Interview mit Fettes Brot
Die Beach Boys des Hip-Hop

Münster/Hamburg -

Wo dieses Trio ist, ist Party. Fettes Brot gehen auf Tour und kommen nach Münster. Im Gepäck haben sie ihr neues Album „Teenager vom Mars“ mit dreizehn neuen Songs, die richtig Lust auf das Konzert machen. Unser Redakteur Carsten Vogel hat vorab mit König Boris gesprochen.

Donnerstag, 10.09.2015, 13:09 Uhr

Fettes Brot: Dokter Renz, König Boris und Björn Beton sind auf den Baumstämmen dieser Welt zu Hause und geben auch bei Hintergrundbeleuchtung eine gute Figur ab. Gerade haben sie ihr achtes Studioalbum veröffentlicht, mit dem sie jetzt auf Tour gehen.
Fettes Brot: Dokter Renz, König Boris und Björn Beton sind auf den Baumstämmen dieser Welt zu Hause und geben auch bei Hintergrundbeleuchtung eine gute Figur ab. Gerade haben sie ihr achtes Studioalbum veröffentlicht, mit dem sie jetzt auf Tour gehen. Foto: Jens Herrendorf

Kennst du “Louis und seine außerirdischen Kohlköpfe”?

König Boris: Louis de Funès? Ja, habe ich gesehen, aber nicht mehr ganz vor Augen. 

Ist das auch eure Art von Humor?

König Boris: Damit kann man nicht viel falsch machen. Der zweite Louis ist CK, der ist auch ganz großartig. 

Mars Attacks? Plan 9 from Outer Space?

König Boris: Auf jeden Fall. Aber Björn Beton ist bei uns eher für Science-Fiction-Plauderei zu haben. 

Die Fragen kommen ja nicht von ungefähr, schließlich heißt euer neues Album „Teenager vom Mars“. In dem gleichnamigen Song erwähnt ihr „ein Leben ohne youtube-Kommentare“. Gerade in sozialen Netzwerken gibt es Probleme mit rechten Kommentaren...

König Boris: „Im All wissen es alle: Ihr könnt Fremde hier nicht leiden.“ Genau. 

Wie geht ihr als Band mit solchen Posts um?

König Boris: Dass das Netz zur enthemmten Meinungsäußerung einlädt, ist ja nicht neu. Aber schrecklich manchmal, wie die Menschheit hier ihre hässlichste Fratze zeigt. Facebook und andere soziale Netzwerke sind unserer Meinung nach ungeeignet für politische Diskussionen. Aber wenn auf unseren Seiten irgendein Nazischeiß gepostet wird, dann löschen wir das. Wir äußern uns in unserer Musik dazu. Das ist unsere Kernkompetenz, und das bekommen die meisten dann auch mit. 

Wie handhabt ihr das auf Konzerten?

König Boris: Popmusik ist gelungen, wenn Haltung und Unterhaltung zusammentreffen. Das auf der Bühne zu thematisieren, ist richtig und kann an geeigneter Stelle auch prominenter gemacht werden. Dann muss man aber abwägen, wo man das macht, in welchem Zusammenhang man sich äußert und ob es angebracht ist. 

Höre ich bei dem Song „Teenager vom Mars“ ein bisschen Blur raus?

König Boris: Das Woo-hoo? Vielleicht (lacht). Unsere Inspirationsquellen sind vielfältig und dürfen hier und da auch mal zu hören sein. 

Konzert

Fettes Brot, Mittwoch, 25. November, Messe+Congress Centrum Halle Münsterland, 20 Uhr. Karten gibt es im WN-Ticketshop, Prinzipalmarkt 13-14 in Münster oder hier.

...

Wenn ich morgens Radio höre, dann jammert mir nach den Nachrichten stets jemand etwas von Wolke vier vor oder wie schön ich bin...

König Boris: (lacht laut

... liegt das am Radio oder an mir oder wird in Deutschland nur schlechte Musik aufgenommen?

König Boris: Ich glaube, das ist eine Mischkalkulation. Vielleicht bist du a) nicht die Zielgruppe – zum Glück, dann gratuliere ich dir, b) bevorzugt Radio eher Leichtverdauliches und c) ist es vielleicht ein Trend, dass andere davor zurückschrecken, drängendere Themen in ihren Songs zu besprechen. Aber dafür gibt es ja zum Glück uns (lacht). 

Schweifen wir mal kurz ab. Es gibt ja das Jugendwort des Jahres. Hast du eure Fans schon mal Sachen sagen hören wie: Smombie, Discopumper, Eierfeile oder gesichtspalmieren?

König Boris: (lacht laut) Eierfeile gefällt mir sehr gut, auch wenn ich nicht weiß, was das bedeutet. Ich habe gehört, dass das Wort „geil“ durch „Bambus“ ersetzt werden soll. Das finde ich gut. 

Eierfeile ist ein Fahrrad. Sollten gerade Münsteraner kennen.

König Boris: Und Smombie ist jemand, der aufs Smartphone schaut und damit rumläuft. Klingt sehr konstruiert. Ich bezweifle stark, dass junge Leute so sprechen. 

Ich auch. Aber um auf andere Lieder von euch zu sprechen zu kommen: Gibt es noch Leute, die „klaro“ sagen? Oder „heißer Scheiß“ bzw. „the shit“?

König Boris: Wir auf jeden Fall. Da ist es uns egal, ob das jemand anderes sagt, ab jetzt ist es wieder up to date sozusagen (lacht). Mal ehrlich: „Du bist the shit“ ist doch die größte Liebeserklärung überhaupt. Das hat mir sehr gut gefallen. 

Ich weiß nicht, wie ich jetzt darauf komme, aber kennst du das Wort „Tinderella“?

König Boris: (lacht laut) Sehr schön. 

Alle außer dir in der Band sind ja bereits Väter. Schränkt euch das ein?

König Boris: Weniger, als man denkt. Die Zeitplanung ist vielleicht detaillierter, aber ehrlicherweise ist es eher bereichernd als hinderlich. 

Nochmal eine Filmfrage: Kennst du den Film „Discopath“? Richtiger Trash. Immer wenn da einer Disco-Musik hört, rastet er aus.

König Boris: (lacht) Verstehe. 

Bei eurem aktuellen Album müsste der sehr viel ausrasten. Ist „Teenager vom Mars“ so ein wenig euer Disco-Album?

König Boris: Empfinde ich nicht so. Eklektisch würde ich gelten lassen. Wir haben uns keine Gedanken über ein Konzept oder einen roten Faden gemacht. Dass bei dem einen oder anderen Lied elektronische Musik Einfluss gefunden hat, würde ich bestätigen. Ansonsten sind unsere Einflüsse vielfältig. Bei einem Stück wie „Meine Stimme“ sind das eher die Beach Boys

Wer ist denn die aktuell beste Hip-Hop-Band im Land?

König Boris: Das kann ich schwer beantworten. Aber zwei Bands finde ich super: Antilopen Gang und Fatoni

Die gehen mit euch auf Tour, oder?

König Boris: Ja. Die teilen sich das. Falls du die nicht kennst, solltest du das dringend nachholen. 

Ich habe euch jeweils auf euren letzten beiden Tourneen gesehen. Beim vorletzten Mal waren im Mittelteil viele ruhige oder Midtempo-Stücke. Deshalb hat mir es beim letzten Mal besser gefallen...

König Boris: Schön, dass dir der Unterschied aufgefallen ist. Das gefällt mir. Ich habe die ehrenvolle Aufgabe bei uns, mir die Setlisten ausdenken zu dürfen. Und beim letzten Mal habe ich mir überlegt, den eher melancholischen Teil wegzulassen. Aber viele Leute mögen es auch, wenn es ruhigere Passagen gibt. Wird es auf der aktuellen Tour auch geben, aber kürzer.

Fette Party in Lingen

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