Autotest
Nur Sparer spotten

Montag, 16.04.2007, 00:00 Uhr

Die Testfahrt beginnt im Berliner Stadtteil Spandau. Kurz mit den Funktionen vertraut machen, elektrisch Sitz und Spiegel einstellen, den kräftigen Motor starten und schnell zurück ins Münsterland . Bei 150 Stundenkilometern und 4000 Umdrehungen erreicht der Drehzahlmesser den roten Bereich – okay, das muss als Reisegeschwindigkeit reichen.

Der Tempomat hält die Geschwindigkeit. Am Ende der Tour die Abrechnung: 70 Liter Diesel sind verbrannt, macht 16 Liter pro 100 Kilometer. Das ist viel. Der Jeep Cherokee ist eben keine Reiselimousine, sondern ein geländegängiges Arbeitstier. Als solches sollte er auch dienen.

Das Wort „Jeep“ ist so sehr zum Synonym für Geländewagen geworden, dass viele gar nicht mehr wissen, dass wirklich eine Automarke dahinter steckt. Verschiedene Modelle bieten die Amerikaner an. Gemein ist ihnen das Bemühen um Geländegängigkeit und der charakteristische Kühlergrill mit sieben Schlitzen. Der Cherokee bewegt sich zwischen dem verwegenen Wrangler und dem etwas mehr auf schick gemachten Grand Cherokee: Er soll robuste Geländegängigkeit verbinden mit ordentlichem Komfort auf der Straße. Denn machen wir uns nichts vor: Die wenigsten Jeep-Fahrer zieht’s wirklich in die holprige Prärie.

Und tatsächlich: Schon auf der Straße bietet der Jeep Cherokee eine ordentliche Vorstellung. Bequeme Ledersitze, hohe Position, viel Platz und enorme Laufkultur tun alles, um über den hohen Verbrauch hinwegzutäuschen. Das Interieur ist betont schlicht, die Bedienung liegt auf der Hand, die Arme liegen wie automatisch auf den entsprechenden Lehnen. Sehr bequem, wirklich.

An die 16 Liter kam der getestete 2,8-Liter-Diesel mit Automatikgetriebe übrigens nur auf der Autobahn. Im Schnitt schluckt er weniger, der Hersteller verspricht 10,5 Liter. Damit bringt der Cherokee 400 Newtonmeter Drehmoment auf die Piste – auf Wunsch mit dem zuschaltbaren Allradantrieb.

Als der Spott der sparsamen Freunde und das Kopfschütteln der umweltbewussten Kollegen vergangen sind, beginnt der Spaß mit dem urigen Geländewagen aus der Daimler-Chrysler-Gruppe erst so richtig. Runter vom Asphalt, rein ins Gelände. Für straßenerfahrene Astra-Fahrer ist jeder Meter am schlammigen Hang ein Erlebnis. Der Jeep klettert. Mit seinem Automatikgetriebe, Allradantrieb und 163 Pferdestärken nimmt das bullige Vehikel den mutig angesteuerten Hügel gar nicht ernst. Unbeirrt rollt er über den Kamm, am Ende nimmt er locker die Geländekante und bringt die bangenden Straßencowboys sicher auch die Steigung wieder hinab. Für münsterländische Offroad-Experimente ist er bestens geeignet. Das macht Spaß.

Aber Spaß beiseite: Trotz der Offroad-Qualitäten ist der Jeep ziemlich alltagstauglich. Er ist so breit wie ein Passat, aber kürzer. Der Wendekreis ist kaum größer, der Kofferraum mit mindestens 875 Litern riesig. Clou: Per Knopfdruck auf der Fernbedienung am Schlüssel klappt die Heckscheibe hoch. Schnell mal was reinwerfen: bitteschön.

Neben dem getesteten 2,8-Liter-Diesel gibt es den Cherokee übrigens auch als 3,7-Liter-Benziner mit 204 PS und 307 Newtonmetern Drehmoment. Den Verbrauch gibt der Hersteller mit 12 statt 10,5 Litern an. Wer will da schon wissen, was der Jeep mit diesem Motor bei Tempo 150 zwischen Spandau und dem Münsterland verbraucht?

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