„Ich bin ein kopfiger Dude“
Mark Forster im Interview

Münster -

Mit dem Song „Au Revoir“ ist Mark Forster während der WM richtig durchgestartet. Die gebuchten Hallen sind zu klein, sodass der Sänger auf größere Bühnen ausweichen muss. Sein aktuelles Album stellt der gebürtiger Pfälzer jetzt in Münster vor. Unser Redakteur Carsten Vogel hat mit ihm über Fußball, Fernbeziehungen und Facebook gesprochen.

Mittwoch, 24.09.2014, 17:09 Uhr

Der Sänger und Songwriter Mark Forster  ist mit seinem aktuellen Album „Bauch und Kopf“ auf Deutschlandtour. Zusammen mit dem Rapper Sido hat er für die gemeinsamen Singles „Einer dieser Steine“ und „Au revoir“ mehrere goldene Schallplatten bekommen.
Der Sänger und Songwriter Mark Forster  ist mit seinem aktuellen Album „Bauch und Kopf“ auf Deutschlandtour. Zusammen mit dem Rapper Sido hat er für die gemeinsamen Singles „Einer dieser Steine“ und „Au revoir“ mehrere goldene Schallplatten bekommen. Foto: Robert Winter

Warst du für Sido eigentlich das, was Dido für Eminem war?

Mark Forster : Ich will ja nicht zu klugscheißerisch daher kommen ( lacht ). Eminem hat einen Part von einem bestehenden Dido-Lied genommen. Und Sido und ich haben uns zusammen hingesetzt und ein Lied geschrieben.

Aber dadurch, dass Eminem ihr Lied benutzt hat, war das für Dido doch ein Sprungbrett in Sachen Bekanntheitsgrad.

Forster: Voll. Man darf zwar nicht vergessen, dass ich auch vorher schon ein Album hatte und eine Single „Auf dem Weg“, die sich 100 000 Mal verkauft hat. So ganz aus dem Nichts kam der Erfolg dann auch nicht, aber der Bekanntheitsgrad, den ich jetzt habe, hat auf jeden Fall etwas mit Sido und den beiden Liedern zu tun, und dafür bin ich ihm auch dankbar.

Wie überraschend kommt das für dich? Du musst ja die Hallen wechseln, weil die Nachfrage so gewaltig ist.

Forster: Wahnsinn. Und selbst die, auf die wir ausgewichen sind, sind ausverkauft. Damit rechnet man nicht. Auch nicht, dass „Au revoir“ so erfolgreich wird und eine halbe Million Singles verkauft. Das ist beinahe unrealistisch. Selbst für gestandene Künstler wäre das nichts Normales. Wenn du dann aber im „Auge des Sturms“ stehst, dann passieren oft unrealistische Sachen. Man entwickelt eine Distanz zu solchen Neuigkeiten und versucht, nicht alles zu hinterfragen. Ich versuche einfach alles, so gut wie ich kann.

Bist du eher ein Kopf- oder eher ein Bauchmensch?

Forster: Naja, das Album heißt ja „Bauch und Kopf“ und nicht „Bauch oder Kopf“. Das beschreibt eigentlich schon, dass ich dazwischenstehe. Ich bin ein kopfiger Dude, der sich auch mal zuviele Gedanken macht, aber ich reagiere auf manche Sachen sehr schnell und aus dem Bauch heraus. Es ist in den letzten zwei Jahren mein Thema gewesen, weswegen ich es zum Titel des Albums gemacht habe.

Und beim Songs schreiben?

Forster: Ein Lied schreibe ich eher aus dem Bauch heraus, aber der Symphonie-Orchester-Heckmeck wird dann zu einer komplizierten Kopfsache. Ich weiß aber eins: Entscheidungen, die ich aus dem Bauch heraus getroffen habe, habe ich noch nie bereut. Viel mehr Weisheit habe ich zu dem Thema nicht zu geben ( lacht ).

Was hältst du denn von Fernbeziehungen?

Forster: Das kann man schlecht mit gut oder schlecht beantworten. Keiner entscheidet sich für eine Fernbeziehung, sondern man lässt sich darauf ein, weil die Umstände es nicht anders erlauben. Den Move an sich finde ich aber romantisch.

Sprichst du französisch?

Forster: Nö. Ich habe zwar in der Schule Französisch gehabt, aber im Urlaub stelle ich immer fest, wie erschreckend wenig davon hängengeblieben ist. Ich kann knapp noch ein „pain au chocolat“ bestellen. Mir ging es um das Wort „Au revoir“, weil es so symbolträchtig klingt. Ich hätte auch „Tschüss“ oder „Goodbye“ singen können. Aber „Au revoir“ klingt wie ein dramatischer Abschied. Außerdem reimt es sich auf „wer ich war“ ( lacht ).

Bist du Fußballfan?

Forster: Ja, voll. Ich bin für den 1. FC Kaiserslautern .

Hast du Zeit, dir Münster anzuschauen?

Forster: Ich kenne Münster. Ich war schon öfter da. Freunde von mir wohnen da, wie der ehemalige Schlagzeuger meiner Schulband. Der ist jetzt Psychotherapeut.

Ach, dann kommst du öfter zu Besuch?

Forster: Ich bin ja ein „rollender Stein“ ( lacht ). Immer unterwegs und dann rolle ich auch mal an Münster vorbei. Meine Freunde sind überall im Land verstreut, die kommen dann zu einem Konzert von mir, wenn ich zufällig in der Stadt bin. Das letzte Mal war ich im März mit Sido in Münster.

Mit dem spreche ich demnächst. Du kannst dich auch direkt in die Nesseln setzen. Wer war besser in der Zusammenarbeit: Sido oder Tony Mono?

Forster: ( lacht ) Tony Mono ist ja vor allem Produzent und mein großer Entdecker, der nebenbei noch singt und rappt.

Welche Art von Humor magst du?

Forster: Ich mag Helge Schneider und Kurt Krömer, wenn es um deutsche Comedy geht. Das, was mich überrascht, finde ich spannend. Ich bin großer Woody-Allen-Fan. Diesem verschrobenen, leicht intellektuellen Humor kann ich viel abgewinnen.

Kurt Krömer geht jetzt auf zweite Abschiedstour. Wenn du ihm ein Ständchen singen könntest, was wäre das?

Forster: ( lacht ) Ich würde ihn selbst singen lassen. Ich war ja lange Jahre mit Krömer auf Tour. Und bei dem Programm hat er am Ende im Bademantel immer „My Way“ gesungen. Ich würde ihn dann gerne dabei begleiten.

Du könntest auch bei der Familie Popolski auftreten, oder?

Forster: Voll. Meine Mutter ist aus Warschau.

Einen guten Sänger könnten die bestimmt noch gebrauchen...

Forster: ( lacht ) Ich denke mal darüber nach, wenn eine Anfrage kommt.

Kümmerst du dich selbst um deine Facebook-Seite?

Forster: Ja, das mache ich alles selbst. Auch Twitter und Instagram. Das ist doch der Sinn der Sache. Wenn ich das outsourcen würde, das wäre doch absurd.

Harald Schmidt lässt doch twittern, oder?

Forster: Wenn du Harald Schmidt bist und zu allem immer schnell etwas Schlaues und Witziges schreiben musst, dann kann ich verstehen, wenn man da einen Autor hinsetzt. Ich schreibe dagegen ja nur Belangloses dahin ( lacht ).

Ich glaube nicht, dass deine Fans das so unterschreiben würden...

Forster: ( lacht immer noch ) Ich schreibe nur das, was in meinem Leben so passiert. Ich mache ein Foto und schreibe irgendwas drüber. Harald Schmidt hat ja in diesem Land eine ganz andere Funktion. Da erwartet man seine Kommentierung zu bestimmten Thema. Harald Schmidt hat eine ganz andere Verantwortung als Mark Forster. Deshalb kann ich damit entspannter umgehen.

Mal ganz aus dem Bauch heraus. Die Textzeile „Affe tot, Klappe zu, wie die Kinder in Indien, ich mach nen Schuh“. Ist das große Lyrik?

Forster: Ich bin sehr verwundert ( lacht ). Ich habe zu dem Lied ja schon viele Interviews geführt, aber du bist der Erste, der mich darauf anspricht. Keiner hat gesagt, die Zeile sei irgendwie komisch. Ich hatte lustigerweise mit Sido eine Diskussion darüber. Letztlich ist es seine Zeile, er kann damit machen, was er will. Aber ich habe dann verstanden, dass es einerseits ein Wortspiel ist. Und andererseits ein Seitenhieb gegen uns alle, die wir zum Beispiel Klamotten kaufen, die irgendwo billig hergestellt werden.

Dein Lieblingsalbum?

Mark Forster: Da gibt es unzählige. Eine wichtige Platte meiner Jugend ist auf jeden Fall „Quadratur des Kreises“ von Freundeskreis. Max Herre hat mir gezeigt, dass man in der Sprache, in der ich den ganzen Tag spreche, coole Musik machen kann. Aber als deutscher Hiphop aufkam, habe ich die großen Songwriter gehört. Und deshalb ist meine Musik genau eine Mischung: Ich bin kein ganzer Hiphopper geworden, aber der Einfluss aus meinen Teenie-Tagen ist offensichtlich. Das macht meinen Style aus. Und trotzdem bin ich Singer-Songwriter.

Was sind deine Pläne?

Forster: Ein großes Ziel von mir ist es, in der Halbzeitpause beim 1. FC Kaiserslautern zu spielen ( lacht ). Stefan Kuntz braucht mich nur anzurufen. Kostet auch nichts. Und dann spiele ich da.

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