Wahnsinniger Pöbler
Serdar Somuncu mischte den Hot Jazz Club mit vulgären Sprüchen auf

münster -

„Was willst du hier drüber eigentlich schreiben? Dass es fast nur um Pornografie ging?“, fragte ein etwas brüskierter junger Mann während des Konzerts und nippte an seiner Maracuja-Schorle. Gut. Die meisten Sprüche von Serdar Somuncu waren vulgär bis ekelhaft, aber wer wirklich dachte, er singe liebevolle Liebeslieder, war etwas naiv. Der Mann da vorne auf der Bühne ist nämlich nun wirklich nicht für seine romantische Ader bekannt.

Dienstag, 05.06.2012, 12:06 Uhr

Wahnsinniger Pöbler : Serdar Somuncu mischte den Hot Jazz Club mit vulgären Sprüchen auf
Foto: röv

Einen Namen machte sich der Musiker und Comedian, als er 1996 aus Hitlers „Mein Kampf“ vorlas. Weil ihn Neonazis bedrohten, trug er zeitweise eine kugelsichere Weste, aber ließ sich trotzdem nicht einschüchtern. Vor ehemaligen KZ-Häftlingen zitierte er aus Goebbels Sportpalastrede, kommentierte in Shows immer wieder frech die Tagespolitik und kritisierte als „Hassprediger“ die Bildzeitung . „Gehasst zu werden, ist wenigstens eine ehrliche Anerkennung“, sagte Serdar Somuncu bei seinem Auftritt am Sonntagabend und stichelte fast noch im selben Atemzug gegen einen Gast in der ersten Reihe. Seine Lieder sollten von der bedingungslosen bis zur perversen Liebe reichen und damit hatte er nicht gelogen. In einem Stück sang er aus der Sicht von Adolf Hitler mit ganz tiefer Stimme: „Ich will, dass du mir hörig bist und mir ewig deine Liebe zollst.“ Wie ein Wahnsinniger schrie er dabei. Und auch die perverse Form menschlicher Beziehungen besang er in dem Lied „Supermann“, in dem er seine Ex-Freundin im Stil eines deutschen R.Kelly an sein sexuelles Können erinnerte. Kurz kommentierte er: „Ihr dürft mich nicht zu ernst nehmen“ – und nahm damit einigen Gästen die Skepsis, wer da bitte vor ihnen steht. Als er aber sah, wie ihn ein Konzertgast filmte, brach sein inneres Biest wieder aus: „Du kriegst damit doch nicht ein Prozent der Show real mit, und dann ist es auf YouTube auch noch verwackelt.“ Antworten konnte der Mann auf die Pöbelei nicht. Um sein Gesicht nicht zu verlieren, filmte er lediglich kurz weiter und nahm die Kamera dann Stück für Stück herunter. Und noch jemand verzog kurz das Gesicht. Bei dem Lied „Friss meine Scheiße“ schmiss der Sänger den Mikro-Ständer um, schüttete Wasser über seinen Kopf und machte dabei das Keyboard seines Bandkollegen nass. Gelassen putzte dieser die Tasten ab, und auch das Publikum hatte sich mittlerweile an den Frontmann gewöhnt. Es forderte immerhin laut eine Zugabe. Am Ende beichtete der Musiker, er sei ja auch nur auf der Bühne so. Sonst sei er ganz friedlich. Bestimmt.

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