Paulette
Kantige, ruppige und temporeiche Satire um Drogen, Rassismus und Vorurteile

Wer glaubt, das französische Kino ruhe sich auf gängigen Wohlfühlfilmen aus, der irrt sich im Fall von Jérome Enricos „Paulette“ gewaltig. Denn die kantige, ruppige und temporeiche Gesellschaftssatire um eine „unwürdige Greisin“, die mit Drogen dealt, ist ein Meisterwerk der Ambivalenz und ein unbequemes Werk, bei dem dem Zuschauer das Lachen im Hals steckenbleiben soll wie der Shit im Schokoladenkuchen, den Paulette serviert. Enrico führt mit krassem Sozialblick und an Luis Bunuel erinnernder Schärfe sein Rasiermesser durch die Augen einer blinden Gesellschaft.

Donnerstag, 18.07.2013, 18:07 Uhr

Kleine Geschäfte: Oma Paulette (Bernadette Lafont) verhandelt knallhart mit den Dealern ihres Viertels.
Kleine Geschäfte: Oma Paulette (Bernadette Lafont) verhandelt knallhart mit den Dealern ihres Viertels. Foto: dpa

Paulette ( Bernadette Lafont ) erkämpft sich in einem Pariser Vorort auf Obstmärkten und in Mülltonnen Habseligkeiten, um die Mindestrente aufzubessern. Als ihr per Zufall ein Päckchen Haschisch in die Hände fällt, steigt sie ins örtliche Drogengeschäft ein und bringt zum Erstaunen aller Beteiligten den Pariser Haschhandel in neue Dimensionen, ihre Fähigkeit als ehemalige Konditormeisterin zu neuer Blüte und Familie, Freunde und Nachbarn zu neuer Weltsicht.

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Trailer, Bilder und Infos, wann und wo der Film läuft, gibt es hier .

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Ist allein das ein Grund, „Paulette“ als der Dealerin unseres Vertrauens zu folgen, so wird der Film durch die Leistung von Bernadette Lafont der pure Genuss. Mit all der Erfahrung ihrer 75 Lebens- und 57 Kinojahre fegt Lafont, energetische Veteranin der Nouvelle Vague, als Wirbelsturm von Widersprüchlichkeiten und als fröhliche Rassistin, die den farbigen Schwiegersohn „Osama“ und den Enkel „kleine Buschtrommel“ nennt, durch eine rasante Geschichte, die Enrico mit drei Studenten entwickelte.

Die Story sondiert subkutan im Populären das Perfide und handelt im Endeffekt mehr von den Vorurteilen und der Gleichgültigkeit einer Gesellschaft. Die kippt gleichermaßen junge und alte Leute gezielt aus der Gemeinschaft heraus, wie Enrico anlässlich der Premiere seines Films auf dem Filmfest Emden betonte, wo er den Hauptpreis gewann. So oder so, der Stoff, mit dem „Paulette“ in Frankreich und Portugal zum Millionenerfolg wurde, sollte auch deutschen Zuschauern munden. Einschließlich des bitterbösen Nachgeschmacks.

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