Abnehmen ohne Verbote
Wer sein Gewicht reduzieren will, sollte ehrlich zu sich sein

Fast ein Drittel der Weltbevölkerung ist einer Studie der Universität von Washington zufolge übergewichtig oder fettleibig. Allein in der Europäischen Union gilt die Hälfte der Erwachsenen als über­gewichtig und jeder sechste Bürger sogar als fettleibig. Alarmierend sind auch die jüngsten Daten über das Gewicht von Kindern. Jedes fünfte Kind in Deutschland ist übergewichtig, jedes zwanzigste fettleibig.

Dienstag, 04.07.2017, 06:52 Uhr aktualisiert: 04.07.2017, 08:53 Uhr
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Die Konsequenzen sind bekannt: Wer mehr isst, als ihm guttut, riskiert Wohlstandskrankheiten wie Diabetes und Herz-Kreislauf-Problematiken. Was also tun, um den gefährlichsten Gesundheitsgefährder in seine Schranken zu weisen?

„Natürlich weiß letzt­endlich jeder, wie eine gesunde Ernährung aussehen sollte“, sagt Dennis Grotjahn , Leiter der Schule für Diätassistenten an den Universitätskliniken Münster. Dennoch müsse die Aufklärung eher verstärkt als zurückgefahren und vor allen Dingen vom Dogmatismus befreit werden. Dicken Menschen ein schlechtes Gewissen einzureden – „das ist der völlig falsche Weg“, meint der Gesundheitswissenschaftler.

Beobachtungsstudien belegen das. In einer solchen Studie stellten Forscher fest, dass Menschen, die mit schlechtem Gewissen Fast Food konsumieren, mehr an Gewicht zunehmen als andere, die ihr kalorienreiches Essen ohne Reue genießen.

Gewohnheiten aufbrechen

In der Praxis versuchen Diätassistenten gemeinsam mit ihren Patienten, Gewohnheiten aufzu­brechen. Denn sie sind es, die oft die Ursache für zu viele Pfunde sind. „Wichtig ist es, sich ehrlich einzugestehen, welche Funktion das Essen hat“, empfiehlt Grotjahn. Hat sich das Frustessen zu einem Automatismus entwickelt? Gibt es Situationen, in denen das Verlangen nach Süßem oder Fettigem besonders stark ist? „Einfach nur zu sagen, du darfst nicht mehr so viel Zucker essen, das funktioniert nicht.“ Grotjahn hält viel von einer Ernährung ohne Verbote und der Bereitschaft, Neues auszuprobieren. Häufig Lust auf einen cremigen Snack: Warum nicht mal ein Mager­joghurt mit Früchten probieren? Eine Vorliebe für knackige Zwischenmahlzeiten? Eine frische Möhre erzielt den gewünschten Effekt.

Letztendlich ist der Schlüssel zur Gewichtsabnahme die Beschäftigung mit dem eigenen Körper. „Sich Ziele zu setzen, ist wichtig“, sagt Grotjahn. Drei Kilo weniger, um wieder in die alte Hose zu passen – ein solcher Erfolg beflügelt.

Diäten wenig hilfreich

Dabei sind Diäten wenig hilfreich. Weitgehend unumstritten ist mittlerweile, dass dem Körper der Verzicht auf Fett schadet. „Es gibt viele fettlösliche Vitamine, die nur mit Fett auf­genommen werden können“, erklärt der Gesundheits­wissenschaftler. Entscheidend ist die Art des Fettes: „Wir empfehlen pflanzliches Fett und ganz besonders Oliven-, Raps-, Leinsam- und Walnussöl.“ Auch Diäten, die die Kohlenhydrat-Zufuhr drastisch einschränken, sieht Grotjahn kritisch. Denn gerade komplexe Kohlen­hydratlieferanten wie Vollkornprodukte, Naturreis und Vollkornnudeln wirken sich positiv auf die Leistungs­fähigkeit aus und halten den Blutzuckerspiegel konstant.“

Und noch etwas: Wer sich kasteit, riskiert Heißhungerattacken, die sich besonders schnell auf das Gewicht auswirken. Grotjahns Tipp: Fünf bis sechs kleine Mahlzeiten pro Tag essen, so dass sich Heißhungerattacken gar nicht einstellen können.

Wasser ist Nahrung

Untersuchungen belegen, dass Menschen, die ­zuckerhaltige Erfrischungsgetränke bevorzugen, auch ansonsten zu süß schmeckenden Lebensmitteln neigen. Wasser, ungesüßter Tee und Kaffee in Maßen sollten als Teil der Ernährung verstanden werden, meint der Gesundheitswissenschaftler Dennis Grotjahn. Denn auch Getränke haben einen sättigenden Effekt.

Eiweißzufuhr

Viele Freizeitsportler vertrauen für den Muskelaufbau auf zusätzliche Eiweißpräparate. Davon hält der Gesundheitswissenschaftler Dennis Grotjahn nichts. „Die Eiweißzufuhr, die wir ganz normal über Fleisch, Geflügel, Fisch, Getreide- und Milchprodukte zu uns nehmen, reicht völlig aus.“ Ein schädlicher Effekt sei zwar nicht bekannt – ein positiver aber auch nicht.

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