Kraftklub
Biederkeit ist ihr Punk

Kraftklub umgibt seit „Ich will nicht nach Berlin“ ein solcher Hype, wie man ihn selten bei einer Newcomer-Band erlebt. Die Hit-Single hat die fünf Rowdys aus Chemnitz an die Spitze vieler Prognose-Charts katapultiert. Von ihnen wird 2012 viel erwartet. Nun ist ihr Debütalbum erschienen: „Mit K“.

Donnerstag, 26.01.2012, 10:01 Uhr

Kraftklub haben ihr Debütalbum veröffentlicht: "Mit K"
Kraftklub haben ihr Debütalbum veröffentlicht: "Mit K" Foto: Universal

Alle haben es verstanden: Kraftklub kommen aus dem Osten, genauer: aus „ Karl-Marx-Stadt “, wie Chemnitz zu DDR-Zeiten hieß. Das betonen die fünf Anfangzwanziger so oft, dass es verdächtig nach Marketing-Kampagne riecht.

Sei‘s drum. Denn die Tracks auf „Mit K“ könnten authentischer kaum sein: Irgendwo zwischen Deichkind und Tocotronic pendeln sich Kraftklub ein, und mixen Rap mit Rock, was für gewöhnlich so harmonisch ausgeht wie ein Kaffeekränzchen bei Schalke- und Dortmund-Fans.

Doch auf dem 13 Songs umfassenden Erstling gelingt das Kunststück. Zu Gitarrenriffs à la Hives, Killers, Strokes und Franz Ferdinand flicht Frontmann Felix Kummer einen luschenhaften Sprechgesang ein, der von allem und nichts handelt, nicht ganz so verstörend ist wie bei den Atzen, aber auch nicht so verblödend wie bei Frittenbude – und der vor allem keine Hoffnung auf eine bessere Zukunft verbreitet. „Dein Leben läuft gut / Mein Leben läuft Amok“, heißt es in „Mein Leben“. In „Songs für Liam“ geht es sinnbefreit weiter: „Wenn du mich küsst / Kommen unsere Freunde zurück aus Berlin .“ Ach so. Das müssten im Übrigen jene Freunde sein, die zuvor nicht in die Hauptstadt wollten („Ich will nicht nach Berlin“) oder versehentlich ein Studium in Frankfurt am Main begonnen haben („Wieder Winter“).

Kraftklub jammern nicht, sie stellen nüchtern fest: „Wir sind Produkte der sich dahinschleppenden Vergangenheitsbewältigung“ – oder auch: „Original Ostler“, wie sie völlig wertfrei in „Karl-Marx-Stadt“ singen, dem dahingenuschelten „Loser“-Sample des Beck-Songs von 1993. „Egal, wo wir hinkommen, unsere Eltern waren schon hier.“ In „Zu jung“ zeigt sich eine Generation, die nicht mehr aufbegehren kann, weil sie nicht weiß, wogegen (Nicht mal mehr als „Ossis“ gegen die „Wessis“!). Deren Rebellion versandet. Und deren Biederkeit ihnen als Neo-Punk ausgelegt wird. Welche Wahl bleibt da, als „mit Indie-Jacke und Indie-Matte“ Tanzhallen zu bevölkern, wie Felix Kummer „Scheiss­indiedisko“ lässig-lustlos einleitet.

„Wir machen Popmusik!“ Auf diesen einfachen Nenner aus „Eure Mädchen“ lässt sich die herrlich stumpfe Kraftklub-Musik bringen. Jene Girls und auch die männlichen Fans feierten die Indie-Rapper im Vorprogramm von Casper, Fettes Brot und den Beatsteaks – und werden das ganz sicher auch am 21. April beim Kraftklub-Konzert in Köln tun.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/643384?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F198%2F208%2F211%2F696056%2F696058%2F
Preußen-Kapitän Schauerte im Interview: „Abstiegskampf ist fast zu wenig“
Julian Schauerte erwartet als Kapitän der Preußen eine Herkulesaufgabe in der Rückrunde.
Nachrichten-Ticker