Weißweine, die es mit jeder Konkurrenz aufnehmen können
Möselchen? Nein danke!

Ich habe dem ganzen Spuk ein Ende gemacht“, sagt Ernst Loosen und lacht schallend. Der Spuk, das war die lange Reihe von Namen, die sein Weingut tragen müsste, wenn alle ererbten Besitztümer seit Urgroßvaters Zeiten auf dem Etikett vermerkt wären. Nein, er beschränkte sich einfach auf den Namen der väterlichen Linie: Weingut Dr. Loosen. Was nicht nur viel Platz auf dem Etikett spart, sondern sich auch im Ausland besser vermarkten lässt. In den USA beispielsweise, wohin er viel von seinem Mosel-Riesling exportiert.

Donnerstag, 12.04.2012, 17:04 Uhr

Mosel : Das klingt für viele immer noch nach altmodischer Gemütlichkeit, nach einer Welt irgendwo zwischen Heinz Erhard und Heino. „Da denkt jeder gleich an 4711 und seine Oma“ witzelt Loosen – kein Wunder, dass er als junger Winzer beschlossen hatte, „rigoros alles abzuschneiden.“ Und das bezieht sich nicht nur auf die Namen des Weinguts .

Wein-WG macht Ende mit falschen Traditionen

Loosen, der seine Gäste an einem stattlichen Esstisch empfängt, von dem der Blick durchs Fenster direkt auf das imposante Mosel-Tal geht, erzählt vom Absturz des Dollar in den 80ern, den niedrigen Preisen und dem schlechten Image des deutschen Weins. Sodass sein Vater dem ältesten Sohn eines Tages das heruntergekommene Weingut überließ: „Junge, hier hastet!“ Und „Ernie“ Loosen, wie ihn seine Freunde nennen, holte sich Helfer wie seinen Kumpel „Bernie“ Schub als Kellermeister, mit denen er in der „abgewrackten Bude“ eine Wein-WG aufzog, die vor allem den falschen Traditionen ein Ende machte: weg mit charakterschwachen Neuzüchtungen im Weinberg, weg mit Lagen, die ungünstig für das Reifen des kapriziösen Rieslings sind, und volle Konzen­tration auf jene Steillagen des Moseltals, die schon mit der Königlich Preußischen Weinlagen-Klassifizierung des Jahres 1868 als Erste Große Lagen bewertet wurden und auf einer historischen Karte abgebildet sind.

Die "Hexe von der Mittelmosel "

Genau diese Karte hängt auch bei Sybille Kuntz , deren Weingut sich auf der anderen Seite der Mosel, im kleinen Örtchen Lieser, befindet. Ihr Ehemann Markus Kuntz-Riedlin, diplomierter Önologe aus dem Markgräfler Land, verweist auf die lange Tradition bis zurück zu napoleonischer Zeit, als die Region französisch besetzt war und die Lagenklassifikation der Franzosen auch die Mosel-Weine umfasste. „Niederberg-Helden“ ist der Name der Ersten Lage, in der die besten Weine von Sybille Kuntz wachsen – auch sie hat in den 80er Jahren das Weingut von den Eltern übernommen. Und auch sie hat mit Traditionen gebrochen: so radikal, dass man ihr das Etikett „die Hexe von der Mittelmosel“ anheftete. Worüber sich Sybille Kuntz noch heute amüsiert, wenn sie von ihren Besuchern darauf angesprochen wird. „Ich wollte nicht das ,Möselchen’, das es damals gab“ erklärt sie augenzwinkernd, also nicht jene süßlich-dünnen Weine wie die „Liebfrauenmilch“, die auch Ernst Loosen so inbrünstig verachtet.

Food-Weine mit Power

„Unsere Weine haben Power!“ betont Sybille Kuntz, „es sind Food-Weine, die man zum Essen trinkt.“ Die englischen Ausdrücke benutzt sie nicht von ungefähr, denn auch viele Kuntz-Weine, deren Flaschen von modernen Etiketten sehr „stylish“ geschmückt werden, gehen ins Ausland, vor allem nach New York. „Viele wollen französischen Wein, wenn aber deutschen Riesling, dann Mosel“, erzählt das Ehepaar Kuntz über das anspruchsvolle Publikum in Manhattan. „Und die erste Frage lautet: Ist der auch trocken?“ Trockene Weine aus großen Lagen, die es mit jeglicher Weißwein-Konkurrenz aufnehmen können, sind das Ideal jener Mosel-Winzer, die sich gegen das Billig-Image der 70er Jahre mit ihrer problematischen Gesetzgebung stellen und an viel ältere Zeiten anknüpfen.

Auf den Spuren des Rieslings an der Mosel

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  • Weinstock in Bernkastel-Kues.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Bernkastel-Kues an der Mosel.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Zu Besuch bei Ernst Loosen auf dem Weingut Dr. Loosen nahe Bernkastel-Kues

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Zu Besuch bei Ernst Loosen auf dem Weingut Dr. Loosen nahe Bernkastel-Kues.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Zu Besuch bei Ernst Loosen auf dem Weingut Dr. Loosen nahe Bernkastel-Kues.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Zu Besuch bei Ernst Loosen auf dem Weingut Dr. Loosen nahe Bernkastel-Kues.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Zu Besuch bei Ernst Loosen auf dem Weingut Dr. Loosen nahe Bernkastel-Kues.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Zu Besuch bei Ernst Loosen auf dem Weingut Dr. Loosen nahe Bernkastel-Kues.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Weinstock in Bernkastel-Kues.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Zu Besuch bei Ernst Loosen auf dem Weingut Dr. Loosen nahe Bernkastel-Kues.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Zu Besuch bei Sybille Kuntz und Markus Kuntz-Riedlin in Lieser nahe Bernkastel-Kues.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Zu Besuch bei Ernst Loosen auf dem Weingut Dr. Loosen nahe Bernkastel-Kues.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Zu Besuch bei Ernst Loosen auf dem Weingut Dr. Loosen nahe Bernkastel-Kues.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Weinlage Ürziger Würzgarten an der Mosel nahe Bernkastel-Kues.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Zu Besuch bei Ernst Loosen auf dem Weingut Dr. Loosen nahe Bernkastel-Kues.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Weinlage Ürziger Würzgarten an der Mosel nahe Bernkastel-Kues.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Bernkastel-Kues an der Mosel.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Bernkastel-Kues an der Mosel.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Weinberge an der Mosel.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Zu Besuch bei Ernst Loosen auf dem Weingut Dr. Loosen nahe Bernkastel-Kues.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Bernkastel-Kues an der Mosel.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Zu Besuch bei Sybille Kuntz und Markus Kuntz-Riedlin in Lieser nahe Bernkastel-Kues.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Weinstock in Bernkastel-Kues.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Zu Besuch bei Sybille Kuntz und Markus Kuntz-Riedlin in Lieser nahe Bernkastel-Kues.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Weinverkauf in Bernkastel-Kues.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Weingut Dr. Loosen (St. Johannishof) an der Mosel nahe Bernkastel-Kues.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Zu Besuch bei Ernst Loosen auf dem Weingut Dr. Loosen nahe Bernkastel-Kues.

    Foto: Gunnar A. Pier

"Wein wie zu Ur-Opas Zeit"

„Damals waren deutsche Rieslinge so teuer wie Bordeaux“, ist ein Satz, den man bei jedem ambitionierten Riesling-Erzeuger hören kann. Ernst Loosen schwelgt geradezu in der Vorstellung, „Wein wie zu Ur-Opas Zeit“ zu machen, also aus gesunden, ausgereiften Trauben mit natürlichen Hefen durchgegorene Weine zu erzeugen, die im großen Holzfass lagern und sich über Jahre und Jahrzehnte in der Flasche entwickeln können. Ob die dann mit reichlich Alkohol und üppiger Kraft von ihrer erstklassigen Herkunft künden wie etwa der Riesling „Gold-Quadrat“ von Sybille Kuntz, ob sie bewusst leicht und dabei charakterstark daherkommen wie der „Satyricus“ aus Loosens Einstiegs-Kollektion oder ob sie auf elegante Weise vom Schiefer und Vulkangestein der unterschiedlichen Lagen erzählen wie Ernst Loosens „Große Gewächse“, das ist eine Frage des individuellen Stils und Geschmacks.

Anspielungen an 70er-Jahre-Möselchen

Mit 70er-Jahre-Möselchen haben diese Weine so wenig zu tun, dass Loosen es sich sogar leisten kann, seinem Prunkstück „Erdener Prälat“ augenzwinkernd das ulkige Traditionsetikett mit dem trinkenden Mönch aufzukleben. Sein Riesling vom roten Schiefer hingegen zeigt schon äußerlich, wohin die Reise geht: Er wird für den internationalen Markt als „Red Slate“ angeboten und lockt mit dem Hinweis „Dry“ amerikanische Kunden. Spannend ist der direkte Vergleich zu Loosens populärem „Blauschiefer“-Wein: Der Boden, auf dem die Reben wachsen, verleiht den Weinen eine geschmackliche Differenz, die schwer in Worte zu fassen ist: Schmeckt blau nun lebhafter als rot, oder wirkt rot vielleicht harmonischer als blau?

Mosel ist vor allem Riesling-Gebiet

Wichtig ist den qualitätsvernarrten Winzern aber vor allem eines: Mosel ist Riesling-Gebiet. Hier wachsen die besten der Welt, sagen sie stolz, andere schöne Weine soll man eben anderswo erzeugen. Was sie selbst auch tun: Ernst Loosen hat vor einigen Jahren ein Weingut in der Pfalz übernommen und kultiviert dort die Burgunder-Sorten, hat sogar im amerikanischen Oregon Pinot-Noir-Reben gepflanzt, und Sybille Kuntz freut sich auf ihren Spätburgunder aus dem Markgräfler Land. Und was für sie die feine Flasche Rioja ist, die man in ihrer Probierstube entdecken kann, das ist für Ernst Loosen die Sammlung im Kellergeschoss seines Weinguts: Hinter einem gewaltigen Tisch stehen auf einem Mauer-Vorsprung unzählige geleerte Flaschen. Edelrotwein aus dem Piemont, Bordeaux-Legenden, auch mal ein Chateauneuf-du-Pape – was Ernie Loosen hier mit Freunden schon ausgetrunken haben muss, ist der Traum aller Wein-Enthusiasten. Keine Frage: Die Star-Winzer von der Mosel wissen, was schmeckt. 

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