Interview
Chuck Ragan: Der Outdoor-Enthusiast

Münster/Grass Valley -

In Münster ist es 17 Uhr, an der amerikanischen Westküste im Bundesstaat Kalifornien acht Uhr morgens. Chuck Ragan, Sänger der Post-Hardcore-Band Hot Water Music ist bereit, sein einziges Interview an diesem Tag zu geben. Unser Redakteur Carsten Vogel hat mit ihm telefoniert. Ragans markant heisere und sonore Stimme klingt gut gelaunt und hellwach.

Dienstag, 13.08.2013, 09:08 Uhr

Chuck Ragan: Der Sänger und Gitarrist der Post-Hardcore-Band Hot Water Music ist auf Solopfaden unterwegs. Im Skaters Palace spielt er seine eher introvertierte Mischung aus Country- und Folkrock.
Chuck Ragan: Der Sänger und Gitarrist der Post-Hardcore-Band Hot Water Music ist auf Solopfaden unterwegs. Im Skaters Palace spielt er seine eher introvertierte Mischung aus Country- und Folkrock. Foto: Uncle M

Die amerikanische Ausgabe des Rolling Stone Magazins hat eine Liste der besten 50 Live-Acts zusammengestellt. Weißt du wer oben steht?

Chuck Ragan : Wow. Ich habe keine Ahnung. The Bronx vielleicht?

Bruce Springsteen . Hast du ihn auf der aktuellen Tour gesehen?

Ragan: Nein, leider nicht. Hätte ich gerne, weil ich ein großer Fan bin.

Hot Water Music finden sich in der Liste nicht. Wie kommt das? Ist Hardcore-Punk noch zu sehr im Untergrund?

Ragan: Das kann sein, aber das ist der Grund, warum wir Hardcore mögen (lacht).

Wird Punkrock nach wie vor in der Gesellschaft nicht akzeptiert?

Ragan: Das hat sich gegenüber der Zeit, als ich Kind war, deutlich verbessert. Damals haben Bands noch vor 15 Leuten gespielt. Heute sind Green Day beispielsweise Mainstream. Das kann man gut oder schlecht finden. Aber ich würde solche Bands lieber im Radio hören, als viele von denen, die da gerade gespielt werden.

Warum ist die Musik, die du solo machst so unterschiedlich zu Hot Water Music?

Ragan: Wir waren vier junge Männer mit Angst und mit der Attitüde: Wir gegen den Rest der Welt. Und wir spielten unsere Livekonzerte mit all der Energie, die wir hatten. Das tun wir immer noch. Und wenn ich mein Solomaterial spiele, dann lege ich die gleiche Energie hinein, aber man könnte sagen eher nach innen als nach außen gerichtet. Es sind meine Lieder und damit sind sie viel persönlicher. Ich bin freier beim Schreiben der Songs. Bei Hot Water Music schreiben alle als Kollektiv an einem Song.

Was machst du, wenn du keine Musik machst?

Ragan: Ich bin ein begeisterter „Outdoor-Enthusiast“. Ich gehe fischen, wandern, jagen. Meine Frau und ich haben Labradore. Mit denen sind wir einfach gerne in der Natur. Wir haben auch einen Bio-Garten. Es ist mir wichtig zu wissen, was meine Familie isst. Ansonsten bemühe ich mich, ein einfaches und ruhiges Leben zu pflegen.

Was erwartet uns in Münster ? Wird die Show aufgezeichnet?

Ragan: Ja. Es ist lange her, dass ich ein Live-Album für die Fans in Deutschland gemacht habe. Und es wird eine großartige Show mit Gästen, die gemeinsam mit uns spielen werden.

Live

Chuck Ragan spielt am 15. August ab 20 Uhr im Skaters Palace. Es gibt noch Restkarten.

...

Was magst du an Deutschland so gerne?

Ragan: Die Menschen. Deutschland war mein erster Eindruck von Europa. Ich war in einer kleinen Stadt namens Roßwein in der Nähe von Dresden. Es hätte nicht besser sein können. Die nettesten und gastfreundlichsten Menschen haben uns dort aufgenommen. Zu dem Zeitpunkt war ich noch nie so weit von Zuhause weg. Aber ich habe mich dort wie Zuhause gefühlt. Und ich bin immer noch mit den Leuten von damals befreundet. Einer von ihnen, Thomas Schindler, ist bei dieser Tour mit dabei. Deutschland hat einen speziellen Platz in meinem Herzen. Es ist immer eine Ehre zurückzukommen. Das alles und „Schnitzel“ Ragan spricht das Wort deutsch aus und ich bin zufrieden.

Wenn du alle Interviews Revue passieren lässt, was war die schlimmste Frage, die dir je gestellt worden ist?

Ragan: Oh, das werde ich nicht wiederholen. Es wäre auch nicht angebracht. Aber ich kann dir sagen, ich bin aufgestanden und weggegangen (lacht).

 

Ich habe mal versucht mit Farin Urlaub von Die Ärzte über sein soziales Engagement zu sprechen. Aber er wollte nicht. Möchtest du über deins reden?

Ragan: Künstler sollten den Vorteil nutzen, dass sie im Rampenlicht stehen. Wir bekommen die nötige Aufmerksamkeit geschenkt. Und wir haben die Wahl, ob wir diesen Vorteil nutzen oder nicht. Und wir haben die Möglichkeit, so anderen Leuten zu helfen. Wir können auf unseren Homepages auf bestimmte Organisationen hinweisen. Ich unterstütze eine ganze Reihe von wohltätigen Zwecken unterschiedlicher Art. Zum Beispiel eine gemeinnützige Organisation für Musiker, die Hilfe benötigen. In meinem Fall war das vor ein paar Jahren eine Hand-Operation. Zudem spiele ich Live-Shows auf einer neuen Internetplattform namens stageit.com. Dort können die Zuschauer in eine Art digitale Spendenkasse einzahlen. Ich habe dann den gleichen Betrag des Höchstzahlenden noch einmal dazugegeben und einer lokalen Organisation gespendet, die sich darum kümmert, für unterprivilegierte Kinder oder Obdachlose eine Arbeit zu finden. In Deutschland haben wir ein Flüchtlingsheim für Kinder unterstützt. Das Wichtigste ist doch, dass es Menschen gibt, die Hilfe benötigen: ob Geld, Kleidung oder etwas zum Essen. Ich möchte gerne etwas zurückgeben. Und es fühlt sich gut an, das zu tun.

Wenn du ein Superheld sein könntest, welcher wäre das?

Ragan: Wow. Schwere Frage. Ich würde gerne wie Spiderman weit springen können, um schnell aus schlimmen Situationen entkommen zu können (lacht).

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