Greatest Hits
The White Stripes: Ein Riff-Monster kommt selten allein

Ihr Riff-Monster «Seven Nation Army» kennt fast jeder, der schon mal ein Sportstadion betreten hat. Dass The White Stripes bis zum Split 2011 noch viel mehr drauf hatten, zeigt nun eine lohnende Retrospektive.

Donnerstag, 25.02.2021, 06:00 Uhr aktualisiert: 25.02.2021, 06:02 Uhr
Ein Gesamtkunstwerk: The White Stripes.
Ein Gesamtkunstwerk: The White Stripes. Foto: Arturo Pena-Romano/EPA

Berlin (dpa) - Das Angebot fällt üppig aus: 26 Stücke, fast 82 Minuten Spielzeit. Umso karger kommt leider das CD-Booklet zum «Greatest Hits»-Album der White Stripes daher - nicht mal Infos zur Entstehungszeit der Stücke des Duos gibt's zu lesen.

Damit ist aber auch schon genug gemeckert über den jetzt bei Sony auf CD und Doppel-Vinyl erschienenen Karriererückblick dieser Garagen- und Bluesrock-Erneuerer, deren männlicher Part Jack White längst Gitarren-Superstar, Bandmusiker (The Raconteurs, The Dead Weather) und Vinyllabel-Betreiber in einer Person ist.

Schon der Untertitel ist super: «My Sister Thanks You And I Thank You» - das Dankeschön an die Fans spielt an auf eine schräge Legende. Denn eine Zeitlang hieß es ja, dass Frontmann Jack und Drummerin Meg Geschwister seien - dabei waren sie bei Gründung der White Stripes 1997 bereits verheiratet (und zogen die Ehe noch ein paar Jahre durch).

Auf den Booklet- und Cover-Fotos zu den «Greatest Hits» wirken die beiden US-Musiker aus Detroit tatsächlich ein bisschen wie Bruder und Schwester. Dass man dieses Paar falsch einschätzen konnte (vor allem Megs rudimentäres, aber effektives Schlagzeugspiel), dauerte freilich nicht allzu lange.

Denn in ihrer Duo-Lebenszeit bis 2011 haben The White Stripes dem Blues- und Garagenrock eine Frischzellenkur verpasst wie selten zuvor seit den 70er Jahren. Songs wie «Hello Operator», «The Hardest Button To Button», «Ball And Biscuit» oder der monströs eingängige Sportstadion-Hit «Seven Nation Army » sind ikonisch - und teilweise immer noch im Repertoire von Jack White (45) als erfolgreicher Solo-Künstler vertreten.

Der unverschämt primitive Reiz der Stripes über immerhin eineinhalb Dekaden: Da waren die skelettierten, oft lärmigen Riff-Songs, der an Robert Plant von Led Zeppelin erinnernde, manchmal hysterisch-gepresste Leadgesang, Megs simples, erfrischendes Drumming und natürlich Jacks Gitarrenkünste.

Sie hatten außerdem irre Cover-Versionen drauf: etwa Dolly Partons Country-Heuler «Jolene», den Ur-Blues «Death Letter» von Son House, den Easy-Listening-Schlager «I Just Don't Know What To Do With Myself» von Burt Bacharach. Und sie beschränkten sich beim Design ihrer Album-Artworks auf die Farben schwarz, weiß und rot. Kann man sich jederzeit als Kunstwerke an die Wand hängen.

Echte «Greatest Hits» sind natürlich bei weitem nicht alle dieser 26 Tracks - aber großartig rohe, bis heute wichtige Musik allemal.

© dpa-infocom, dpa:210224-99-572178/3

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