Mauerblümchen, sanft gepflückt
„Vielleicht lieber morgen“: Gelungenener Teeniefilm mit Retro-Soundtrack

Charlie ist 16 und nimmt Psychopharmaka, seit sich sein bester Freund das Leben nahm. In seiner neuen Highschool ist er sofort wieder als Mauerblümchen abgestempelt. In die Coolness-Hierarchie des Schulalltags kann er sich einfach nicht einreihen. Bis er die Außenseiter-Zwillinge Sam und Patrick trifft: Sam ist genau das lässige Mädchen, mit dem Jungs gern rumhängen würden, Patrick ein schwuler Exzen­triker mit ironischer Distanz zu den Eitelkeiten der Mitschülerschaft. Wird jetzt alles gut für Charlie?

Freitag, 02.11.2012, 13:11 Uhr

Mauerblümchen, sanft gepflückt : „Vielleicht lieber morgen“: Gelungenener Teeniefilm mit Retro-Soundtrack
Logan Lerman (v.l.) als Charlie, Ezra Miller als Patrick und Emma Watson als Sam in dem Drama „Vielleicht lieber morgen“. Foto: Capelight

Highschool-Teeniefilme entwickeln zwischen erster Liebe, Drogen , Cheerleader-Stereotypen und Underdog-Triumphen stets aufs Neue eine Kartografie des Jungseins als Durchsetzungskampf. Und auch in dieser Variante gibt es all diese Elemente.

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Regisseur Stephen Chbosky findet in der Verfilmung seines eigenen Romans allerdings genau den richtigen Ton zwischen Drama und Komödie, um aus der Masse des Vergleichbaren herauszuragen: Sein sensibler Film bemüht sich um Tiefgang und ist sympathisch besetzt. Logan Lerman („Percy Jackson“) etwa ist ein Glücksgriff in der Titelrolle: Den Zwiespalt zwischen Zugehörigkeitssehnsucht und Selbstfindung spielt er nuancenreich aus. Ebenso erfreulich ist Emma Watson als Sam. Sie gestaltet die junge Frau mit schlimmem Geheimnis so charismatisch, dass man kaum je an Harry Potters Freundin Hermine denken muss, die sie immerhin zehn Jahre lang spielte: eine echte Befreiung! Und Ezra Miller (als Patrick) muss schon seit seiner Amokläufer-Rolle aus „We Need to Talk about Kevin“ niemandem mehr beweisen, dass er zu den derzeit faszinierendsten Jungdarstellern in Hollywood gehört.

Mit Retro-Soundtrack zwischen Smiths und Bowie ist Chbosky ein gekonnt zwischen Abgrund und Aufbruch balancierendes, gefühlvolles, nie ins Kitschige abdriftendes Jugenddrama geglückt – und auf jeden Fall einer der besten Teeniefilme der letzten Jahre. Sehenswert.

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