Billy Talent im Interview
„Elvis wäre cooler gewesen“

Münster -

Vor ein paar Wochen ist das vierte Album von Billy Talent erschienen. Mit „Dead Silence“ gastieren die kanadischen Punkrocker am 10. Oktober in der Halle Münsterland. Unser Redakteur Carsten Vogel hat mit Drummer Aaron Solowoniuk über das Album die Tournee und über seine Herz-OP gesprochen.

Montag, 01.10.2012, 13:10 Uhr

Billy Talent im Interview : „Elvis wäre cooler gewesen“
Billy Talent sind auf Tour und machen auch Station in Münster. Foto: Dustin Rabin

Wo seid ihr gerade unterwegs?

Aaron Solowoniuk : In Dublin und Edinborough. Das Hotel hat ein bequemes Bett und schöne Duschen (lacht). Wir haben gerade ein wenig Freizeit und fahren herum. Ich liebe es früh aufzustehen und einfach durch die Stadt zu laufen, in der ich gerade bin. Manchmal bekommen wir außer dem Stadion in den Städten gar nichts mit.

Euer neues Album ist gerade erschienen, warum habt ihr es nicht „ Billy Talent IV“ genannt?

Aaron: Wir wussten einfach, dass es Zeit war, die Zahlen aufzugeben. Es gibt einige Neuerungen bei dem Album. Ian (D‘sa) hat selbst produziert, wir hatten neue Proberäume in Toronto und waren uns einig, dass das Album einen richtigen Namen bräuchte: „Dead Silence“ passt einfach perfekt.

Auch das Cover-Artwork ist anders als sonst.

Aaron: Ja, das gehört zum Prozess dazu. Wir haben zwar alles für LP und CD designt, aber es sieht am besten auf Vinyl aus. Es ist wirklich sehr schön geworden.

Hörst du privat auch eher Vinyl?

Aaron: Ich höre seit meiner Jugend Vinyl, ich liebe einfach den Klang.

Auf Tournee ist das wohl kaum möglich...

Aaron: Da nutze ich einen iPod. Das ist sehr bequem. Das ist von der Tonqualität natürlich etwas anderes. Aber wir haben bei unserem Album auch darauf geachtet, dass es auf kleinen Computerlautsprechern gut klingt. Auf unserer ersten Tour hatten wir noch Kassetten und einen Walkman. Dann kam der Discman und wir hatten immer Unmengen von CDs dabei. Ärgerlich, wenn man die mal im Flugzeug vergessen hat.

Künstler sagen immer, dass ihr aktuelles Album, ihr bestes sei. Wo würdest du „Dead Silence“ einsortieren?

Aaron: Es ist unser bestes Album (lacht). Ich weiß, dass Stars das immer behaupten. Aber wir hatten zusammen wirklich eine gute Zeit. Es ist – wenn man so will – wieder zurück zu unseren Wurzeln. Etwas in Richtung des ersten Albums. Fans, die wir vielleicht auf dem Weg verloren haben als „Billy Talent III“ veröffentlicht worden ist, weil es etwas von den bisherigen abweicht, können wir damit zurückgewinnen.

Eigentlich hört man bei euch Anklänge von The Clash oder Buzzcocks raus. Die erste Single „Vinking Death March“ klingt aber nach Iron Maiden. Was sind eure Einflüsse?

Aaron: Ja, definitiv nach Maiden. Das liegt daran, dass wir alles hören, von Hip Hop bis Metal. Eine meiner Lieblingsbands sind Deftones und Rage Against The Machine. Die haben mich auch persönlich beeinflusst. Jonathan (Gallant) hört eher Classic Rock. Wir haben ziemlich unterschiedliche Musikgeschmäcker. Und wenn das zusammengemischt wird, kommt die Musik heraus, die wir machen.

Am 22. Oktober spielt ihr in Münster. Kannst du dich an die Stadt erinnern?

Aaron: Ja, obwohl wir schon oft in Deutschland waren. Ich weiß nur nicht mehr genau, wie die Stadt geschrieben wird. Aber ich kann mich erinnern, dass es anders war, als ich es aussprechen würde (lacht).

Bist du gerne auf Tournee?

Aaron: Ja, das ist das beste.

Was erwartest du von den kommenden Shows?

Aaron: Wir sind gerade noch in der Vorbereitung. Bisher ist jede Tour größer und besser gewesen als die vorherige.

Im kommenden Jahr könnt ihr auf 20 Jahre Billy Talent zurückblicken.

Aaron: Es ist das zehnte Jubiläum von „Billy Talent I“ und tatsächlich das 20. der Band. Wir werden das natürlich feiern. Aber bisher weiß ich noch nicht genau, was wir machen werden.

Nimmst du deine Familie mit auf Tour?

Aaron: Manchmal. Aber immer nur zu bestimmten Orten. Aber es macht wirklich Spaß, wenn meine Frau und die beiden Kinder dabei sind.

Anfang des Jahres hattest du eine Operation am offenen Herzen. Hattest du Angst, warst du davor nervös?

Aaron: Es war sehr merkwürdig. Um ehrlich zu sein, ich war zwei Wochen vorher richtig nervös. Und einen Tag vorher bin ich in einen Modus gerutscht, in dem ich es einfach akzeptiert habe. Ich wusste, dass ich später – wie jetzt mit dir – darüber sprechen werde. Es ist als würde man in ein Flugzeug steigen: Zunächst hat man Angst, aber eigentlich weiß man vorher, dass alles gut wird. Und jeder um mich herum war zu dem Zeitpunkt ängstlicher als ich selbst (lacht). Man hat mir die Narkose verabreicht, ich bin wieder aufgewacht, habe zwei Wochen lang Schmerzmittel bekommen, lag sechs Wochen im Bett. Es war seltsam acht Wochen lang losgelöst zu sein von dem, was ich sonst mache. Und jetzt geht es mir gut.

Du hast deine Fans auch über Facebook darüber unterrichtet. Wie wichtig ist die ein soziales Netzwerk?

Aaron: Sehr wichtig. Ich habe auch auf einer Multiple-Sklerose-Seite gepostet, weil ich die Möglichkeit habe, mit vielen Leuten in Kontakt zu treten. Aber ich nutze auch Twitter und Tumblr.

Haben dich deine Eltern nach Elvis Aaron Presley benannt?

Aaron: Meine Eltern haben mich nach dem Bruder von Moses genannt. Aaron, der mit seinem Stab Wasser in Blut verwandelt hat. Elvis wäre cooler gewesen (lacht). Andererseits waren beide ziemlich cool.

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