So schön klingen Mathe-Formeln
Johannes Kraas ist Sound-Designer

Münster -

Komponist – irgendwie fällt einem da sofort der Film „Amadeus“ ein. Das schwitzende, fluchende Genie, wie es mit wirren Haaren über seiner Arbeit brütet, mal jubelt, dann wieder das Notenpapier zerknüllt und gegen die Wand wirft. Die Komponisten des 21. Jahrhundert haben mit dem guten alten Mozart so gar nichts mehr gemein – und dann doch wieder eine ganze Menge.

Dienstag, 17.07.2012, 14:07 Uhr

So schön klingen Mathe-Formeln : Johannes Kraas ist Sound-Designer
Johannes Kraas hat die Symphony „Chaos and Order“ geschrieben. Foto: kal

Beispiel: die Berufsbezeichnung. Johannes Kraas , Absolvent der Musikhochschule in Münster mit dem akademischen Titel „Master of Music“, bezeichnet sich als Komponist, hat aber auch nichts dagegen, wenn man ihn „Sound-Designer“ nennt. Auf der anderen Seite nennt er die von ihm komponierte Musikshow „Chaos and Order“, die gerade im Bochumer Planetarium Premiere hatte, „Symphony“. Und die Zeit, in der er sie schuf, war kaum weniger extrem als das, was Amadeus auf der Leinwand erlebte. „Ich habe wochenlang bis zu 14 Stunden am Tag gearbeitet“, erzählt Johannes. „Ich setzte mich morgens hin – und plötzlich war es Abend. Manchmal habe ich sogar das Mittagessen vergessen.“ Natürlich gab es Phasen, wo gar nichts mehr ging – „ganz grausam“. Gut, dass sie vorüber gingen. 50 Minuten dauert seine Symphony „Chaos and Order“, zu der in Bochum Animationen des Medienkünstlers Rocco Helmchen gezeigt werden. Sein Ziel, dass die Zuschauer „Wow!“ sagen, scheint er erreicht zu haben: Die Kritiken fielen begeistert aus. Das ist nicht selbstverständlich für eine Multimedia-Show, die mathematische Formeln in Bilder umsetzt, deren Emotionen – ja, Mathe-Formeln haben Emotionen, beteuert der 27-Jährige – wiederum in der Musik ihren Widerhall finden. Kraas hat bereits öfter Musik für Planetarien geschrieben, seine Arbeiten wurden in Großbritannien und Portugal aufgeführt, gerade arbeitet er einer neuen Symphony, sie soll beim 25. Geburtstag des Berliner Planetariums aufgeführt werden. Aber auch die Pop-Welt ist ihm nicht fremd. Vor wenigen Wochen hat er einen Wettbewerb gewonnen, bei dem der beste Remix für einen Helene-Fischer-Song gesucht wurde. Zudem baut er mit einem Freund in Berlin einen Songpool auf, bei dem Künstler Titel bestellen können. „Ob für Girl Bands oder , Deutschland sucht den Superstar ‘ – wir haben alles im Angebot“, sagt Kraas. Der Musikwissenschaftler, der nun als freischaffender Produzent arbeitet, hat sich breit aufgestellt. „Ich kann mir einfach nicht vorstellen, jeden Tag das gleiche zu machen“, betont Johannes. Sein größter Traum? „Die Musik für eine Auto-Show oder für einen Freizeitpark zu schreiben. Etwas Mächtiges, Glamouröses.“ So mächtig wie die Show in Bochum, bei deren Premiere auch er selbst dachte: „Wow!“ Soundbeispiele unter www.johanneskraas.de. Die nächste Show in Bochum ist am Freitag (20. Juli).

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