Graue Schläfen – cooler Witz
Achim Leufker aus Rheine gewinnt Poetry-Slam

Münster -

Tatwort Cuba. Wo Wort und Tat sich zum Poetry-Slam vereinen, strömen die Fans wie zum Rockkonzert. Seit einigen Jahren ist Dichten wieder cool. Und auch an diesem Montag drängten sich über 200 junge bis sehr junge Zuhörer um Treppe und Theke, um zwölf Witzbolde und Verseschmiede in Aktion zu erleben. Von acht bis Mitternacht. Und als am Ende mit Achim Leufker der Älteste den Sieg errang, hieß das Fazit: Keine Sorge, auch wer graue Schläfen hat, kann verdammt cool sein!

Mittwoch, 15.08.2012, 13:08 Uhr

Graue Schläfen – cooler Witz : Achim Leufker aus Rheine gewinnt Poetry-Slam
Andy Strauß ist frech: Kaum, dass der Sieger Achim Leufker (r.) seine Preis-Würstchen in Händen hält, stibitzt der Münsteraner dem Rheinenser das gute Teil wieder und vermampft es vor dessen verblüfften Augen. Foto: Arndt Zinkant

Mehr noch: Es braucht wohl gewisse Reife, um jenen Text zu schreiben, der Leufker den Sieg bescherte. „Welcome to the Jungle!“ Da schaukelt der Autor aus Rheine im Regional-Express und wird plötzlich von einer Handvoll pubertärer Bildungsverweigerer heimgesucht, deren Konversation ihn zur philosophischen Frage treibt: „Ist diese Welt nur die Hölle eines anderen Planeten?“ Die Namens-Opfer des grassierenden „Kevinismus“, die aussehen, als hätten ihre Ohrringe Metastasen gebildet, parlieren prollig bis zum Ausstieg Emsdetten („Das gönn’ ich euch!“).

Ist diese Welt nur die Hölle eines anderen Planeten?

Achim Leufker

Auch Münsters Lokalmatador Andy Strauß zollte dem Kollegen Respekt – was ihn nicht hinderte, sein eben überreichtes „Preis-Würstchen“ zu mopsen und zu mampfen. Der muss nix beweisen, und so raunzte der erfahrene Performer auch nach drei durchfeierten Nächten seine absurde Schnurre ins Mikro. Wie ich einmal DJ Bobo traf . . .

Strauß ist übrigens in Münster ein Nachbar von Moderator Andreas Weber, der schon ein Veteran des Genres ist. Ebenfalls aus dem Umfeld kommt Micha El- Goeh­re; der röhrt bei seiner Veralberung von anderen Heavy-Metal-Fans wie ein Hirsch. Obwohl reine Comedy, kommt er damit durch die Vorrunde.

Ebenso wie der Berliner Till Reiners, dieser im Herzen eher Kabarettist („Ich glaub´ nicht, dass sich Angela Merkel privat für Politik interessiert“).

Klischee hin oder her: Es sind an diesem Abend die jungen Frauen (vier an der Zahl), die mehr Gefühl zulassen, die Herzkammern und Beziehungskisten mindestens einen Spalt breit öffnen. Am besten macht das Clara Hagel, deren „Kunststofffabrik“ von Routine, Enttäuschung und Leere erzählt. Toll gereimt und toll vorgetragen. Sophia Egbert wird noch persönlicher. Sira Busch dichtet hübsch deftig vom Händchenhalten und so.

Till Reiners, der schon im „Quatsch-Comedy-Club“ auftrat, sagt später im Gespräch, dass derlei durchaus oft gewinnt. Es komme auf das Publikum und die Stimmung des Abends an. An diesem war eben Witzigkeit Trumpf.

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