Außendienst im Abseits
„Skyfall“: Ungewöhnlich düsterer James-Bond-Thriller

Weil sich bei Geheimdienstchefin M (Judi Dench) Fehlentscheidungen häufen, wird James Bond (Daniel Craig) Opfer ihres Schießbefehls, und die Kugel der überforderten Außendienstmitarbeiterin Eve (Naomie Harris) fegt ihn vom Dach eines fahrenden Zuges: 007 ein Kollateralschaden und scheinbar tot.

Freitag, 02.11.2012, 13:11 Uhr

Außendienst im Abseits : „Skyfall“: Ungewöhnlich düsterer James-Bond-Thriller
Merkwürdige Folter: James Bond 007 wird vom schwulen Internet-Terrorist Silva (Javiem Bardem ) verhört und betatscht. Erholung hatte er vorher im Südchinesischen Meer bei der rätselhaften Sévérine (Bérénice Malhone, kl. Bild) gefunden. Foto: Sony

Für die Auferstehung lässt er sich Zeit und kehrt zurück, als M in die politische Schusslinie gerät. Grund ist Terrorist Silva (Javier Bardem), der einen Bombenanschlag auf die MI6-Zentrale verübt und Rache nehmen will. Diese Schatten der Vergangenheit holen M und Bond ein, der aktiven Mutterschutz leistet und sie zum schottischen Familien-Anwesen Skyfall bringt, wo ein explosives Finale zu neuen Figurenkonstellationen führt.

„Skyfall“ ist ein ungewöhnlich düsterer 007-Thriller, der sich mit Leichen im Keller, Verrat, Rache, Loyalität, dem Außendienst im Abseits und der Sturheit der britischen Bulldogge Bond herumschlägt. Der Theaterhintergrund von Regisseur Sam Mendes bringt bühnenhafte Szenen hervor, die Dialoge sind brillant und pointiert geschrieben, vor allem in den Flirts mit Eve und in der von Silva in einer ungeschnittenen Einstellung erzählten Ratten-Parabel.

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Da der größte Teil in London spielt, bleibt die Exotik der Schauplätze reduziert, die visuell aufregendsten Szenen finden in Shanghai und in einer Spielhölle in Macao statt. Im Prolog rast Bond verbissen über und durch den Großen Basar in Istanbul, wo Jackie Chan in „Spion wider Willen“ witziger rannte. Schottland legt als Sherlock-Holmes-Terrain notwendige Finsternis über eine Story, die Bond wiederholt in Unterwelten (U-Bahn, Churchill-Bunker, Eiswasser) treibt. Die Actionszenen sind überzeugend, der Titelsong knüpft an klassische Bond-Titellieder an, der psychedelische Trailer ist ein Genuss.

Erotik hat indes zu wenig Platz, die kühle Sévérine (Bérénice Malhone), die ihn gefährlich rasiert, ist kein adäquates Bond-Girl. Xavier Bardem als schwuler Internet-Mephisto mit Ödipus-Psychoknacks gehört zu den schillernden Gegnern und zwingt James Bond eine Wilhelm-Tell-Nummer auf, Judi Dench als M ist nur noch eine verbitterte alte Frau mit Sehnsucht nach Erlösung. Erfreulich allerdings der neue Waffenmeister Q (Ben Wishaw), ein cooler Nerd mit PC-Melancholie, der Bond in der National Gallery mit pseudophilosophischen Weisheiten quält. Nicht der beste Bond, aber in den Top 7.

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