Kleine große Liebe
Zwei Seiten: Annett Louisan veröffentlicht Doppelalbum

Mit «Das Spiel» sang sich Annett Louisan 2004 in die Charts. Seitdem hat sie sieben Alben veröffentlicht und darauf mit engelsgleicher Stimme das Leben in all seinen Facetten besungen. Nun feiert sie die Schönheit des Alltags und der Liebe auf gleich zwei CDs.

Donnerstag, 28.03.2019, 17:32 Uhr aktualisiert: 29.03.2019, 07:52 Uhr
Annett Louisan ist sich treu geblieben - und hat sich neu ausprobiert.
Annett Louisan ist sich treu geblieben - und hat sich neu ausprobiert. Foto: Sebastian Willnow

Hamburg (dpa) - Familienstreitereien, verklungene Beziehungen, das Glück des eigenen Kindes - Liebe hat viele Seiten. Diesen widmet sich die Sängerin Annett Louisan nun auf ihrem neuen Doppelalbum «Kleine große Liebe».

Die 41 Jahre alte Louisan war vor 15 Jahren mit ihrem Lied «Das Spiel» in die Charts gestürmt. Es folgte eine exzessive Zeit, die sie sehr genossen und die sie auch sehr inspiriert habe, wie sie im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur in Hamburg sagt. Mittlerweile sei sie ruhiger geworden, auch dank ihrer kleinen Tochter.

Und das hatte auch Einfluss auf ihr neues, ihr achtes Album. «Kleine große Liebe» ist dabei wie gewohnt ein Blick auf das Leben und es ist gleichzeitig ein autobiografisches Album geworden, wie die 1,52 Meter große Sängerin sagt.

Die Lieder sind gemeinsam im Team entstanden. «Ich habe alle Songs mitgeschrieben. Es geht nicht mehr so gut, dass mir Menschen Lieder schreiben, weil sie mir weniger entsprechen», sagt die Wahlhamburgerin dazu. Das sei auch ein Reifeprozess in den vergangenen Jahren gewesen.

Das Doppelalbum steht für zwei Seiten der gleichen Sache. In mehrfacher Hinsicht. So ist die erste Scheibe gewohnt im Louisan-Stil französischer Chansons gehalten. Die zweite dagegen kommt poppiger und wilder daher. Die eine heißt «Kleine Liebe», und für sie hat sie mit alten Weggefährten zusammengearbeitet. «Es ist Annett Louisan 3.0 - ich wollte mir treu bleiben als Chanson-Sängerin. Das ist der Weg, den ich seit so vielen Jahren gehe.»

Die andere heißt «Große Liebe», dafür hat sie sich mit Songschreibern wie Peter Plate zusammengetan. «Das ist musikalisch die Sehnsucht nach Popmusik, mich mal auszuprobieren, zu experimentieren, meine Stimme ein bisschen anders in Szene zu setzen.» Sie habe lange nicht gewusst, dass es zwei Alben werden. «Aber ich habe definitiv zwei Alben geschrieben, die irgendwie inhaltlich auch zusammengehören.» «Kleine große Liebe» sei quasi auch ein Abschluss ihres alten, wilderen Lebens geworden. Nun sei sie mit sich selbst vertrauter, habe ihre Ambivalenzen angenommen und ausgehalten.

Viele Lieder auf dem neuen Album kommen wie gewohnt sehr gefühlvoll daher. Louisan singt mit feiner, engelsgleicher Stimme Texte, die sich um Liebe, Leben und Lust auf mehr drehen. Dabei taucht sie in die Facetten des Alltags ein, die jeder kennt. Louisan beschreibt zielsicher die Kleinigkeiten im Leben, die es liebenswerter oder besonders machen.

Mit lieblicher Stimme seziert sie so beispielsweise ein Familienessen mit allen emotionalen Tiefschlägen und seit Jahren gärenden Unstimmigkeiten und süffisanten Spitzen. «Wir sind verwandt, mit dem Messer in der Hand. Wir sind verwandt, mit dem Rücken an der Wand.» Auch für den Wunsch, Erlebnisse aus der Kindheit nochmal erleben zu dürfen, findet Louisan weiche Worte und liebliche Töne. «Mein erster Lauf gegen den Wind. Weicher Sand, der durch Fingerchen rinnt. Und das wunderbar leichte Gefühl, wenn man schwimmt. Das Kribbeln im Bauch, wenn man wippt. Wenn man rückwärts ins Schwimmbecken kippt. Ich will all die Premieren nochmal, schenk mir ein zweites erstes Mal.»

Louisan wuchs in Sachsen-Anhalt auf und zog nach dem Mauerfall mit ihrer Mutter mit zwölf Jahren nach Hamburg. Ihre Leidenschaft für Malerei und Musik mündet in ein Kunststudium, das sie sich als Studiomusikerin finanziert. Dadurch knüpft sie schließlich auch die Kontakte, die später helfen, ihr erstes eigenes Demoband zu produzieren.

Das Online-Musikportal «laut.de» beschreibt Louisans Musik als einen «Mix von Strukturen, deren Wurzeln ebenso im französischen Chanson wie in der eleganten Tradition des klassisch amerikanischen Songwritings liegen, angereichert mit Folkelementen und etwas Jazz». Sie interpretiere mit einer unbekümmerten Mischung aus weiblichem Kalkül und einem Gespür für Atmosphäre und Ironie.

Dass sie zu viel Privates über das neue Album preis gibt, glaubt Louisan indes nicht. «Vor ein paar Jahren hätte ich das noch nicht so richtig gewollt. Insofern war das jetzt schon der richtige Zeitpunkt. Zudem sei Wahrheit wichtig, um zu berühren. «Ich muss mir schon nah sein, sonst kann ich meinem Publikum nicht nah sein.»

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Die Tour zum Album beginnt mit den Sommer Open-Airs: 19.07.2019 - Weißenfels, 20.07.2019 - Rathenow, 25.07.2019 - Finkenstein, 27.07.2019 - Zwickau, 29.07.2019 - Bad Hersfeld, 30.07.2019 - Friedrichshafen, 31.07.2019 - Calw-Hirsau, 02.08.2019 - Bad Elster. In Hamburg tritt sie am 08.09.2019 in der Elbphilharmonie auf. Ab dem 21. Oktober geht sie auf Herbsttournee. Tourstart ist Dresden.

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