er-Jahre.

„Wir haben einmal in der Woche trainiert, immer donnerstags auf der Droste-Kampfbahn, im Winter auch in der Halle“, erzählt Leo Termühlen von einer ganz besonderen Spielzeit vor mehr als einem halben Jahrhundert. 87 Jahre ist der Ostbeverner inzwischen alt, der seinerzeit das BSV-Aufgebot gemeinsam mit Josef Maibaum betreute. „Wir beide kannten uns vom Männergesangverein.“ Ihr Team war zahlenmäßig klein, aber talentiert und eifrig bei der Sache. „Wir waren beim Training fast immer komplett und die Kameradschaft war sehr gut.“

Hinten hatten wir große Leute, vorne die kleinen Wuseligen.

Jochen Maier, Halbstürmer im BSV-Team von 1966/67

„Hinten hatten wir große Leute, vorne die kleinen Wuseligen. Wir waren die Außenseiter, haben uns bewusst zurückfallen und sie kommen lassen“, erinnert sich Jochen Maier, der damals als Halbstürmer im alten WM-System auf dem Feld stand. Mit Wolfgang Riesinger und Peter Bittner verfügten die Blau-Weißen über zwei laufstarke und pfeilschnelle Stürmer, die für Konterfußball wie prädestiniert waren und auch höherklassig hätten auflaufen können. „Das hat wunderbar geklappt“, berichtet Maier, der sich zudem zu erinnern glaubt, dass der spätere Olympia-Teilnehmer Riesinger drei der fünf BSV-Treffer beim 5:1-Erfolg auf der ESV-Sportanlage erzielt hat.

Neidisch beschimpft als „Treter vom Land“

Was für die jungen BSV-Spieler ein unvergessliches Erlebnis war, stellte für die Münsteraner eine schwer verdauliche Niederlage dar. Als „Treter vom Land“ mussten sich die Gewinner titulieren lassen, was der Freude über den Überraschungscoup jedoch keinen Abbruch tat. „Für das kleine Ostbevern war das schon etwas ganz Besonderes“, sagt Herbert Bußmann, der als Abwehrspieler mit dabei war. „Leo Termühlen war ein Top-Trainer und Josef Maibaum der ruhende Pol.“

Inzwischen sind die jungen Helden von damals 70. Ein größerer Teil von ihnen wohnt noch in Ostbevern und Telgte, andere hat es in die Ferne gezogen. Einige wenige von den Großkreismeistern leben aber auch schon nicht mehr. Geblieben sind schöne Erinnerungen an eine außergewöhnliche BSV-Mannschaft, die allerdings durch personelle Veränderungen schon während der sich anschließenden A-Jugendjahre nicht mehr so erfolgreich abschnitt wie in dieser grandiosen Saison nach dem WM-Finale von 1966.

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