Potenziell krebserregende Stoffe
Münsterisches Labor findet Mineralölspuren in Milchpulver

Berlin/Münster -

Potenziell krebserregende Stoffe in Baby-Nahrung - diese Nachricht schlug im Oktober hohe Wellen. Jetzt haben amtliche Labor-Tests in Münster die damals von Foodwatch präsentierten Ergebnisse zum Teil bestätigt. Die Verbraucherorganisation sieht jetzt Ernährungsministerin Klöckner am Zug.

Freitag, 06.12.2019, 15:40 Uhr aktualisiert: 06.12.2019, 15:52 Uhr
Potenziell krebserregende Stoffe: Münsterisches Labor findet Mineralölspuren in Milchpulver
Die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch hat Säuglingsmilch testen lassen. Foto: dpa

Die Verbraucherorganisation Foodwatch fordert von Ernährungsministerin Julia Klöckner (CDU), wegen Mineralölspuren in Milchpulver-Produkten für Säuglinge aktiv zu werden. Sie müsse dafür Sorge tragen, dass belastete Produkte umgehend aus den Regalen verschwinden, sagte Foodwatch-Experte Oliver Huizinga am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. Klöckner solle zudem strikte Grenzwerte einführen, um die Gesundheit der Kinder zu schützen.

Foodwatch hatte im Oktober nach einem Test mitgeteilt, dass in drei von vier Produkten Rückstände potenziell krebserregender Mineralöle gefunden worden seien.

Amtliche Labortests in Münster

Solche aromatischen Kohlenwasserstoffe (MOAH) seien nun auch in amtlichen Labortests gefunden worden, erklärte die Organisation unter Berufung auf Angaben des nordrhein-westfälischen Verbraucherministeriums: in 9 von 12 Milchprodukten in Blechdosen sowie in 2 von 14 Produkten in Kartonpackungen. Die Tests stammen vom Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt Münsterland-Emscher-Lippe in Münster. ( Testergebnisse als pdf )

Klöckner hatte mit Blick auf die Foodwatch-Tests auf Transparenz gepocht. „Wenn sich herausstellt, dass Baby- oder Säuglingsmilch der Gesundheit unserer Kleinsten schaden könnte, darf sie nicht im Supermarkt landen.“ Lebensmittel müssten sicher sein.

Wie schlimm sind Öl-Spuren in Säuglingsmilch?

Eine akute Gesundheitsgefahr bestehe nicht, betonte schon im Oktober ein Foodwatch-Sprecher auf dpa-Anfrage. Die Verbraucherschützer fordern dennoch Null-Toleranz beim Gehalt dieser Stoffe in Lebensmitteln, einen gesetzlichen Grenzwert gibt es bisher allerdings nicht. 

Das  Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in Berlin wertet die Verunreinigungen mit Mineralöl generell als unerwünscht. Aber was genau die Aufnahme der Substanzen für Kinder oder gar Säuglinge im Unterschied zu Erwachsenen bedeutet, ist laut BfR wegen fehlender Studien zum Thema unklar. 

Die MOAH-Aufnahme solle wegen möglicher gesundheitsschädigender Folgen minimiert werden und „so gering wie technisch möglich sein”, so das BfR. „Dies gilt insbesondere für Säuglingsnahrung, da es sich bei Säuglingen um eine besonders schützenswerte Bevölkerungsgruppe handelt.” Hinzu komme, dass Säuglinge zum Teil ausschließlich mit Säuglingsmilch gefüttert würden und nicht auf andere, weniger belastete Nahrungsmittel ausweichen könnten.

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