Tropische Schönheiten
Der Maximilianpark betreibt das größte Schmetterlingshaus von NRW

Hamm -

Tropische Temperaturen, eine Luftfeuchtigkeit von 80 Prozent, eine üppige Pflanzenwelt und Tausende von Schmetterlingen - im Schmetterlingshaus des Maximilianparks in Hamm erleben Gäste Regenwald-Feeling mitten in Westfalen.

Samstag, 09.03.2013, 06:03 Uhr

Nicht dass Rainer Grutscha sonst keinen Grund zum Lachen hätte. Doch diese Gruppe von Punkern, die voriges Jahr brav bei ihm die Eintrittskarten löste, den schweren Vorhang zur Seite schob und sich dann geräuschvoll atmend an eine Luftfeuchtigkeit von 80 Prozent gewöhnte – die zauberte ein Grinsen auf sein Gesicht, das partout nicht weichen wollte. Die aufwendigen Hochfrisuren fielen schon nach ein paar Minuten in sich zusammen. „Doch das störte sie gar nicht. Ich glaube, sie haben das nicht einmal gemerkt. Die waren hier fast nicht mehr rauszukriegen, so begeistert waren die.“ Aus begreiflichen Gründen: Wann setzen sich einem sonst schon mehrere Schmetterlinge zutraulich auf die Schultern? Und nicht irgendwelche: Die Falter im größten Schmetterlingshaus in Nordrhein-Westfalen sind internationale Regenwald-Schönheiten.

Tropische Schönheiten

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  • Foto: Wilfried Gerharz
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  • Foto: (c)Wilfried Gerharz
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Größtes Schmetterlingshaus in NRW : Der Slogan, mit dem die Betreiber des Maximilianparks in Hamm gern ihr tropisches Haus bewerben, muss ein wenig zurechtgestutzt werden. Groß ist nicht wirklich groß: Die Falter bevölkern ein mit 450 Quadratmetern übersichtliches Haus. Doch es ist so geschickt geplant, dass es mit seinen sich windenden Wegen, seinen Wasserläufen, seinem Teich und seinen zwei unterschiedlichen Ebenen wie die Tropen in Westfalen wirkt.

Und das ist Rainer Grutschas Verdienst. Der gelernte Gärtner liebt die Pflanzen der Regenwälder. Kein Tag vergeht, an dem er nicht hier an den Blättern eines Farns nestelt oder dort einen Jasmin, ein Wandelröschen, eine Penta mit ihren kleinen Blüten und ein Einblatt dekorativ in Szene setzt. „Gärtnern, das ist meins“, sagt er.

Die Tierhaltung allerdings musste er sich erst langsam erarbeiten. Bis zum Jahr 2002 fühlte sich der Gärtner den Schmetterlingen in etwa so verbunden wie ein Schäfer einem Elefanten. Grutscha arbeitete auf dem Gelände, das nach der ersten nordrhein-westfälischen Gartenschau 1984 zu einem Freizeitpark mit Kletterarealen und Wasserläufen wurde. 2002 jedoch ging das bislang privat geführte Schmetterlingshaus in die Zuständigkeit des Maximilianparks über. „Und da hieß es dann schnell: Der Grutscha, der kann das.“

Was noch zu beweisen war: Der Gärtner orderte Literatur über die Falter, besuchte Schmetterlingshäuser bei Koblenz und in den Niederlanden. Dort erfuhr er viel – eine entscheidende Information allerdings fehlte ihm. „Als wir das Schmetterlingshaus wiedereröffnet haben, flatterten gerade einmal zwei Schmetterlinge durch die Halle.“ Grutscha hatte nicht bedacht, dass die Puppen 14 Tage brauchen, um zu aparten Schmetterlingen heranzureifen. Egal: Heute macht ihm so schnell niemand mehr etwas vor. Alle zwei Wochen nimmt der Leiter des Schmetterlingshauses neue Puppen in Empfang, die auf Schmetterlingsfarmen gezüchtet worden sind.

„Unsere Falter stammen ausschließlich aus Nachzuchten und sind nicht artgeschützt.“ Grutscha betont das oft und gern – soll niemand glauben, dass das Gleichgewicht der Regenwald-Natur durch ambitionierte Schmetterlingshäuser in Europa durcheinandergebracht wird. „Die meisten unserer Farmer haben sich von traditionellen Landwirten zu Schmetterlingszüchtern weiterentwickelt“, erzählt der Gärtner. „Und sie verdienen damit mehr als vorher.“ Unter Zeitdruck steht niemand: Acht Wochen vergehen vom abgelegten Ei bis zum fertig entwickelten Schmetterling – da bleibt genug Gelegenheit, die Puppen aus Mittelamerika, Asien, Afrika oder Australien nach Deutschland zu schicken.

Forscher beziffern die Zahl der weltweiten Schmetterlingsarten auf 180 000. In Hamm sind bis zu 80 unterschiedliche Arten zu sehen. Einige davon züchtet Grutscha selbst, den Glasflügelfalter beispielsweise, der seine Eier auf dem mexikanischen Hammerstrauch ablegt. Dieser Falter ist seit Jahren sein Liebling. „Ich sehe dem gern zu, wenn er durch die Luft eiert, als sei er betrunken.“ Waldgeist wird der Falter gern genannt, weil seine transparenten Flügel kaum zu sehen sind. Vier Monate wird er alt. Ein Greis unter Faltern, die meistens nach zwei Wochen Lebenszeit den letzten Flügelschlag machen.

Wenn niemand im Haus ist, überlässt sich der Chef des Schmetterlingshauses gern den Geräuschen seiner kleinen Tropenwelt. Er hört dann so intensiv wie nur möglich das fiepsige Heulen der Wachteln, die über den Boden watscheln und mit Leidenschaft den ärgsten Feind der Schmetterlinge, die Ameise, verspeisen. Schildkröten lassen sich leise plätschernd ins Wasser gleiten, Zebrafinken fliegen durch die Halle. Mittendrin und alle anderen Lebewesen in den Schatten stellend flattern die Falter von Futterstelle zu Futterstelle. Eichenseidenspinner etwa oder kleine Kometenfalter, die so aussehen, als zögen sie einen Schweif hinter sich her. Der Blaue Morpho mit seiner ausdrucksvollen Mischung aus Schwarz und leuchtendem Tiefblau.

Grutscha liebt es, wenn dieses Zusammenspiel aus tropischen Pflanzen und schillernden Faltern selbst sachliche Besucher-Naturen knackt. „Die meisten kennen solche Schmetterlinge schließlich nur aufgespießt aus dem Museum.“ Bei ihm jedoch leben sie, nehmen mit ihren Saugrüsseln Nektar auf und akzeptieren die Besucher wie die Pflanzen und die Wasserstellen.

Einem Tier allerdings hat der Chef Hausverbot erteilt. „Die Vogelspinne, das muss ich sagen, die mochte ich nicht.“ Füttern sollte er sie und zu diesem Zweck aus ihrem Terrarium nehmen – nichts für Grutscha, dem das Krabbelwesen Unbehagen bereitet. Seitdem müssen sich andere um die Vogelspinnen kümmern. Grutscha hält es eher mit den Faltern – die sind zu majestätisch, um anzugreifen.

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