S16
Zartes Metall: Epischer Industrie-Sound von Woodkid

Er ist Musiker, Grafik-Designer, Video-Regisseur: Yoann Lemoine ist ein Mann mit vielen Talenten. Unter dem Namen Woodkid veröffentlicht er jetzt nach langer Pause sein zweites Album.

Sonntag, 18.10.2020, 06:00 Uhr aktualisiert: 18.10.2020, 06:02 Uhr
Zarte Zwischentöne und stählerne Härte: Woodkid.
Zarte Zwischentöne und stählerne Härte: Woodkid. Foto: -

Berlin (dpa) - Sieben Jahre sind vergangen seit Woodkids opulentem Debüt «The Golden Age ». Nach der Top-Ten-Platte und der Erfolgssingle «Iron» wollte der Pariser Electro-Musiker und Videokünstler zunächst vergessen werden.

Aus dem erfolgreichen Erstling habe er kein Kapital schlagen wollen, sagte er jüngst in einem Interview. Jetzt hat Woodkid, der bürgerlich Yoann Lemoine heißt, mit «S16» sein zweites Album herausgebracht.

Im Frühjahr meldete sich der 37-Jährige bereits mit der Bombast-Single «Goliath» zurück. Das dazugehörige Video drehte er in einem Tagebau in Tschechien. Unheimlich greifen darin monströse Schaufelräder der Kohlebagger in den Flöz.

Unterlegt mit einem sich ständig wiederholenden Percussion-Rhythmus verschwindet der Arbeiter in der Unheimlichkeit der Maschinerie. Visuell eine Augenweide, fordert der Song die Hörgewohnheiten durchaus heraus. «Ich liebe es, die Verbindungen zwischen Bild und Ton zu erforschen», sagte Woodkid.

Der Track zeigt die Kleinheit des Menschen in der industriellen Großwelt, andere Songs auf der Platte wiederum fokussieren sich auf den körperlichen Mechanismus an sich - wie etwa «Pale Yellow». Während «Goliath» das Massive und Titanische heraufbeschwöre, so Woodkid, «geht es bei 'Pale Yellow' eher um die Maschine im Inneren, das verborgene Monster». Ein Kampf mit sich selbst gegen die Süchte.

Auf seiner Platte gelingt es Lemoine, die zarten Zwischentöne des Menschseins und die stählerne Härte der Moderne ineinander zu schlingen - etwa wenn in «Enemy» seine wunderbar sanfte Stimme auf Metall-Beat und leichte Klavieruntermalung trifft. Das schwirrende «Highway» bewegt sich bedrohlich auf seinen kantigen Schluss hin: «Da gibt es keine Zuflucht in deinen Augen», singt der Franzose.

Mit dem Albumtitel «S16» verweist Woodkid auf Symbol und Ordnungszahl von Schwefel. Das essenzielle Element, das in jedem Lebewesen vorkommt, wird etwa auch bei der Energiegewinnung aus fossilen Brennstoffen freigesetzt - problematisch aus Umweltsicht. Woodkids Fragen dabei sind elementar: Welchen Einfluss hat ein kleines Individuum? Und wie viel Macht hat ein David gegen Goliath?

© dpa-infocom, dpa:201013-99-923542/4

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