Trauerfeier
«Ein Seelenkenner» - Bewegender Abschied von Bruno Ganz

Hunderte Menschen haben bei einer Trauerfeier von Bruno Ganz Abschied genommen. Er war einer der ganz großen Schauspieler, Träger des renommierten Iffland-Rings. Wer wird sein Nachfolger?

Mittwoch, 20.03.2019, 15:51 Uhr aktualisiert: 20.03.2019, 15:54 Uhr
Abschied von Bruno Ganz in der Kirche Fraumünster.
Abschied von Bruno Ganz in der Kirche Fraumünster. Foto: Walter Bieri

Zürich (dpa) - Als Seelenkenner und einen der letzten Überlebenden vom Heldenfach haben Berufskollegen den gestorbenen Schauspieler Bruno Ganz bei einer Trauerfeier geehrt. Unter anderem ergriffen am Mittwoch im Fraumünster in Zürich der Regisseur Wim Wenders und der Schauspieler Jens Harzer das Wort.

Harzer verlas einen berührenden Brief des Dramatikers Botho Strauß, der selbst nicht anwesend war.

In der Kirche stand vor dem Altar ein großes Farbfoto von Ganz, wie ihn ein Millionenpublikum kannte. Vor einer Steinmauer lächelt er darauf auf einen Zaun gelehnt lässig in die Kamera. Die Kirche war sparsam mit roten und weißen Tulpen und Osterglocken geschmückt.

Zusammen mit Familie und Freunden verabschiedeten sich Hunderte Trauergäste von dem Ausnahmekünstler. Darunter waren die Schauspielerin Iris Berben, ihre Kollegen Daniel Rohr, Burghart Klaußner und Joachim Król. Die Urnenbeisetzung war anschließend im Familienkreis auf dem Vorortfriedhof Rehalp geplant. Dort sind auch Ganz' Eltern und sein Bruder bestattet.

Ganz war einer der renommiertesten europäischen Film- und Bühnenschauspieler. Er starb am 16. Februar nach mehrmonatiger Krankheit im Alter von 77 Jahren. Er war Träger des Iffland-Rings, den jeweils «der bedeutendste und würdigste Bühnenkünstler des deutschsprachigen Theaters» auf Lebenszeit bekommt. Den Nachfolger bestimmt der Träger selbst. Spekulationen, dass Ganz' Vermächtnis während der Trauerfeier gelüftet werden könnte, bestätigten sich nicht.

Die Zeitschrift «Theater heute» setzte sich dafür ein, dass auch Frauen den Iffland-Ring bekommen können. Sie nannte als Kandidatinnen Sophie Rois, Birgit Minichmayr, Constanze Becker, Lina Beckmann, Wiebke Puls und Orit Nahmias. Die «Süddeutsche Zeitung» brachte als Nachfolger Jens Harzer, Martin Wuttke, Nicholas Ofczarek, Ulrich Matthes, Klaus Maria Brandauer, Lars Eidinger, Joachim Meyerhoff und Ulrich Tukur ins Spiel.

Bruno Ganz sei «einer der letzten Überlebenden vom Heldenfach» gewesen, schrieb Botho Strauß (74) in seinem Brief. «Autor für Dich zu sein, war die Erfüllung meines Theaterlebens.» Nach Worten von Wim Wenders war Ganz «ein Seelenkenner». Er sei begeisterungsfähig gewesen und ein Meister darin, den Funken überspringen zu lassen. Als Regisseur «habe ich kaum eine kostbarere und glücklichere Zeit gehabt als mit dir, Bruno», sagte Wenders.

Ganz stand als Schauspieler bereits als Teenager auf der Bühne, wie ein damaliger Mitschüler berichtete. Er verkörperte Hamlet, Odysseus, Faust und viele andere Klassiker ebenso wie 2015 den Alpöhi in einer «Heidi»-Verfilmung. 1987 brillierte er in Wenders' Film «Der Himmel über Berlin» als Engel Damian, der aus Zuneigung zu den Menschen auf seine Unsterblichkeit verzichtet. Mit seiner dämonischen Darstellung von Adolf Hitler in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs machte Ganz im Film «Der Untergang» 2004 weltweit Furore.

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