Sanierung nur mit erheblichem Aufwand
„Objektiv schlechter Zustand“ - Statiker verteidigt Osmo-Hallen-Sperrung in Münster

Münster -

Statiker Heinrich Bökamp, Präsident der Ingenieurkammer NRW, ärgert sich, dass sein Gutachten über die Osmo-Hallen angezweifelt wird. Die Hallen befinden sich in einem schlechten Zustand, sagt der Fachmann. Statik darf man nicht mit Statistik verwechseln, betont der Ingenieur.

Donnerstag, 06.02.2014, 10:02 Uhr

Der Charme der alten Osmo-Hallen ist auch für den Statiker Heinrich Bökamp unbestritten. Doch die Standfestigkeit sei nicht gegeben.
Der Charme der alten Osmo-Hallen ist auch für den Statiker Heinrich Bökamp unbestritten. Doch die Standfestigkeit sei nicht gegeben. Foto: Matthias Ahlke

Als Statiker ist Heinrich Bökamp ein gefragter Mann. Die Ingenieurkammer NRW hat ihn zum Präsidenten gemacht, sein Büro in Roxel hat schon Hunderte Brücken, Gebäude und Dächer auf ihre Standfestigkeit überprüft. „Wir leben von dem Vertrauen, dass unsere Gutachten und Berechnungen absolut fehlerfrei sind.“

Statiker Heinrich Bökamp aus Roxel

Statiker Heinrich Bökamp aus Roxel Foto: -kb-

Um so mehr ärgert es Bökamp, dass bis heute in Münster gemunkelt wird, Bökamps Gutachten zur mangelnden Standfestigkeit der Osmo-Hallen sei eine „Gefälligkeit“ gegenüber den Investoren gewesen, um die Hallen abreißen und neu bebauen zu können.

Erst vor einer Woche hatte der GAL-Ratsherr Gerhard Joksch bei einem Pressegespräch die These aufgestellt, die Sperrung der Hallen sei nicht erforderlich gewesen.

Heinrich Bökamp ist über derlei Mutmaßungen sehr verärgert. „Wir hatten keinen Ermessensspielraum“, blickt er auf die Überprüfung zurück, die vor zwei Jahren stattgefunden hat. „Die Osmo-Hallen befinden sich in einem objektiv schlechten Zustand.“

Osmo-Hallen seit Januar 2012 gesperrt

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  • Am 26. Januar 2012 wurden die Osmo-Hallen vom Bauordnungsamt dichtgemacht. Zuvor hatte ein Statik-Gutachten ergeben, dass sie einsturzgefährdet sind. Auch die Kai-Promenade darf seitdem nicht mehr benutzt werden. Foto: Matthias Ahlke
  • Am 26. Januar 2012 wurden die Osmo-Hallen vom Bauordnungsamt dichtgemacht. Zuvor hatte ein Statik-Gutachten ergeben, dass sie einsturzgefährdet sind. Auch die Kai-Promenade darf seitdem nicht mehr benutzt werden. Foto: Matthias Ahlke
  • Am 26. Januar 2012 wurden die Osmo-Hallen vom Bauordnungsamt dichtgemacht. Zuvor hatte ein Statik-Gutachten ergeben, dass sie einsturzgefährdet sind. Auch die Kai-Promenade darf seitdem nicht mehr benutzt werden. Foto: Matthias Ahlke
  • Am 26. Januar 2012 wurden die Osmo-Hallen vom Bauordnungsamt dichtgemacht. Zuvor hatte ein Statik-Gutachten ergeben, dass sie einsturzgefährdet sind. Auch die Kai-Promenade darf seitdem nicht mehr benutzt werden. Foto: Matthias Ahlke
  • Am 26. Januar 2012 wurden die Osmo-Hallen vom Bauordnungsamt dichtgemacht. Zuvor hatte ein Statik-Gutachten ergeben, dass sie einsturzgefährdet sind. Auch die Kai-Promenade darf seitdem nicht mehr benutzt werden. Foto: Matthias Ahlke
  • Am 26. Januar 2012 wurden die Osmo-Hallen vom Bauordnungsamt dichtgemacht. Zuvor hatte ein Statik-Gutachten ergeben, dass sie einsturzgefährdet sind. Auch die Kai-Promenade darf seitdem nicht mehr benutzt werden. Foto: Matthias Ahlke
  • Am 26. Januar 2012 wurden die Osmo-Hallen vom Bauordnungsamt dichtgemacht. Zuvor hatte ein Statik-Gutachten ergeben, dass sie einsturzgefährdet sind. Auch die Kai-Promenade darf seitdem nicht mehr benutzt werden. Foto: Matthias Ahlke
  • Am 26. Januar 2012 wurden die Osmo-Hallen vom Bauordnungsamt dichtgemacht. Zuvor hatte ein Statik-Gutachten ergeben, dass sie einsturzgefährdet sind. Auch die Kai-Promenade darf seitdem nicht mehr benutzt werden. Foto: Matthias Ahlke

Tragende Holzstützen seien derart vermodert, „dass man einen Kugelschreiber hineinstecken kann“. Bei den Dachplatten fehle vielfach die Verschraubung, überdies weise das Gebälk im Bereich der Querschrauben Risse auf. Bei Druck von oben, etwa durch eine Schneelast, „kann das Holz reißen und das Dach einstürzen“.

Dieser Mangel in einer hölzernen Dachkonstruktion hat Weihnachten 2010 zum Einsturz der Sporthalle an der Manfred-von-Richthofen-Straße geführt.

Der Umstand, dass im Gegensatz dazu die Osmo-Hallen bislang nicht eingestürzt sind, lässt Bökamp als Gegenargument nicht gelten: „Statik darf man nicht verwechseln mit Statistik.“ In Kenntnis der Mängel sei eine Wiedereröffnung der Osmo-Hallen schlichtweg unzulässig. „Ein bisschen Standfestigkeit gibt es nicht.“

Den Erhalt einzelner Hallenteile im Zuge einer Neubebauung des Osmo-Areals hält Bökamp für „technisch machbar, aber sehr teuer“. Die Hallenkonstruktion sei „sehr filigran“ und entspreche nicht mehr den heutigen statischen Ansprüchen.

Deshalb steht die Politik nach Ansicht der Experten vor einer Grundentscheidung: Sollte ein öffentlich nutzbarer Veranstaltungsraum am Hafen entstehen, empfiehlt er einen Neubau. Oder aber man konserviere einen alten Teil des Osmo-Geländes, um die frühere Nutzung zu dokumentieren: „Diese Halle kann man dann besichtigen, aber nicht nutzen.“

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