Kabarettist Mathias Richling über G7-Gipfel, Comedy und kritische Politiker
Millionengrab Schloss Elmau

Münster -

Mathias Richling ist ein Urgestein der deutschen Kabarett-Szene. Am Freitag (12. Juni) ist der 63-Jährige mit seinem aktuellen Programm „Deutschland to go“ im Theater Münster zu Gast. Mit Richling sprach unser Redakteur Martin Kalitschke.

Donnerstag, 11.06.2015, 12:06 Uhr

Gastiert am Freitag im Großen Haus des Theaters Münster: Kabarettist Mathias Richling.
Gastiert am Freitag im Großen Haus des Theaters Münster: Kabarettist Mathias Richling. Foto: Rafael Kroetz

Herr Richling , was bewegt gerade einen Kabarettisten?

Richling: Zum Beispiel das G7-Treffen auf Schloss Elmau . 360 Millionen Euro wurden dafür ausgegeben, dabei dauerte das Ganze gerade mal 36 Stunden. Jede Stunde zehn Millionen Euro! Und nichts kommt raus. Hätte man sich da nicht einfacher im Kanzleramt treffen können?

Weitere Aufreger?

Richling: Stuttgart 21 , immer noch. Aber der Protest hatte auch etwas Gutes. Die Zeiten sind vorbei, in denen Politiker über die Köpfe der Bürger hinweg entscheiden konnten oder in denen die Bürger alles mit sich machen ließen. Entscheidungen für Großprojekte gehen nicht mehr am Bewusstsein der Bevölkerung vorbei.

Gar nicht so einfach, mit solchen Themen das Publikum dazu zu bringen, am Ende des Abends glücklich nach Hause zu gehen.

Richling: Das ist eben die Kunst des Kabarettisten. Er muss aufpassen, dass ein Abend nicht zu negativ verläuft. Nicht zu viel den Zeigefinger heben, nicht zu viel moralisieren und sich gleichzeitig lustig machen.

Hat es die Comedy einfacher als das Kabarett?

Richling: Ich finde die Unterscheidung zwischen Kabarett und Comedy idiotisch. Die Formulierkunst ist in beiden Gruppen gleich verteilt, es gibt gute Kabarettisten und schlechte Comedians – und umgekehrt. Beide wollen unterhalten, und beide wollen dem Publikum einen Erkenntnisgewinn bescheren. Viele Kollegen sind in beiden Lagern unterwegs, ich übrigens auch. Das hat den Vorteil, dass man nicht nur über Politik reden muss. Was ich allerdings definitiv vermeide, sind Auftritte vor mehr als 2000 Zuschauern – wie das ja bei Comedians oft vorkommt.

Zum Thema

Freitag (12. Juni), 20 Uhr, Großes Haus des Theaters Münster, Neubrückenstraße.

...

Haben Sie eigentlich mal Rückmeldungen von Politikern bekommen?

Richling: Die verhindern es tunlichst, mit Kabarettisten Kontakt aufzunehmen – schließlich könnte man das kurz darauf schon im Internet finden. Aber früher hat es schon mal Kritik gegeben. So sprach mich einmal Johannes Rau persönlich an und wollte, dass ich mich entschuldige.

Sie sind regelmäßig in Münster zu Gast – gerne?

Richling: Auf jeden Fall. Ich bin etwa alle zwei Jahre in Münster, und das waren hier immer tolle Veranstaltungen, an die ich nur angenehme Erinnerungen habe.

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