Umstrittene Digitalwährung gewinnt an Akzeptanz
Bitcoins auf Rekordkurs

Die Digitalwährung Bitcoins ist weltweit auf dem Vormarsch. Obwohl man in immer mehr Ländern und Geschäften mit dem alternativen Geld bezahlen kann, betrachten Wirtschaftsforscher skeptisch.

Montag, 12.06.2017, 15:06 Uhr

Mit Bitcoins kann man bei immer mehr Anbietern online bezahlen.
Mit Bitcoins kann man bei immer mehr Anbietern online bezahlen. Foto: colourbox.de

Der Kurs der Digitalwährung Bitcoin klettert derzeit von einem Hoch zum nächsten. Ein einziger Bitcoin kostet mittlerweile über 2000 Euro – und damit das Dreifache von dem, was man vor einem halben Jahr dafür bezahlen musste. Gleichzeitig gewinnt das Online-Geld weltweit immer mehr an Akzeptanz: In Japan sind Bitcoins seit Kurzem offizielles Zahlungsmittel, in vielen afrikanischen Ländern und in China bedient man sich der Währung zunehmend beim bargeldlosen Zahlen, und in Norwegen bietet eine große Bank ihren Kunden an, sich den Kontostand in Bitcoins anzeigen zu lassen.

Absolute Begrenzung als Problem

Dass es sich bei der sogenannten Kryptowährung um eine nachhaltige Alternative etwa zum Euro handelt, glaubt Professor Wim Kösters indes nicht. Im Gegenteil: das Vorstandsmitglied des RWI-Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung in Essen sieht für die Zukunft der Bitcoins schwarz: „Das Grundproblem ist, dass die absolute Zahl der Bitcoins durch einen Algorithmus begrenzt ist. Warum sollte jemand mit einer Währung bezahlen wollen, die gleichzeitig aufgrund steigender Nachfrage immer mehr wert ist?“

Wie bekommt man eigentlich Bitcoins?

Bitcoins müssen ähnlich wie Gold geschürft werden. Dies passiert allerdings nicht in Minen, sondern online. Um sie zu erhalten, benötigt man eine gute Ausrüstung. Je mehr Computerkapazitäten mit Rechenleistung vorhanden sind, desto schneller können die Bitcoins entdeckt werden. Da Bitcoins allerdings eine endliche Währung sind, wird das Schürfen ständig schwieriger und aufwendiger. Außerdem wird eine spezielle Software benötigt, die das Versenden und Empfangen der Währung ermöglicht. Der Wechselkurs in andere Zahlungsmittel bestimmt sich durch Angebot und Nachfrage.

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Zudem prangert Kösters den fehlenden materiellen Gegenwert an. Während hinter allgemein anerkannten Währungen Goldreserven beziehungsweise Volkswirtschaften stehen, die einen gewissen Wert erwirtschaften, sind dies bei Bitcoins lediglich nicht greifbare Bits und Bytes. Der Wert hängt einzig vom Vertrauen ihrer Besitzer und potenzieller Abnehmer ab, einen entsprechenden Tauschwert für die Währung zu erhalten.

Kösters sieht in den Bit­coins daher „ein Spekulationsobjekt oder eine ‚Währung‘ für Freaks“. Dabei verweist er auf die Bundesbank , die ebenfalls vor der mangelnden Wertstabilität der Digitalwährung warne.

Keine staatliche Kontrolle

Den aktuellen Hype, der sich in den steigenden Bit­coin-Notierungen niederschlägt, erklärt sich der Wirtschaftsforscher mit der Neugier und den Hoffnungen der Bitcoin-Verfechter. „Die Menschen wurden in der Historie immer wieder über den Tisch gezogen. Alleine in der jüngeren deutschen Geschichte gab es zwei gravierende Geldentwertungen. Bei den Kryptowährungen kann das Geldausgabemonopol nicht missbraucht werden. Das garantiert der zugrunde liegende Algorithmus.“ Dadurch ist das dezentrale Zahlungssystem besonders in Ländern mit hoher Inflation attraktiv.

Ein weiteres Argument der Befürworter: Die Aussicht auf Geldflüsse fernab institutioneller und staatlicher Kontrolle. Während dies durch die Brille des Datenschutzes betrachtet zunächst verlockend erscheint, sind die erst auf den zweiten Blick sichtbaren Nachteile gravierend. Denn der Entzug staatlicher Kontrolle erleichtert illegale oder sogar kriminelle Geschäfte im Darknet.

Kriminelle Machenschaften

Erst Mitte Mai hatten die Programmierer des „WannaCry“-Virus Millionen Computer diverser Unternehmen weltweit lahmgelegt. Sie forderten dazu auf, ein Lösegeld in Bit­coins zu zahlen, um die Geräte wieder störungsfrei nutzen zu können.

Auch wenn dieser Erpressungsversuch nicht aufgegangen ist, zeigt er doch eines: Das Allheilmittel für den weltweiten Zahlungsverkehr, als das Anhänger Bitcoins zuweilen anpreisen, ist die Digitalwährung alleine schon aufgrund ihrer Anfälligkeit für Missbrauch leider nicht.

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