Betroffene sollten handeln
Trojaner: Falsche Paket-SMS infiziert Smartphones

Keine Links aus Mails oder SMS unbekannter Absender öffnen: Das hört man öfter. Wer sich kürzlich bei einer angeblichen Paket-SMS nicht daran gehalten hat, sollte nun aktiv werden.

Dienstag, 02.03.2021, 13:56 Uhr aktualisiert: 02.03.2021, 14:00 Uhr
«Verflixt, hätte ich bloß nicht auf diesen Link getippt», werden sich Opfer des Paket-SMS-Trojaners denken. Denn ist der einmal installiert, hilft nur noch das Zurücksetzen des Telefons.
«Verflixt, hätte ich bloß nicht auf diesen Link getippt», werden sich Opfer des Paket-SMS-Trojaners denken. Denn ist der einmal installiert, hilft nur noch das Zurücksetzen des Telefons. Foto: Christin Klose

Berlin/Hannover (dpa/tmn) - «Ihr Paket wurde verschickt. Bitte überprüfen und akzeptieren Sie es.» Diese leicht holprige, mit einem Link versehene SMS kursiert seit Januar. Dahinter steckt Schadsoftware, berichtet das Telekommunikationsportal «Teltarif.de».

Wer so eine Kurznachricht bekommt, löscht sie am besten gleich. Android-Nutzer, die sie schon erhalten und auf den Link geklickt haben, sollten hellhörig werden. Besonders wenn sie massenhaft versendete SMS in ihrem Nachrichtenverlauf oder - verbunden mit hohen aufgelaufenen Kosten - auf ihrer Mobilfunkrechnung entdecken.

Trojaner schickt teure SMS

Denn dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass man mit Tippen auf den SMS-Link die Installation eines Trojaners ausgelöst hat, der nun munter teure SMS verschickt - etwa an Sonder- und Premiumnummern oder in außereuropäische Länder.

Nun ist Handeln angesagt: Betroffene schalten ihr Smartphone am besten sofort in den Flugmodus, informieren ihren Mobilfunkprovider und lassen diesen eine sogenannte Drittanbietersperre einrichten. Das rät das  Landeskriminalamt (LKA) Niedersachsen.

Falls noch nicht feststeht, ob Kosten entstanden sind, gilt es das als nächstes zu prüfen. Ist etwa im Online-Kundenbereich keine Übersicht über den laufenden Monat oder über die vergangenen Monate möglich, kann man beim Provider einen Kostennachweis anfragen.

Anzeige erstatten und Beweise sichern

Als nächstes rät das LKA, Anzeige bei der örtlichen Polizeidienststelle zu erstatten. Dazu nimmt man zum einen das Smartphone mit. Zum anderen aber auch Screenshots beziehungsweise Fotos vom Display und - falls vorhanden - Kostennachweise.

Erst danach sollte der Trojaner vom Gerät entfern werden. Dazu startet man das Smartphone im abgesicherten Modus . Wie das funktioniert, unterscheidet sich von Gerät zu Gerät. Die richtige Tastenkombination findet sich meist auf der Support-Webseite des Herstellers.

Spurensuche im abgesicherten Modus

Im abgesicherten Modus sucht man jene Apps, die zuletzt und nicht bewusst selbst installiert wurden. Diese Apps entfernt man und startet das Smartphone neu. Im schlimmsten Fall hilft aber nur das Zurücksetzen in den Auslieferungszustand.

Bevor dies geschieht, nicht vergessen, die Daten auf dem Gerät in einem Onlinespeicher (Cloud) oder auf einer Speicherkarte zu sichern. Dann geht man in den Einstellungen zum Punkt «Zurücksetzen» und wählt dann den Punkt, der «Auslieferungszustand (Alle Daten löschen)» oder ähnlich heißt.

Achtung: Bumerang-Effekt bedenken

Wer anschließend seine Daten wieder aus einer Cloud-Sicherung aufs Gerät aufspielen möchte, sollte unbedingt darauf achten, dass keine Apps darunter sind. Sonst habe man den Trojaner gleich wieder auf dem Smartphone, warnen die Experten. Fehlende Apps lädt man stattdessen einzeln über Googles Play Store herunter.

Um solchen Angriffen vorzubeugen, sollte man in den Einstellungen unter «Sicherheit/Installationen von unbekannten Quellen» alle Schiebeschalter deaktivieren. Android-Banner, die vor Apps aus unbekannten Quellen warnen, nimmt man besser ernst.

Und was ist mit der Rechnung?

Wichtig: Frühzeitig mit dem Provider Kontakt aufnehmen und bei der Polizei Beweissicherung und Anzeige erledigen. Dann müssen Verbraucherinnen und Verbraucher den Teil der Handyrechnung, den der Trojaner verursacht hat, nicht bezahlen. Davor schützt sie das Telekommunikationsgesetz (TKG).

Denn im TKG (Paragraf 45i Absatz 4) heißt es: «Soweit der Teilnehmer nachweist, dass ihm die Inanspruchnahme von Leistungen des Anbieters nicht zugerechnet werden kann, hat der Anbieter keinen Anspruch auf Entgelt gegen den Teilnehmer. Der Anspruch entfällt auch, soweit Tatsachen die Annahme rechtfertigen, dass Dritte durch unbefugte Veränderungen an öffentlichen Telekommunikationsnetzen das in Rechnung gestellte Verbindungsentgelt beeinflusst haben.»

© dpa-infocom, dpa:210302-99-655644/2

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