Der Sport während der Pandemie
Alternativen zum Lockdown

Gronau -

Kein Training, keine Wettkämpfe – diese Ansage gab es Anfang November zum zweiten Mal in diesem Jahr für die heimischen Sportlerinnen und Sportler. Doch das heißt nicht, dass die Aktiven untätig sind.

Sonntag, 29.11.2020, 11:44 Uhr aktualisiert: 30.11.2020, 07:19 Uhr
Im Kraftraum des TV Gronau kommen die Sportler nicht wie gewohnt ins Schwitzen.
Im Kraftraum des TV Gronau kommen die Sportler nicht wie gewohnt ins Schwitzen. Foto: Stefan Hoof

 

Vor dem 13. März wäre ein Terminvereinbarung mit Michelle Pancerz nicht so einfach gewesen. Montags um 17.30 Uhr Training mit den Freeartisten des TV Gronau, anschießend Schwimmen und danach noch das Wasserball-Training des Schwimmvereins Gronau bis 21.30 Uhr. So gestaltete sich der Trainingsplan für die 17-jährige Schülerin vor dem Lockdown. Dienstags, mittwochs, donnerstags und freitags ging es zum Training ins TVG-Vereinsheim, donnerstags und freitags außerdem zum Schwimmen ins Hallenbad. Samstags standen schwimmspezifische Übungen im Geräteraum des TVG auf dem Programm. Corona – das war für Michelle Pancerz zunächst eine sportliche Vollbremsung.

Auch Wasserballer Patrick Töns , Läuferin Franziska Dinkelborg sowie Clemens Scholand, Alexandra und Leon Berges, allesamt Stammgäste im Vereinsheim des TV Gronau, mussten sich sportlich neu organisieren.

„Ich kann eigentlich ganz gut mit den Einschränkungen umgehen“, meint Clemens Scholand. Zweimal in der Woche Training im Geräteraum des TVG, dazu einmal Yoga – so sah das Programm des 69-Jährigen vor der Pandemie und auch nach der Wiedereröffnung Anfang Juni aus. „Sehr motivierend war, dass unsere Trainerin Johanna Vöcking uns während des ersten Lockdowns Yoga-Übungen per WhatsApp übermittelt hat“, erzählt er. Auch der zweite Lockdown hat ihn sportlich nicht völlig aus der Spur geworfen. Bereits vor Corona drehte Clemens Scholand dreimal in der Woche seine Jogging-Runde. „Außerdem sind meine Frau und ich jetzt noch mehr mit dem Rad oder als Spaziergänger unterwegs. Uns wird nicht langweilig. Mir fehlen aber die Kontakte und Gespräche mit anderen.“

Alexandra Berges und ihr Sohn Leon waren vor Corona und auch im Sommer regelmäßig im TVG-Vereinsheim anzutreffen. Drei- bis viermal wöchentlich nutzt Alexandra Berges seit rund 15 Jahren die ganze Breite des Angebots, bis Oktober standen Jumping Fitness, Step-Aerobic und Bodyforming sowie das Gerätetraining hoch im Kurs. Leon Berges hält sich ebenfalls seit einigen Jahren im Kraftraum fit. Zuletzt machte der 21-jährige Bankkaufmann auch beim Sling-Training mit. „Schon früher war es mir wichtig, etwas für die Fitness zu tun – sowohl für die Muskulatur als auch die Ausdauer“, betont er. „Das Fitnesstraining ist für mich wichtig als Ausgleich zum beruflichen Alltag“, ist er sich mit seiner Mutter einig, die am Tag als medizinische Fachangestellte gefordert wird.

„Nach dem ersten Lockdown war ich zunächst ein bisschen faul“, gesteht Leon Berges. „Dann habe ich angefangen, vermehrt das TRX-Band zu nutzen. Außerdem war ich

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

im April und Mai häufiger mit den Inline-Skates und dem Trekkingrad unterwegs“, erzählt er. Beim Spazierengehen und Radfahren fiel es auch seiner Mutter im Frühling leicht, in Bewegung zu bleiben.

Jetzt, während der dunklen Jahreszeit, ist das schwieriger, erzählen sie. Neben dem Training am heimischen TRX-Band haben beide das Joggen für sich entdeckt. Am Abend nach der Arbeit und am Wochenende dreht Leon seine Runden, Alexandra Berges nutzt dafür vor allem die freien Nachmittage am Mittwoch und Freitag. „Joggen ist in jedem Fall ein gutes Ausdauertraining“, sind beide überzeugt.

Jogging – das war auch für Wasserballer Patrick Töns nach der Schließung des Hallenbades im März die erste Alternative. „Nichts zu machen, war keine Option“, so Patrick Töns, auch wenn die Enttäuschung sehr groß war, als die Wasserballsaison zunächst unterbrochen und später abgebrochen wurde. Beim Joggen war er trotz Kontaktverbot nicht allein. Über eine App fand er sich mit Mannschaftskameraden in einer Gruppe zusammen und sah, was die anderen geleistet hatten. So motivierte man sich gegenseitig, beim Laufen „am Ball zu bleiben“. Als im Sommer das Schwimmtraining im Freibad wieder möglich war und im Oktober zumindest im eingeschränkten Umfang ebenfalls das Wasserballtraining im Hallenbad, „war die Motivation bei mir und auch bei den anderen wieder voll da.“

Nach dem erneuten Lockdown war die Enttäuschung groß. Auch das „gemeinsame Training“ mit Hilfe der App funktioniert kaum noch. „Es fehlt auch das Gesellige, das bei uns im Team eine wichtige Rolle spielt“, gibt Patrick Töns zu. Nun versucht er, zumindest ein- bis zweimal in der Woche am Abend seine Laufrunde zu drehen. Zudem steigt er dann und wann aufs Mountainbike.

Dass es bei einer Unterbrechung der Wasserballsaison bis zum Januar bleibt, daran mag er nicht wirklich glauben. „Ich befürchte, dass die gesamte Saison 2020/21 entfällt“, vermutet Patrick Töns.

„Wir haben uns beim letzten Schwimmtraining im Oktober schon mal ein frohes, neues Jahr gewünscht“, erzählt Michelle Pancerz. Auch sie befürchtet, dass sie nach dem Pokalschwimmen in Borghorst im August noch einige Zeit warten muss, bevor sie wieder bei einem Wettkampf für den Schwimmverein Gronau ins Becken springen kann.

Dennoch macht die 17-Jährige am Telefon einen recht entspannten Eindruck. „Ein- bis zweimal haben wir ja Sport in der Schule“, erzählt sie. Außerdem ist auch sie mittlerweile in Joggingschuhen unterwegs. Vor allem aber absolviert Michelle Pancerz zu Hause ihr Fitnessprogramm nach den Plänen von Alexander Holtkamp, der das schwimmspezifische Gerätetraining im TVG-Vereinsheim geleitet hat. Ganz allein ist sie dabei nur selten. Manchmal macht die Mutter mit, oft schaltet sie sich mit einigen Freundinnen per Videochat zusammen, um die Übungen zumindest auf diese Weise gemeinsam durchzuführen. Mehr noch als das gemeinsame Training vermisst Michelle Pancerz aber das Treffen mit den Sportkolleginnen und -kollegen. „Manchmal fehlt daher schon ein wenig die Motivation.“

Wettkämpfe standen für Franziska Dinkelborg, die Mittelstreckenläuferin vom TV Westfalia Epe, auch in anderen Jahren in der Wintersaison kaum im Kalender. Die Verbesserung der Grundlagenausdauer bestimmt zu dieser Jahreszeit das Training. Als Läuferin ist sie sowieso größtenteils draußen unterwegs.

Dennoch bedeutet der zweite Lockdown einen erneuten Einschnitt. Trainer Reinhard Wittland stellt zwar Trainingspläne zur Verfügung, die Kilometer muss die 19-Jährige aber weitgehend allein herunterspulen. 70 bis 80 km kommen in der Woche zusammen – vermutlich sogar einige mehr als vor Corona. Manchmal dreht Franziska Dinkelborg eine erste kurze Runde am frühen Morgen, eine zweite längere am Nachmittag. Als Studentin im ersten Semester bedauert sie zwar, dass sie bisher nur wenige Mitstudierende persönlich in Münster kennengelernt hat, für das Training ist das sogar ein kleiner Vorteil. Da die Vorlesungen und Seminare online stattfinden, kann sie ihr Training häufig bei Tageslicht in Gronau absolvieren. „Das Laufen ist vor allem auch eine schöne Abwechslung, wenn man ansonsten kaum vor die Tür kommt“, erzählt sie. „Mir fehlt im Moment vor allem das Schwimmen als Ausgleich. Letztlich muss man aber das Beste machen aus der Situation“, versucht sie die Dinge optimistisch anzugehen.

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