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Kfz-Versicherung: Wann besteht Sonderkündigungsrecht?

Wie jeden November steht Kfz-Versicherern auch in diesem Herbst eine regelrechte Kündigungswelle bevor. Zahlreiche Verbraucher kündigen zum Ende des Versicherungsjahres fristgerecht ihre alte Autoversicherung, um im neuen Jahr mit einem günstigeren Tarif zu fahren. Kündigen lassen sich die meisten Policen mit einer vierwöchigen Frist zum Ende Kalenderjahres. Liegt bis zum 30. November keine Kündigung vor, verlängert sich der Vertrag automatisch um ein Versicherungsjahr. Kündigungsfrist verpasst? In diesem Fall müssen Verbraucher nicht zwingend zwölf Monate warten. Unter Umständen greift das Sonderkündigungsrecht. Wann genau lässt sich davon Gebrauch machen?

Samstag, 17.10.2020, 00:01 Uhr aktualisiert: 19.10.2020, 07:32 Uhr
Auto: Kfz-Versicherung: Wann besteht Sonderkündigungsrecht?
Foto: Colourbox

Unabhängig davon, ob es sich um eine ordentliche oder außerordentliche Kündigung handelt, müssen Verbraucher Formalitäten beachten. Idealerweise wird die Kündigung in Form eines Einschreibens versandt. So lässt sich stets ein Nachweis über die fristgerechte Versendung und den Empfang erbringen. Im Falle einer Sonderkündigung muss das Kündigungsschreiben außerdem ausdrücklich den Kündigungsgrund anführen. Anderenfalls muss die Versicherungsgesellschaft die Vertragsbeendigung nicht akzeptieren und kann die Kündigung nach der Vierwochenfrist ablehnen. Vorab ebenfalls wichtig: Kündigen sollte nur, wer sich nach passenderen Tarifen umgesehen hat. Sind solche gefunden, kommen zur außerordentlichen Kündigung die folgenden Gründe in Frage.

Gründe für eine außerordentliche Kündigung der Autoversicherung

Der Wechsel in einen günstigeren Kfz-Versicherungstarif ist besonders dann empfehlenswert, wenn die aktuellen Beiträge über denen anderer Gesellschaften liegen. Einen ersten Eindruck gewinnen Verbraucher mit Preisvergleichsrechnern. Zusätzlich sollte man bei Direktversicherern mit bekanntermaßen günstigen Konditionen Angebote einholen. Falls man mitten im Jahr günstigere Tarife findet und mit dem Wechsel der Autoversicherung nicht bis zum Jahresende warten will, kann man aus folgenden Gründen vom Sonderkündigungsrecht Gebrauch:

  • einer unangemessenen Beitragserhöhung
  • einer Reduzierung des Leistungsumfangs
  • Schadensfällen
  • einem Fahrzeugwechsel

Vorsicht: Für Sonderkündigungen gelten Fristen. Erhöht der Versicherer unvorhergesehen die Prämie, können Verbraucher innerhalb von vier Wochen nach Eingang des Schreibens kündigen. Analog dazu lässt sich der Versicherungsvertrag auch nach einem Unfall nur innerhalb eines Monats beenden. Auch für den Fahrzeugwechsel gilt die Vierwochenfrist. Wer ein gebrauchtes Auto kauft, hat so nach Kaufabschluss vier Wochen Zeit, um vom bestehenden Versicherungsschutz zurückzutreten. Trotz der anderen Möglichkeiten sind Beitragserhöhungen der häufigste Grund für Sonderkündigungen. Doch hat man tatsächlich nach jeder Beitragserhöhung Kündigungsrecht?

Wissenswertes zur Sonderkündigung wegen Beitragserhöhung

Wird die Autoversicherung teurer, ohne dass sich die Versicherungsleistung verändert, können Verbraucher von ihrem Vertrag zurücktreten. Normalerweise erhält man die Nachricht über eine Beitragserhöhung mit der Jahresbeitragsrechnung. Letztere nimmt man am besten genau unter die Lupe, denn nicht jede Erhöhung ist auf den ersten Blick erkennbar. Wenn Versicherte im letzten Jahr unfallfrei gefahren sind, fahren sie im neuen mit höherem Schadenfreiheitsrabatt. Deshalb sollten die Beiträge des Folgejahres eigentlich sinken. Ist das nicht der Fall, liegt eine versteckte Beitragserhöhung vor. Viele Versicherungen geben in der jährlichen Beitragsrechnung Vergleichswerte an und stellen bisher bezahlte Prämien den zu leitenden Beiträgen im Folgejahr gegenüber. Ist keine Differenz erkennbar oder wird die Prämie teurer, besteht Sonderkündigungsrecht.

Bei Kfz-Versicherungen (Haftpflicht sowie Kasko) reicht es als Sonderkündigungsgrund aus, wenn ein Einzelbestandteil der Versicherung teurer wird. Auch, wenn der Preis für den zweiten Bestandteil sinkt.

Inakzeptabel sind Sonderkündigungen nach Beitragserhöhungen, wenn der Versicherungsnehmer an der steigenden Prämie schuld ist. Die Beiträge zur Autoversicherung berechnen sich  auf der Basis zahlreicher Einzelfaktoren . Ändern sich diese im Jahresverlauf, kann damit eine Prämienerhöhung einhergehen. Das ist beispielsweise bei Wohnortswechseln der Fall, die einen Einfluss auf die Regionalklasse haben. Auch Änderungen der Kilometerleistung oder Fahrer können steigende Prämien begründen. Dasselbe gilt für Rückstufungen der Schadenfreiheitsklasse und Steigerungen der Versicherungssteuer.

Wieso außerordentliche Kündigungen nach Schadensfällen nicht immer gelingen

Was ein Kfz-Versicherer im Einzelfall leisten muss , unterscheidet sich von Fall zu Fall. Viele Autofahrer bemerken Mängel erst bei der Schadensregulierung. Wann, wenn nicht nach einem Unfall, stellt sich schon heraus, ob der eigene Versicherungsschutz den individuellen Ansprüchen gerecht wird? Nach einem Schadensfall können unzufriedene Verbraucher ihre Autoversicherung deshalb theoretisch kündigen – oft allerdings nicht so in der Praxis. Viele Autoversicherungsgesellschaften verlangen bei einer außerordentlichen Kündigung nach Unfällen Schadensersatz für das laufende Versicherungsjahr. Für die verbleibenden Monate werden so weiterhin Beiträge eingezogen, obwohl man ab dem in der Kündigung angegebenen Stichtag keinen Versicherungsschutz mehr hat. Dadurch macht die Sonderkündigung im Schadensfall oft wenig Sinn. Versicherte sollten in Fällen wie diesen lieber zum Ende des laufenden Versicherungsjahres kündigen.

Mit einem Versicherungswechsel eine Rückstufung vermeiden? Manche Autofahrer nehmen an, dass ihnen bei einem Versicherungswechsel unmittelbar nach einem Schadensfall die Rückstufung erspart bleibt. Der Realität entspricht das leider nicht. Auch beim neuen Versicherer werden sie nach Unfällen nicht mehr mit der bisherigen Einstufung fahren.

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