Abschied
Schauspielerin Hannelore Elsner gestorben

Sie begann als Starlet an der Seite von Freddy Quinn, war lange Jahre TV-Kommissarin und glänzte in preisgekrönten Dramen. Hannelore Elsner stand fast sechs Jahrzehnte vor der Kamera - bis zuletzt. Jetzt ist die Schauspielerin im Alter von 76 Jahren gestorben.

Dienstag, 23.04.2019, 17:08 Uhr aktualisiert: 23.04.2019, 17:41 Uhr
Hannelore Elsner starb nach kurzer, schwerer Krankheit im Alter von 76 Jahren.
Hannelore Elsner starb nach kurzer, schwerer Krankheit im Alter von 76 Jahren. Foto: Oliver Stratmann

Frankfurt/Main (dpa) - Egal ob Komödie, Charakterrolle oder die als Fernsehkommissarin: Hannelore Elsner gehörte viele Jahrzehnte zu den bekanntesten und beliebtesten Schauspielerinnen in Deutschland.

Im Alter von 76 Jahren ist die temperamentvolle Theater-, TV-, und Filmschauspielerin am Ostersonntag nach kurzer, schwerer Krankheit in München gestorben. Sie galt als eine der großen Diven des deutschen Nachkriegsfilms.

Schon als Jugendliche vor der Kamera

Schon als Jugendliche stand die 1,60 Meter große Elsner vor der Kamera. Mehr als 200 Fernseh- und Kino-Rollen nahm die ausdrucksstarke Schauspielerin mit dem strahlenden Lachen und der markanten Stimme seither an.

Einer ihrer letzten öffentlichen Auftritte war Ende Februar in München bei der Premiere des zweiten «Kirschblüten»-Films von Doris Dörrie. Mitte März begann Elsner in München und Umgebung mit den Dreharbeiten zu einem Märchenfilm.

Oft als kapriziöse Diva beschrieben, war Elsners Geburtsdatum lange nicht klar: An ihrem 52. Geburtstag wurde sie «öffentlich als Fünfzigjährige gefeiert, mit großem Tamtam und Interviews», schreibt sie in ihrer Autobiografie «Im Überschwang». Darin beschwert sie sich auch: «Ich muss über mein Alter reden, seit ich 25 bin.» Und: «Mir gefällt die buddhistische Idee, die sagt, bis 60 ist man jung, ab 60 wird man älter.»

Ein bewegtes Leben

Das Leben der gebürtigen Bayerin ist bewegt: Schon als kleines Mädchen muss sie den Tod ihres geliebten älteren Bruders verkraften. Bald darauf stirbt der Vater. Sie wechselt häufig die Schule und übernimmt als 14-Jährige in München kleinere Jobs, weil das Geld knapp ist. «Ich war nirgendwo richtig daheim», schreibt sie über ihre Jugend, schildert aber auch ihre unbändige Lebenslust.

Mit 16 Jahren sei sie in München bei einem Spaziergang mit ihrer Mutter entdeckt worden - von dem türkischen Regisseur Halit Refig. Nach Proben in Istanbul durfte sie auf die Schauspielschule und übernahm bald kleinere Rollen in Filmen mit Stars wie Hans-Joachim Kulenkampff und Freddy Quinn . Sie schwärmte jedoch für den französischen Film.

Hannelore Elsner - Ein Leben in Bildern

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  • Elsner, am 26. Juli 1942 im oberbayerischen Burghausen geboren, galt als eine der großen Diven des deutschen Nachkriegsfilms. Sie war in mehr als 200 Fernseh- und Kino-Rollen zu sehen. Hier erhält sie bei der Verleihung des Bayerischen Filmpreises in München den Ehrenpreis.

    Foto: Peter Kneffel
  • Ihren ersten Preis gewann Hannelore Elsner mit 29 Jahren. Erste Engagements hatte sie bei den Münchner Kammerspielen und bei der Kleinen Komödie München.

    Foto: Joachim Barfknecht
  • Bereits mit 17 Jahren gab Hannelore Elsner ihr Filmdebüt als Partnerin an der Seite von Freddy Quinn in "Freddy unter fremden Sternen" (1959).

    Hier ist sie gemeinsam mit Mario Adorf während des Deutschen Filmballs 1977 zu sehen.

    Foto: Istvan Bajzat
  • An den Münchner Kammerspielen war sie 1966 in einer Inszenierung als erste Nackte zu sehen.

    Foto: Istvan Bajzat
  • Unter der Regie von Edgar Reitz und István Szabó schuf sie sich später einen Namen als Charakterdarstellerin in Kinofilmen, nachdem sie in ihren ersten zwanzig Berufsjahren vor allem ihren Sexappeal in eher seichten Unterhaltungsfilmen eingesetzt hatte.

    Hier sitzt Elsner gemeinsam mit der Schauspielerin Sonja Kirchberger (links) und dem Filmproduzent Bernd Eichinger (2.v.l.) während des 17. Deutschen Filmballs im Jahr 1990 gemeinsam an einem Tisch.

    Foto: Istvan Bajzat
  • Seit den 1960er Jahren wirkte sie in zahlreichen Fernsehserien mit.

    Foto: Istvan Bajzat
  • Von 1994 bis 2006 verkörperte Elsner in der ARD-Fernsehkrimiserie „Die Kommissarin“ die Kriminalhauptkommissarin Lea Sommer, die in insgesamt 66 Folgen in Frankfurt am Main bzw. Hamburg ermittelte. Für ihre dortige Darstellung wurde sie 1995 als „Beste Darstellerin in einer Serie“ mit dem „Telestar“ ausgezeichnet.Hier ist die Schauspielerin mit ihrem Kollegen Thomas Scharff während der Dreharbeiten zu "Die Kommissarin" im Jahr 1998 zu sehen.

    Foto: Jörg Schmitt
  • Ihre größten Erfolge feierte Elsner nach einer fünfzehnjährigen Pause mit der Rückkehr auf die Kinoleinwand. Die Rolle der suizidgefährdeten Schriftstellerin Hanna Flanders in Oskar Roehlers Spielfilm Die Unberührbare brachte ihr im Jahr 2000 den Deutschen Filmpreis, den Deutschen Kritikerpreis und den Bayerischen Filmpreis ein.

    Foto: Istvan Bajzat
  • Elsner war von 1964 bis 1966 mit dem Schauspieler Gerd Vespermann verheiratet und von 1973 bis zu dessen Tod im Jahr 1981 mit dem Regisseur Alf Brustellin liiert. 1993 heiratete sie den Theaterdramaturgen und Verlagsleiter Uwe B. Carstensen. Diese Ehe wurde im Jahr 2000 geschieden. Mit dem Regisseur Dieter Wedel hat sie einen Sohn. Einige Jahre lebte sie mit dem Germanistikprofessor Günter Blamberger zusammen.

    Foto: Soeren Stache
  • Noch im Februrar 2019 erschien Elsner zur Premiere des Films "Kirschblüten und Dämonen" in der Astor Filmlounge. Sie starb im April 2019 im Alter von 76 Jahren nach kurzer, schwerer Krankheit.

    Foto: Tobias Hase

Ihre Agentin habe ihr damals geraten, die Nase schmaler machen und die Zähne begradigen zu lassen, sowie sich einen Künstlernamen zuzulegen, erinnert sich Elsner. Sie hörte nicht darauf, strich nur das «t» aus ihrem Geburtsnamen Elstner. Mit etwa 19 Jahren stand sie zum ersten Mal auf einer Theater-Bühne. Ihre erste von zahlreichen Auszeichnungen bekam Elsner mit 29 Jahren: die Goldene Kamera für die Rolle der Sasha in Tschechows Stück «Iwanow». Ihren Ruhm als preisgekrönte Charakterdarstellerin begründete sie erst um die Jahrtausendwende.

Ihr Kinodebüt gab sie 1961 in dem Film «Das Mädchen mit den schmalen Hüften». Starregisseur Jürgen Roland vertraute ihr ein Jahr später in der Krimiserie «Stahlnetz» ihre erste Hauptrolle an. Als Durchbruch zu internationaler Anerkennung gilt ihre Hauptrolle in Alf Brustellins Film «Berlinger» (1975). Drei Jahre später drehte sie mit ihm «Der Sturz» nach einem Roman von Martin Walser.

Plötzlicher Tod der Mutter

Brustellin war seit 1973 ihr Partner. Von ihrem ersten Ehemann, dem 18 Jahre älteren Schauspieler Gerd Vespermann, war sie längst geschieden. Sie lernte Brustellin bei den Dreharbeiten für den Kinofilm mit Elke Sommer und Mario Adorf «Die Reise nach Wien» (Regie: Edgar Reitz) kennen. Die Dreharbeiten helfen ihr über den plötzlichen Tod der Mutter hinweg, das Verhältnis schilderte sie als schwierig.

Der Filmemacher starb 1981 bei einem Verkehrsunfall. Da war Elsners einziges Kind, ihr Sohn Dominik, gerade ein halbes Jahr alt. Sie hatte Monate mit dem Neugeborenen im Krankenhaus verbracht, weil es zu früh auf die Welt gekommen war. Vater ist der Regisseur Dieter Wedel.

Später war Elsner «drei wunderschöne Jahre» mit dem Filmproduzenten Bernd Eichinger zusammen. 1993 heiratete sie den Theaterdramaturgen und Verlagsleiter Uwe Carstensen und zog mit ihm von München nach Frankfurt am Main, die Ehe ging 2000 auseinander.

Erfolgreich als Kommissarin

Im Fernsehen war Elsner in der ARD-Serie «Die Kommissarin» (1994-2006) besonders erfolgreich. Als Lea Sommer war sie eine der bekanntesten deutschen TV-Ermittlerinen. In Pumps, Kostüm und schwarzer Lederjacke ermittelte sie in fast 70 Folgen. Til Schweiger war anfangs ihr Assistent.

Auf die Bühne kehrte sie 1996 mit dem Solostück «Eine tot-normale Frau» zurück. Ohne dieses sei sie nicht bereit gewesen für «Die Unberührbare» (2000), berichtete sie. Ihre Darstellung einer vom Leben gekennzeichneten Schriftsellerin brachte ihr den Deutschen Filmpreis ein. Gleich noch einmal bekam sie ihn für ihren Leinwandmonolog einer Schauspielerin in «Mein letzter Film» (2002) nach einem Drehbuch von Bodo Kirchhoff.

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