Interview mit James Last
Das tolle Leben eines Bandleaders

Münster/Bayreuth -

James Last ist eine Legende. Wer – wie ich – in den 70er Jahren geboren worden ist, hat kaum eine Fernsehshow ohne ihn gesehen. Ich war mit James Last zu einem Telefon-Interview verabredet. Es beginnt mit einer Warteschleife. 

Donnerstag, 27.11.2014, 07:11 Uhr

James Last: Das Motto des mittlerweile 85-jährigen Vollblutmusikers ist „weitermachen“. Gerade hat er sein neues Album mit persönlichen Favoriten veröffentlicht. Am 29. März 2015 kommt Last im Rahmen seiner Tournee mit Orchester in die Halle Münsterland.
James Last: Das Motto des mittlerweile 85-jährigen Vollblutmusikers ist „weitermachen“. Gerade hat er sein neues Album mit persönlichen Favoriten veröffentlicht. Am 29. März 2015 kommt Last im Rahmen seiner Tournee mit Orchester in die Halle Münsterland. Foto: GABO-Agentur-Focus

Eine Stimme sagte, dass ich gleich verbunden würde. In der Zwischenzeit spielte Joe Satriani das Lied „Crying”. Plötzlich wurde er unterbrochen. James Last ist in der Leitung.

James Last: Was haben Sie denn für Fragen?

(Noch verdutzt) Ich hatte irgendwie gedacht, in der Warteschleife ein Stück von Ihnen zu hören.

Last: Nein, ich will auch mal Pause haben (lacht).

Ich habe Sie in der Talkshow von Markus Lanz gesehen. Da haben Sie gesagt, Sie seien der größte Nuschler Deutschlands…

Last: Richtig.

Muss ich mir jetzt Sorgen machen, dass ich den Rest des Gesprächs nicht verstehe?

Last: (Sehr prononciert) Ich kann auch reden wie ein Theaterdarsteller (lacht).

Wenn man wie ich Anfang der 70er Jahre geboren wurde, dann waren Sie omnipräsent. Gefühlt in jeder Samstagabendshow. Vermissen Sie diese Sendungen?

Last: Ja. Die vermisse ich schon. Richtige Musikshows gibt es nicht mehr im Fernsehen. Es gibt auch keine Orchestren mehr. 40 Leute muss man erstmal unterbringen. Da gibt es nicht mal mehr die Studios für. Die Plattenfirmen sparen an den Honoraren, und die jungen Leute arbeiten eher am Computer.

Damals gab es ja auch nur Schallplatten, später kamen dann CDs…

Last: Damals gab es auch nur zwei Fernsehsender und heute laufen nur noch Krimis. Man schaltet den Fernseher ein, und es läuft ein Krimi. Das ist der Wahnsinn.

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Der Bandleader und Musiker James Last auf Tour. Foto: Christian Kaspers

Ist es heute schwieriger junge Menschen für Musik zu begeistern?

Last: Nein, das glaube ich nicht. Junge Leute machen ja auch Musik. Vielleicht nicht immer perfekt. Wenn man Musik studiert hat, dann geht man mit Tönen ganz anders um. Man hört zum Beispiel den Unterschied zwischen einer Bass- und einer normalen Posaune. Das lernt man heute nicht mehr. Aber trotzdem schreiben die jungen Leute ihre Hits.

Sie lassen sich musikalisch nicht festlegen. Wenn man sich Ihre aktuelle Platte anhört, ist da Jazz, Easy Listening, Schlager…

Last: Für jeden etwas.

Haben Sie denn ein Lieblingslied?

Last: “Der einsame Hirte” ist ein Lieblingsstück von mir. Das hat ja auch Quentin Tarantino in dem Film “Kill Bill” verwendet.

Das Lied ist auf dem Album “ Russland Erinnerungen” erschienen, sofern ich mich erinnere. Sie waren 1972 auf Tour in Russland. Wenn man Sie heute fragt, würden Sie da noch mal hinfahren?

Last: Klar. Auch da haben sich die Zeiten geändert. Obwohl wir damals auch Theater hatten. Die jungen Leute kannten unsere Lieder. Und wenn wir “Let The Sunshine In” gespielt haben, fingen alle an zu jubeln. Aber die Bonzen, die da saßen, kannten unsere Songs nicht.

Sie haben im Video der Band Ich und Ich mitgespielt. Sie haben mit Fettes Brot zusammen musiziert. Ehrt es Sie, wenn die junge Generation Ihre Musik mag?

Last: Ja klar. Ist doch logisch. Die haben verstanden, was ich will. Ich möchte weitermachen. Und selbstverständlich hält mich das jung. Die Zeiten haben sich geändert: Heute ist ein Schlager nach spätestens zwei oder drei Jahren weg vom Fenster. Früher gab es eben noch Evergreens.

Und umgekehrt, können Sie noch jüngere Musiker beeinflussen?

Last: Es kommen viele zu mir, um von meiner Erfahrung zu profitieren. Die fragen nach, wie ich etwas instrumentieren würde, ob es richtig ist, was sie machen und welchen Weg sie einschlagen sollen.

Sie haben neben vielen Platin-Alben auch über 200 Goldene Schallplatten bekommen. Wo bringen Sie die alle unter?

Last: Unterschiedlich. Manche liegen unterm Bett. Manche liegen im Schrank…

Das wird dann irgendwann zur Routine...

Last: Nein, nein. Man ist auf jede einzelne stolz. Ich habe es immer als Dankeschön vom Publikum verstanden. Die Plattenfirmen haben die Verkaufszahlen gesenkt: Da hat eine Entwertung stattgefunden. Damals bekam man für 250.000 verkaufte Platten eine goldene Schallplatte, heute reichen bereits deutlich weniger. Und noch früher gab es sogar noch die sogenannten Millionenseller.

Mal angenommen, es würde ein Film über Sie gedreht. Keine Dokumentation, sondern ein Spielfilm. Wer sollte Sie spielen?

Last: Da fällt mir keiner ein. Mich gibt es nur einmal. Ich müsste mich selbst spielen (lacht).

Was motiviert Sie mit 85 Jahren noch immer auf Tour zu gehen?

Last: Das ist eine tolle Sache. Ich schreibe alles selbst. Und die Musiker spielen es so, wie ich es haben möchte. Wir proben nur drei oder vier Tage vor der Tour und dann beherrschen die das. Dann stehe ich abends auf der Bühne. Hinter mir diese tollen Musikern und vor mir ein lachendes Publikum mit Freude an der Musik. Das ist schon ein tolles Leben, wenn ich da oben stehe.

Tour

James Last & His Orchestra: Non Stop Music in Concert 2015, 29. März, 19 Uhr, Halle Münsterland.

...

Sind Sie noch aufgeregt, wenn Sie da oben stehen?

Last: Ich habe die Hosen voll. Und so viele Hosen habe ich leider nicht (lacht). Nein. Die Leute klatschen bereits, wenn ich auf die Bühne komme und dann habe ich schon gewonnen.

Ihre Frau ist auch mit auf Tour?

Last: Ja. Das ist mir wichtig. Und sie macht das auch toll. Gerade als ich krank gewesen bin , war sie eine großartige Unterstützung.

Sie haben in der Royal Albert Hall gespielt, auf der Berliner Waldbühne. Jetzt spielen Sie in der Halle Münsterland . Ist Ihnen die Größe der Halle und die Menschenmenge egal?

Last: Die spielt keine Rolle. Aber die Musiker wollen natürlich auch alle ernährt werden. Das sind hundert Leute, die auf Reisen sind. 40 Musiker und dann noch die Techniker, die alles auf- und abbauen müssen. Aber in der Halle Münsterland habe ich gerne gespielt. Das erste Mal vor 50 oder 60 Jahren. Die Waldbühne ist auch ein großartiger Platz. Wenn man das Publikum hat, dann spielen die Tapeten keine Rolle mehr. Natürlich spielen wir auch diesmal in der Royal Albert Hall – zum 89 und 90. Mal. Und auch in den ganz großen Arenen z.B. in Hamburg, Köln oder Berlin.

 

Billy Joel spielt jetzt im Madison Square Garden. Einmal im Monat. Bis er die Konzerte nicht mehr ausverkauft. Das wäre doch was für Sie. Gerade wegen Ihres Mottos, immer weitermachen zu wollen…

Last: Billy Joel hat aber nicht so einen großen Apparat an Musikern wie ich. Und ich freue mich ehrlich schon auf die Halle Münsterland. Was das Motto angeht, das stimmt. Ich schaue hier gerade durch eine Glasscheibe, da hängt eine Karte, auf der “Weitermachen” steht.

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