Besser als Leitungswasser?
Wie gesund ist Mineralwasser? - Forscher untersuchen Wirkung

Erwachsene sollten jeden Tag rund 1,5 Liter Wasser trinken. Sollte man einfach den Wasserhahn aufdrehen oder Sprudel kaufen? In Hannover geht das Kompetenzzentrum Mineral- und Heilwasser der Frage nach, wie Nährstoffe aus diesen Quellen im Körper aufgenommen werden.

Mittwoch, 24.10.2018, 14:16 Uhr
Veröffentlicht: Mittwoch, 24.10.2018, 14:11 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Mittwoch, 24.10.2018, 14:16 Uhr
Forscher des Kompetenzzentrums Mineral- und Heilwasser haben sich mit der Frage beschäftigt, ob Mineralwasser wirlich besser ist, als normales Leitungswasser.
Forscher des Kompetenzzentrums Mineral- und Heilwasser haben sich mit der Frage beschäftigt, ob Mineralwasser wirlich besser ist, als normales Leitungswasser. Foto: Matthias Balk

Hannover (dpa/lni) - Mineralwasser ist beliebt. Viele Menschen nehmendas Kistenschleppen aus dem Supermarkt in Kauf, obwohlLeitungswasser ohne Bedenken trinkbar ist.

175 Liter in Flaschen abgefülltes Wasser konsumierten die Deutschen im Jahr 2017 pro Kopf, im europäischen Vergleich lag nur Italien mit 188 Litern davor. Der Hitzesommer 2018 steigerte den Wasserdurst. Teilweise wurden Sonderschichten eingelegt, um die Nachfrage zu bedienen, berichtet der Verband Deutscher Mineralbrunnen (VDM), der die Interessen von bundesweit knapp 200 Betrieben vertritt.

Kompetenzzentrum gegründet

Mit der Wirkung verschiedener Mineralwassertypen auf die Gesundheitbeschäftigen sich Wissenschaftler in dem vor einem Jahr gegründeten Kompetenzzentrum Mineral- und Heilwasser (KMH) an der LeibnizUniversität Hannover. Die Einrichtung am Institut fürLebenswissenschaft und Humanernährung wird vom VDM gefördert. DasZentrum sei in seiner Zielsetzung bundesweit einmalig, sagtVDM-Geschäftsführer Udo Kremer. Vergleichbare Institute im Auslandseien ihm nicht bekannt.

«Wir arbeiten inhaltlich völlig unabhängig und ergebnisoffen», betontProjektleiterin Inga Schneider . «Das Thema Mineral- und Heilwasserwurde in Deutschland bisher wissenschaftlich kaum beachtet», sagt derverantwortliche Professor Andreas Hahn , der die Idee zur Gründung desKompetenzzentrums hatte.

Studie zur Bioverfügbarkeit von Calcium

So entstanden bereits zwei Studien zur Bioverfügbarkeit von Calciumbeziehungsweise Magnesium. «Beide Nährstoffe werden genauso gut durchMineralwasser aufgenommen wie durch Milch oderNahrungsergänzungsmittel», berichtet Schneider. Andere Stoffe imWasser wie Sulfat oder Hydrogencarbonat behinderten ihre Aufnahmenicht. Für die Untersuchungen hatten insgesamt mehr als 40Freiwillige in regelmäßigen Abständen nach dem Verzehr von dreiMineralwassertypen beziehungsweise Milch oder Vitaminpillen Blut- undUrinproben abgegeben.

Calcium wirkt sich positiv auf den Knochenaufbau aus, Magnesium istwichtig für die Funktion von Muskeln, Herz, Magen-Darm-Trakt sowiefür die Nervenweiterleitung. Die Forscher haben Ideen für weitereStudien, etwa zu Wasser und Sport oder Wasser und Diabetes. NebenSchneider und Hahn arbeiten zwei wissenschaftliche Hilfskräfte sowieeine Doktorandin am KMH.

In der Doktorarbeit wird hydrogencarbonatreiches Mineralwasseruntersucht. 120 gesunde Männer und Frauen erhielten vier Wochen langeinen von vier verschiedenen Wassertypen. Nach ersten Ergebnissengibt es laut Schneider positive Effekte auf den Säure-Basen-Haushalt.Demnach könnte hydrogencarbonatreiches Mineralwasser Nierensteinenvorbeugen. Auch der mögliche Einfluss auf die Knochen werdeuntersucht.

Ein gutes, kalorienarmes Getränk

Aus Sicht von Verbraucherschützern empfiehlt sich Mineralwasser alskalorienfreies Getränk. «Darüber hinaus kann es zum Beispiel beieiner Laktoseintoleranz neben Gemüse wie Grünkohl oder Spinat alsCalciumquelle sinnvoll sein», sagt Janina Willers, Referentin fürErnährung und Lebensmittel der Verbraucherzentrale Niedersachsen. Ausökologischer Sicht und um Kosten zu sparen, sei Leitungswasserallerdings für den Großteil der Bevölkerung genauso gut geeignet.

Mineral- und Heilwasser entspringen unterirdischen Wasservorkommen.Sie sind Naturprodukte, deren Bestandteile nicht verändert werdendürfen. Die heimischen Brunnenbetriebe füllen jährlich insgesamt über14 Milliarden Liter ab, inklusive Mineralwasser-Erfrischungsgetränkenund Heilwasser.

Heilwasser ist Arzneimittel

Heilwasser ist eine deutsche Besonderheit - seine vorbeugende,lindernde oder heilende Wirkung muss mit einem wissenschaftlichenGutachten nachgewiesen werden. Mineralwasser ist als Lebensmitteleingestuft, Heilwasser muss als Arzneimittel zugelassen werden.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6142287?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F198%2F711292%2F213%2F1727879%2F
Siebenjähriger Junge ertrunken
Reanimation blieb erfolglos: Siebenjähriger Junge ertrunken
Nachrichten-Ticker