"Broken Circle"
Ein Hippie singt Country

Die Welt ist schön! Didier zupft in einer Bluegrass-Band das Banjo, der Mittdreißiger singt die weisesten Lieder der Countrymusik und lebt ansonsten ein ehrliches, belgisches Hippieleben. Dann trifft er auf die hübsche Tätowiererin Elise, einen coolen Freigeist: Es ist die große Liebe! Sofort! Erst wird sie Mitglied seiner Band, dann schwanger: Die süße Maybelle kommt auf die Welt. Ein Landhaus wird hergerichtet für sechs kostbare Jahre Familienglück. Bis ihnen das Leben alles kurz und klein haut.

Donnerstag, 25.04.2013, 16:40 Uhr aktualisiert: 25.04.2013, 17:53 Uhr
Hat ein hübsches Tattoo auf dem Rücken: Elise (Veerle Baetens).
Hat ein hübsches Tattoo auf dem Rücken: Elise (Veerle Baetens). Foto: dpa

Maybelle nämlich erkrankt an Krebs und stirbt. Man darf das verraten, weil der neue Film von „Die Beschissenheit der Dinge“-Regisseur Felix van Groeningen keine linear dem Abgrund entgegentaumelnde Tragödie ist, sondern mit kühnen Schnitten hin- und herspringt zwischen den Zeitebenen. Nicht um den Tod des Kindes geht es in „ Broken Circle Breakdown“ (wie das zugrundeliegende Theaterstück des Hauptdarstellers Johan Heldenbergh heißt), sondern vor allem um die Beziehung der Eltern: Was macht es mit der Liebe, wenn das Schlimmste über einem Paar hereinbricht? Schweißt es zusammen – oder reißt es latent vorhandene Bruchstellen gnadenlos auf?

Mehr Infos

Trailer, Bilder und Infos, wann und wo der Film läuft, gibt es hier .

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Gegen Ende spielt van Groeningen vielleicht ein bisschen zu gnadenlos Hiob mit seinen Protagonisten, und die Querverweise aufs Bush-Amerika nach den 9/11-Anschlägen wirken etwas zu aufgesetzt, doch insgesamt hält er Leidenschaft, Witz und Tragik in packender Balance: Dadurch, dass der Kindstod nahezu von Anfang an über der gesamten Erzählung schwebt, schwingt in den Glücksszenen das kommende Desaster immer mit, dadurch werden aber auch die Momente tiefster Trauer von Heiterkeit abgefedert. Die geschickt eingestreuten Bluegrass-Nummern kommentieren das Geschehen wie der Chor im antiken Drama, und die beiden grandiosen Hauptdarsteller (Heldenbergh und Veerle Baetens) spielen sich die Seele aus dem Leib. Auf der Berlinale gab’s für dieses bald tröstende, bald niederschmetternde Wechselbad der Gefühle den Publikumspreis. Sehenswert.  

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