Fehlfarben-Sänger Peter Hein spricht über das aktuelle Album
„Ich kann auch die Klappe halten – tue es aber nicht“

Münster -

„Keine Atempause, Geschichte wird gemacht, es geht voran“: Die Zeilen dieses Songs kennt jeder. Dass es die dazugehörige Band „Fehlfarben“ immer noch gibt, wissen indes die wenigsten. Dabei hat sogar Charlotte Roche mal in einem ihrer Videos mitgewirkt. Mit Peter Hein, dem Sänger der Band, sprach unserer Redakteur Carsten Vogel.

Donnerstag, 27.09.2012, 11:09 Uhr

Fehlfarben-Sänger Peter Hein spricht über das aktuelle Album : „Ich kann auch die Klappe halten – tue es aber nicht“
Fehlfarben: Spacige Outfits zieren die Bandmitglieder auf dem Album-Cover ihres vorletzten Werkes „Glücksmaschine“. Im Mai dieses Jahres ist das Album „Xenophonie“ erschienen, mit dem die Band jetzt auch in Münster auf Tour ist. Foto: mse

Euer neues Album heißt „Xenophonie”, also ein Mischung aus Xenos – „fremd” – und dem griechischen Wort für „Laut, Stimme, Ton”. Wie bist du auf den Titel gekommen?

Peter Hein : Irgendwie durch Blödelei (lacht). Vielleicht war auch schon ein bisschen Bier im Spiel. Auf jeden Fall habe ich den Klugscheißer gespielt und gedacht:

Was kann man machen, was es noch nicht im Sprachgebrauch gibt? Die erste Assoziation ist aber vielleicht auch „Xenophobie“.

Peter: Ja, die Legastheniker lesen genau das. Die dürfen das, die haben einen Freifahrtschein. Aber die anderen, die das lesen, sollten mal darüber nachdenken, warum das so ist.

Fehlfarben sind sich als Band immer treu geblieben. Die Haltung ist sozialkritisch und letztlich unangepasst. Kurz: Punk.

Peter: Schon. Dabei können wir gar nichts dafür. So sind wir eben (lacht).

Trotzdem heißt es in „Lange genug”: „Ich muss doch schon lang nicht mehr probieren, die Lage, wie sie ist, zu kommentieren”. Ist das etwa Resignation?

Peter: Überhaupt nicht. Das soll soviel heißen wie: „Ich kann auch die Klappe halten, tue es aber nicht.“

Also so wie in dem Lied „Richtig in Falsch (NFS)”, in dem es heißt: „Der Widerspruch tut jedem Leben gut, im Widerspruch lebt es sich noch mal so gut”.

Peter: Genau. Das Lied erklärt das Gegenteil.

Gibt es deiner Meinung nach denn zu wenig Protestkultur?

Peter: Das kann man so nicht sagen. Viele sagen leicht dahin, dass etwas scheiße ist oder falsch läuft. Und sofort gibt es Leute, bei denen der Protest in Gewalt umschlägt. Vielleicht muss man manchmal einfach nur sagen: „Hömma! So geht das aber nicht!“ Und so verhindert man, dass Leute Bärte sprengen und Autos abhacken und sie sagen: „Stimmt, so geht es nicht!“

Fehlfarben, Donnerstagabend (27. September) um 21 Uhr im Gleis 22, Hafenstraße 34, Münster

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