Schriftsteller im Interview
Axel Hacke: Der Grönemeyer der Kolumne liest in Münster

Münster -

Seit über 20 Jahren schreibt Axel Hacke Kolumnen für die Süddeutsche Zeitung. Bekannt geworden ist er insbesondere durch seine „Handbücher des Verhören“ wie „Der weiße Neger Wumbaba“. WN-Redakteur Carsten Vogel hat mit dem 56-jährigen Autor gesprochen.

Donnerstag, 19.04.2012, 10:04 Uhr

Schriftsteller im Interview : Axel Hacke: Der Grönemeyer der Kolumne liest in Münster
Findet auch mal ein „H“ in der Fußgängerzone: der Kolumnist Axel Hacke. Foto: ms

Wer ist Ihr Lieblingskolumnist?

Axel Hacke : Ich lese gerne Harald Martenstein im Zeit-Magazin. Früher auch Harry Rowohlt, aber der schreibt leider nur noch wenig. Dann gibt es Klassiker, die nicht mehr leben, nicht mehr schreiben und keiner mehr kennt, wie Alfred Polgar. Eigentlich ein Theaterkritiker, der aber sehr gute Miniaturen geschrieben hat.

Was macht eine gute Kolumne aus?

  Hacke: Ich kann nicht sagen, wie eine gute Kolumne sein sollte, sondern nur, was eine gute Kolumne von mir ausmacht. Wenn ich eine Kolumne von mir selbst gut finde – was nicht dauernd vorkommt (lacht) – dann muss sie etwas von einem guten Song haben. Ein Thema muss sich durchziehen, etwas abweichen, dann wiederkehren. Sie muss nicht nur inhaltlich stimmen, sondern auch in ihrer Form. Eine gute Kolumne von mir muss swingen. Sie muss einen Sound haben, den man wiedererkennen kann. Wie man im Radio ein Lied von Herbert Grönemeyer sofort erkennt, so sollte das auch bei meinen Kolumnen funktionieren.

In der Stadt

Axel Hacke liest am Dienstag (24. April) ab 20 Uhr in der Aula am Aasee, Scharnhorststraße 100.

...

Haben Sie Angst, dass Ihnen die Ideen ausgehen?

Hacke: Ständig (lacht). Aber diese Angst muss man als Motor nutzen, der einen vorantreibt. Das Schlimmste beim Kolumnen-Schreiben ist Routine. Ich probiere lieber etwas aus, als dass ich eine Masche stricke, bis es nicht mehr geht. Ich habe Angst davor, diese Angst nicht mehr zu haben (lacht). Wenn ich morgens aufwachen und feststellen würde, es läuft wie von selbst, der Bayer würde sagen „a gmahde Wiesn“, also eine gemähte Wiese – dann wäre ich aufs Höchste alarmiert.

Merken Sie auf Ihren Lesereisen regionale Unterschiede bei den Zuhörern?

Hacke: Die Rolle des Publikums ist nicht zu unterschätzen. Aber die Unterschiede liegen nicht in Nord-, Süd-, Ost- oder Westdeutschland , sondern zwischen großen und kleinen Städten. In Münster mit seinem studentischen Publikum funktioniert das schneller, als in kleineren Orten, wo man Lesungen nicht gewohnt ist. Da sind die Leute zurückhaltender und gucken, ob der Nachbar auch lacht. Da muss man auf der Bühne mehr ackern.

Eine Lesung ist also durchkomponiert wie ein Konzert . . .

  Hacke: Es gibt eine Verwandtschaft zur Musik. Der Aufbau einer Lesung hat etwas von einem Konzert. Ich stelle jede Lesung anders zusammen: In Berlin lese ich andere Texte als in Münster. Und ich lese dort auch nicht das, was ich beim letzten Mal gelesen habe. Aber wie bei einem Konzert gibt es Geschichten, die die Leute immer wieder gerne hören. Es müssen auch Evergreens dabei sein, die die Leute schon vor 25 Jahren gern gehört haben. Aber eben nicht nur.

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