Bittere Pillen und süße Medizin
„Side Effects“: Steven Soderbergh führt Rooney Mara und Jude Law durchs tiefe Tal der Abhängigkeiten

Als sie den Wagen in der Tiefgarage voll in die Mauer fährt, landet Emily (Rooney Mara) bei Dr. Banks (Jude Law), einem aufstrebenden Psychiater mit arbeitsloser Ehefrau (Vinessa Shaw). Was Emily nun in Steven Soderberghs souveränem Pharma-Thriller „Side Effects“ erlebt, führt sie, den Arzt, seine Kollegin Dr. Siebert (Catherine Zeta-Jones) und Emilys Mann Martin (Channing Tatum) ins tiefe Tal der Abhängigkeiten von Medikamenten und denen, die sie als Ärzte verschreiben und als Pharmareferenten vertreiben.

Donnerstag, 25.04.2013, 16:40 Uhr aktualisiert: 26.04.2013, 13:36 Uhr
Während Martin (Channing Tatum, gr. Bild) versucht, seine Frau Emily (Rooney Mara) aufzumuntern, muss Psychiater Dr. Banks (Jude Law) seine Frau Deidre (Vinessa Shaw) trösten. Eifersucht ist nicht der Grund.
Während Martin (Channing Tatum, gr. Bild) versucht, seine Frau Emily (Rooney Mara) aufzumuntern, muss Psychiater Dr. Banks (Jude Law) seine Frau Deidre (Vinessa Shaw) trösten. Eifersucht ist nicht der Grund. Foto: dpa

Die im Titel angesprochenen Nebenwirkungen der Psychopharmaka wie Prozac und anderen von „ Mutters „kleinen Helfern“ führen bei Emily, die ohnehin unter Depressionen leidet, zu Schlaflosigkeit und kurz nach dem ersten Drittel des Films zu einer Tat, die mitsamt weiteren überraschenden Wendungen den Film von Grund auf verändert und zum komplexen Kriminalfall macht.

Nach und nach erst enthüllen sich hier die Motive und wahren psychischen Befindlichkeiten der handelnden Figuren, sei es in Rückblenden, sei es in den pointierten Dialogen, mit denen Soderbergh und Drehbuchautor Scott Z. Burns auf mehreren Ebenen arbeiten.

Zum einen führen sie die verschiedenen Stadien der Depression vor Augen, einer Krankheit, die „es unmöglich macht, sich eine Zukunft aufzubauen“. Zum anderen geißeln sie mit böser Ironie die Praktiken von Ärzten und Pharma-Konzernen, die so bedenkenlos wie profitorientiert vorgehen und Wege wissen, wie man misstrauischen Ethik-Kommissionen aus dem Weg geht. Auf der dritten Ebene vernetzt Soderbergh die bitteren Pillen und die süße Medizin mit einem Kriminalfall, der weit über die engen Grenzen von Rezepten und psychiatrischen Zentren hinaus in die weite Welt des legalen und illegalen Geldmachens führt.

Rooney Mara , die bereits in „The Social Network“ und dem US-Remake von „Verblendung“ ihr großes Talent zeigte, geht als Emily virtuos durch die Stadien der Krankheit und einer Rolle, die sie neben der offensichtlich depressiven Frau spielt – da lauert für die Besucher eine weitere große Entdeckung. Jude Law und Catherine Zeta-Jones liefern als grundverschiedene Psychiater Studien klarer Kompetenz und vorsätzlicher Täuschung, bei der es für ihre Patienten in der Tat gefährlich zu werden droht. Wer nach „Side Effects“ ihren Berufen traut, fährt auf eigenes Risiko. Sehenswert.  

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