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Ego-Shooter sind besser als ihr Ruf

Jugendliche, die in die Rolle von Elite-Soldaten schlüpfen und sich in kriegerischer Mission durch Häuserschluchten kämpfen: Was auf viele Menschen eher abstoßend wirkt, ist für Computerspiele-Fans oftmals ein großer Spaß. Gamer müssen sich dann häufig gegen Vorurteile rechtfertigen. „Das sind doch nur Killerspiele“ oder „So sinkt auch die Hemmschwelle, im echten Leben eine Waffe in die Hand zu nehmen“, sind Aussagen, mit denen die Spieler oft konfrontiert werden.

Freitag, 15.02.2013, 14:02 Uhr

Videospiele trainieren die Reflexe

Dabei sieht die Wahrheit ganz anders aus. Entgegen der landläufigen Meinung machen gerade Ego-Shooter die Spieler nämlich klüger und fördern die Denkfähigkeit. Wissenschaftler der Universität Leiden haben jetzt herausgefunden, dass nicht etwa Denkspiele das Gehirn trainieren, sondern die oftmals als reine „Killerspiele“ verschrienen Ego-Shooter.

„Unsere Ergebnisse stützen die Vorstellung, dass das Spielen von Ego-Shootern die kognitive Flexibilität fördert”, heißt es in einer Pressemitteilung. „Videospiele trainieren die natürlichen Reflexe”, meint Lorenza Colzato , Universitätsdozentin in Leiden. Die so zum Beispiel beim Spielen von Browsergames erworbenen Fähigkeiten, können anschließend auch problemlos auf den Alltag übertragen werden. Laut den Wissenschaftlern der Universität Leiden lernen gerade Kinder und Jugendliche somit schon in jungen Jahren mehrere Aufgaben gleichzeitig zu bewältigen, und können davon später auch als Erwachsene in der Berufswelt noch profitieren.

Zusätzlich weisen die Forscher der Universität Leiden darauf hin, dass Ego-Shooter die Spieler nicht zu Einzelgängern oder gar zu Gewalttätern machen.

Dass die Spieler von Ego-Shootern mehrere verschiedene Sinneseindrücke besonders schnell verarbeiten können, fanden auch Forscher von der University of Rochester in den USA heraus. Anhand einer im Fachmagazin „Current Biology“ veröffentlichten Studie, konnten die Wissenschaftler zeigen, dass Menschen, die regelmäßig Computerspiele spielen, schnelle Entscheidungen treffen können, ohne etwa dabei mehr Fehler zu machen.

Da sich die Gamer im Spiel immer wieder auf neue Situationen einstellen und entsprechend reagieren müssen, kann das Erlernte auch besser auf den Alltag übertragen werden, als zum Beispiel bei Denkspielen, die nur einem immer gleichen Muster folgen.

Diesen Nutzen ziehen die Gamer allerdings nur aus Actionspielen, bei denen sie ständig neuen und unvorhersehbaren Situationen ausgesetzt sind. Wer hingegen Rollen- oder Strategiespiele bevorzugt, kann seine Fähigkeiten damit nicht verbessern.

Spieler werden nicht zu Amokläufern

Das von Computerspiel-Kritikern immer wieder angeführte Argument, dass Ego-Shooter gewaltverherrlichend sein und jugendliche Spieler zu Amokläufern machen würde, ist hingegen nicht haltbar. Denn bislang konnte noch kein kausaler Zusammenhang zwischen dem tatsächlichen Verhalten von Gamern und dem Konsum von Computerspielen nachgewiesen werden.

Auch bei einer Studie der Freien Universität Berlin, an der 270 Kinder im Alter von 8 bis 13 Jahren teilnahmen, konnte kein Zusammenhang gefunden werden. „Wir haben festgestellt, dass gewalttätige Computerspiele die Kinder nicht aggressiver machen, sondern dass aggressive Kinder eher zu gewalttätigen Computerspielen tendieren“, sagt Caroline Oppl, die die Untersuchungen gemeinsam mit anderen Wissenschaftlern geleitet hat.

„Individuen sind keine unbeschriebenen Blätter“, meint auch Dr. Patrick Markey von der

Universität Villanova in Pennsylvania. Die gängige Meinung, dass brutale PC-Spiele zu aggressivem Verhalten führen, ist laut Markey unberechtigt. Stattdessen käme es viel mehr auf die charakterliche Disposition des Spielers an und weniger auf den Inhalt des Spiels. Einer von Markey durchgeführte Studie, an der 118 Studenten teilnahmen, ergab, dass Jugendliche, die nicht sowieso schon zu „neurotischem Verhalten“, „einem schwach ausgeprägten Gewissen“ und „geringer sozialer Anpassung“ neigten, auch von Ego-Shootern nicht beeinflusst werden.

Die meisten Gamer, die gern auch mal brutale Computerspiele nutzen, bei denen es hauptsächlich darum geht, möglichst viele „Feinde“ zu töten, werden also in der „realen Welt“ keinesfalls automatisch zu Amokläufern.

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