Oxygen Will Flow
Someday Jacob: Warme Klänge aus dem kühlen Norden

Die Sommersonne Kaliforniens lässt das Folkrock-Quartett Someday Jacob seit längerem in der norddeutschen Tiefebene aufgehen. Auch «Oxygen Will Flow» wirkt wie ein warmer, beruhigender Lufthauch.

Montag, 01.06.2020, 13:58 Uhr aktualisiert: 01.06.2020, 14:00 Uhr
Westcoast an der Waterkant: Someday Jacob.
Westcoast an der Waterkant: Someday Jacob. Foto: Christoph Buckstegen

Berlin/Bremen (dpa) - Seit fast zehn Jahren polieren Someday Jacob den Folkrock-Sound der sonnigen US-Westküste im kühlen Norden Deutschlands auf Hochglanz.

Auch das neue Album der Band aus Bremen und Hamburg beleiht unangestrengt die Musik der 60er und 70er Jahre, wie sie Crosby, Stills & Nash, die Eagles, Jackson Browne oder America machten.

«Oxygen Will Flow» ist wieder ein in 13 Tracks gegossener purer Wohlklang, ohne je zur akustischen Kalifornien-Kitsch-Tapete zu degenerieren. Perfekte, oft melancholische Spätsommermusik, die den Eindruck vermeidet, dass hier nur bei großen US-Vorbildern abgekupfert wird. Dafür sorgt Jörn Schlüter , Sänger und Gitarrist von Someday Jacob, souverän mit all seiner Expertise - er ist auch Musikjournalist («Rolling Stone») und weiß, wie man sich vor einem Pop-Genre verbeugt, ohne lediglich als Nachahmer rüberzukommen.

So pendelt das vierte, aufwendigste und ausgereifteste Album des Quartetts zwischen Sehnsuchtsballaden («Gone»), filigranem Westcoast-Softpop («Charm Of Men»), Folkrock-Epen («Grenade Ravine», «Kissing The Dawn») und hübschen Instrumentals («Trelissick Garden»). Die neue Platte enthalte «ein paar Momente, die mich glücklich machen», sagt Schlüter - eine nette Untertreibung, wirkt «Oxygen Will Flow» doch über seine gesamte Laufzeit von knapp 40 Minuten wie ein warmer, wohltuender Lufthauch für unsichere Zeiten.

Obwohl das Album so nordamerikanisch klingt wie nur möglich (inklusive wehmütiger Pedal-Steel-Gitarre und Saxofon) - es entstand tatsächlich im Bremer «Studio Nord» und in England (das wunderschöne Streicher-Arrangement von «Bitter Winds», außerdem Abmischung und Mastering). Fazit: Die vier Norddeutschen müssen sich mit dieser erneut starken Platte vor aktuellen US-Folkrock-Bands wie Dawes, The Jayhawks, Midlake oder Fleet Foxes nicht verstecken.

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