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Digitalisierung: Wo speichern Unternehmer Daten wirklich sicher?

Public-Cloud-Anbieter sichern die Zugänge zu ihren Kunden-Accounts meistens nur mit Benutzername und Passwort. Angesichts gestiegener Rechenkapazitäten stellt es keine große Schwierigkeit mehr da, sie zu ermitteln. Dennoch gibt es viele Unternehmer, die von einer On-Premise- zu einer cloudbasierten Serverlösung übergehen möchten.

Dienstag, 17.11.2020, 10:47 Uhr aktualisiert: 17.11.2020, 10:51 Uhr
Digitales: Digitalisierung: Wo speichern Unternehmer Daten wirklich sicher?
Foto: Colourbox

Sie sollten bei der Suche nach einem Anbieter aber nicht fragen, wie teuer der Service ist, sondern wie teuer es wäre, wenn diese Daten in die falschen Hände gelangen. Möglicherweise lohnt es sich daher gar nicht, die Daten auszulagern. Werden die Daten aber inhouse verwaltet (meist über einen Server in einem Rechenzentrum), sollten sie so gut abgeschirmt werden, wie es geht. Das bedeutet, es muss einem Datendieb so schwer wie nur möglich gemacht werden, an sie zu gelangen.

Gefahr: Wenn eine RAID-Wiederherstellung nötig wird

Die On-Premise-Lösung hat einige Nachteile. In einem professionellen Umfeld sind dafür größere Serverlösungen mit sogenannten RAIDs nötig: einem Datenspeicher, der sich aus mehreren Festplatten zusammensetzt, die es im ganz normalen Handel gibt. Sie kommen inzwischen bei mehr als 95 Prozent der Unternehmen mit eigenen Servern zum Einsatz. Diese Konstellation ist sinnvoll, da das Laufwerk dadurch eine sehr hohe Speicherkapazität erhält. Sie dient aber auch der Datensicherheit und sorgt für eine hohe Zugriffsgeschwindigkeit.

Sind eine oder mehrere Festplatten ausgefallen, geht es um die Datenrettung von einem RAID-System . Zu diesem Zweck hat der Systemadministrator meistens bereits eine Hot-Spare-Festplatte eingesetzt, auf der die Daten der defekten Festplatte dann automatisch gespeichert werden. Anschließend ersetzt er die alte Festplatte einfach durch eine neue. Sie übernimmt dann die Funktion des neuen Hot-Spares. Normalerweise ist sie während des laufenden, fehlerfreien Betriebs abgeschaltet und wird erst im Falle einer notwendigen Datenwiederherstellung von einer Software aktiviert.

In vielen Fällen erkennt das System automatisch die Notwendigkeit, den Hot-Spare zu aktivieren und kontaktiert den Systemadministrator, damit er die Festplatte wechseln kann.

RAID-Wiederherstellung: Performance-Verlust möglich

Auch wenn es heutzutage möglich ist, auf diese Weise einem Datenverlust vorzubeugen , hat das Verfahren seine Grenzen. Denn während der automatischen Wiederherstellung der Daten kann es zu einem Performance-Verlust kommen. Denn die einzelne oder die übrigen Festplatten des Raids müssen ihre Rechenleistung jetzt dem Rebuild widmen. Es kann bis zu einen ganzen Tag oder länger dauern, bis eine 1 Terrabyte große Festplatte wiederhergestellt ist.

Doch was ist, wenn die Festplatte ausfällt und es kein funktionierendes Backup gibt? Immerhin kommt es auch bei RAID-Systemen immer wieder zu einem Datenverlust. Um dieses Problem zu erkennen, müssen sich Systemadministratoren zunächst mit den Symptomen eines möglichen Datenverlustes vertraut machen.

Performance-Verlust erkennen

Meistens bleibt es nicht dabei, dass sich das System einfach nur verlangsamt. Die IT-Mitarbeiter erkennen die Beeinträchtigung des Systems auch daran, dass es sich im Degraded-Modus befindet. Es funktioniert dann zwar noch, läuft jedoch nicht mehr optimal. Erst, wenn der Systemadministrator die defekte Festplatte ausgetauscht hat, funktioniert es wieder richtig.

Befindet sich das System hingegen im Offline-Modus, ist das Problem größer, denn dann sind zu viele Festplatten funktionsuntüchtig. Die Kontrollinstanz des RAIDs kann dann keine Daten mehr senden. Spätestens jetzt ist ein Spezialist für Datenrettung nötig. In jedem Fall muss das RAID sofort kontrolliert werden.

Es gibt auch Fehlermeldungen, die das RAID oder die Disk betreffen (zum Beispiel: "RAID degraded") und ebenfalls ein eindeutiges Indiz für einen eventuellen Datenverlust sind.

Das richtige Verhalten, um einem Datenverlust vorzubeugen

Wenn Daten und damit die Handlungsfähigkeit eines ganzen Unternehmens auf dem Spiel stehen, ist Nervosität eine natürliche Reaktion. Dennoch sollten Betroffene nicht voreilig handeln. Denn es besteht die Gefahr, dass der Schaden dadurch am Ende noch größer wird. Die Attingo Datenrettung GmbH in Hamburg schätzt, dass bei 80 Prozent der RAID-Datenrettungsfälle eine unüberlegte Erste Hilfe den Schaden verschlimmert.

Doch mit einigen nützlichen Tipps kann man sich vor Datenverlust auch dann schützen, wenn das System schon Alarm schlägt.

Gerade während eines abgebrochenen Rebuilds gilt: RAID-Konfigurationen dürfen niemals gelöscht werden und das RAID sollte auch nicht neu angelegt werden.

Es darf kein Zugriff auf die Festplatte oder Dateien darauf erfolgen, deswegen sollte man sie vom Strom trennen, ohne sie vorher runterzufahren. Wird das System kontrolliert heruntergefahren, können Daten überschrieben werden und dadurch unwiederbringlich verloren sein.

Des Weiteren sollte man kein Backup einspielen. Denn auch wenn man das System auf ein früheres Backup zurücksetzt, können (neue) Daten für immer verlorengehen. Bevor ein Backup eingespielt wird, müssen alle Datenträger des RAIDs ausgebaut und durch neue ersetzt werden. Sollte es anschließend nicht möglich sein, das Backup vollständig wiederaufzuspielen, helfen Unternehmen, die auf die Datenwiederherstellung spezialisiert sind.

Verantwortliche sollten den RAID-Verbund nach einem solchen Ausfall unbedingt schützen und keine weiteren Storages austauschen. Sie dürfen fehlende oder als offline markierte dynamische Datenträger auch nicht reaktivieren. Des Weiteren ist es wichtig, Datensystemüberprüfungen zu vermeiden, da sie den Schaden erhöhen können.

Achtung: RAID-Systeme sorgen für Redundanz, sind aber keine geeigneten Backups

RAID-Systeme eignen sich nicht so sehr als Backup-Systeme, sondern ihre Redundanz dient dem fortlaufenden Geschäftsbetrieb. Denn nach einem Ausfall bieten sie keine Recovery-Möglichkeiten.

Wenn der Rebuild schief lief und Daten in Gefahr sind, benötigen die Verantwortlichen Spezialisten für die Datenrettung des RAID-Systems (RAID Rebuild). Dieses Problem ist aktueller denn je und wird von der Corona-Krise befeuert. Denn immer wieder tauchen zum Beispiel falsche E-Mails von Gesundheitsämtern auf, die angeblich wichtige Daten über das Virus im Anhang enthalten.

Leider fallen viele Nutzer auf diesen Trick der Datendiebe herein und öffnen die E-Mails samt Anhang. Dann infizieren sie nicht nur den Computer, sondern sorgen auch dafür, dass das Backup-System angegriffen wird. Auf diesen Zusammenhang weisen inzwischen auch Datenrettungs-Unternehmen hin. Sie verzeichnen in letzter Zeit mehr Anfragen für ein Backup von virtuellen Maschinen.

Backup und Recovery virtueller Maschinen

Eine einzelne Festplatte kann gleich mehrere virtuelle Maschinen aufnehmen – das klingt erstmal so, als wäre Virtualisierung die beste Lösung, um sich vor Datenverlust zu schützen. Doch je mehr virtuelle Server ein Unternehmen braucht, um seine Daten zu sichern, desto schwerer wird es, sie zu organisieren.

Die größte Herausforderung virtueller Maschinen sind Konflikte, die entstehen, wenn verschiedene Systeme um Rechen- und Speicher-Ressourcen konkurrieren. Andere Anwendungen auf den virtuellen Maschinen werden davon in Mitleidenschaft gezogen. Sie erschweren außerdem die anwendungskonsistente Datensicherung sowie die Möglichkeit, neben dem gesamten System auch nur einzelne Dateien wiederherzustellen. Systemadministratoren müssen alle diese möglichen Komplikationen bedenken und eine effiziente Backup-Strategie entwickeln.

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