Familie
Einziger Single in der Clique: Nicht an sich zweifeln

Wuppertal (dpa/tmn) - Plötzlich wird aus dem Kinoabend ein Rumgeschmuse: Haben viele aus der Clique einen Partner, verändert das die Gruppendynamik. Singles fühlen sich dann schnell überflüssig. Statt an sich zu zweifeln, sollten sie lieber den Freundeskreis erweitern.

Mittwoch, 18.04.2012, 09:04 Uhr

Familie : Einziger Single in der Clique: Nicht an sich zweifeln
«Ich bin nicht hübsch genug»: Auch wenn man als einzige in der Clique keinen Freund hat, sollte man sich nicht zu sehr runterziehen lassen. Foto: Diagentur Foto: dpa

Die Situation ist verzwickt: Bislang war man immer mit seiner Clique unterwegs - doch auf einmal haben die meisten einen Freund oder eine Freundin. Und während sie alle Händchen halten und rumknutschen, steht man als Einziger ohne Partner da. Als wäre das nicht genug, muss man sich von der besten Freundin auch noch ständig anhören, wie toll ihr neuer Freund ist.

Eine solche Situation sei schwierig, räumt Beate Friese vom Kinder- und Jugendtelefon « Nummer gegen Kummer » in Wuppertal ein. «Man hat dann oft das blöde Gefühl, als Einziger übrig geblieben zu sein - fast so wie bei der Tanzstunde, wo man auf der Bank sitzen bleibt.» Diese Gefühle finde niemand schön, doch man dürfe auf keinen Fall den Fehler machen, an sich zu zweifeln. Gedanken wie «Mit mir stimmt was nicht» oder «Ich bin nicht so hübsch wie die anderen» seien keine Hilfe. «Stattdessen muss man sich klarmachen, dass man nicht immer sofort jemanden findet, der zu einem passt», sagt Friese.

Sich zurückziehen und alleine grübelnd zu Hause sitzen, ist allerdings keine Lösung. Besser setze man sich mit der Situation bewusst auseinander und versuche, das Beste daraus zu machen. «Eine Möglichkeit wäre zum Beispiel, sich nicht immer nur mit Paaren zu treffen, sondern sich gezielt einen oder mehrere Singles dazuzuholen», rät Diplom-Psychologin Elisabeth Raffauf aus Köln . Dann sitze man nicht ständig einem knutschenden Paar gegenüber. «Außerdem kann es helfen, sich zu überlegen, wo man sich trifft.» Immerhin lädt eine bequeme Kuschelecke zu Hause vielleicht mehr zum Schmusen ein als ein Café in der Stadt.

Die Unterstützung anderer Singles kann auch noch einen weiteren Vorteil haben, wie die Erziehungs- und Familienberaterin Maria El-Safti-Jütte aus Berlin sagt: «Wenn man mit einem Paar allein unterwegs ist, kann man schnell das Gefühl haben, einer starken Einheit gegenüberzusitzen.» Beide sind sich immer in allem einig und reden von ihren gemeinsamen Interessen. «Mit einer Verstärkung an der Seite fühlt man sich dann meist nicht so außen vor, gerade wenn das Paar sehr auf sich bezogen ist.»

Ähnliches gilt auch für andere Situationen. «Man kann sich überlegen, ob man sich nicht sowieso mal mit anderen Leuten treffen möchte», sagt El-Safti-Jütte. Möglicherweise gibt es andere Freunde, die man eine Zeit lang nicht so häufig oder gar nicht mehr getroffen hat? «Man muss ja enge Freundschaften nicht beenden, nur weil die anderen jetzt Partner haben. Aber es kann hin und wieder mehr Spaß machen, mit Freundinnen oder Freunden auszugehen, die auch Singles sind.» Immerhin könne man dann gemeinsam nach Jungs oder Mädchen Ausschau halten - oder sich völlig andere Themen suchen.

In der Clique dürfe man ruhig ansprechen, wie man sich fühle. «Das ist kein einfaches Thema, deswegen fällt es wahrscheinlich leichter, es nur einem zu sagen als gleich der ganzen Gruppe», sagt Expertin Friese. Dem Paar das Knutschen oder Im-Arm-Halten untersagen, sei allerdings schwierig. «Das kann man nicht verlangen, schließlich würde man es selber wahrscheinlich ähnlich machen, wenn man könnte.» Hilfreicher sei, so etwas zu sagen wie «Das geht nicht gegen euch, aber die Situation ist gerade nicht einfach für mich, das könnt ihr sicher verstehen. Deswegen möchte ich mich mal ein bisschen zurückziehen.»

Dabei könne man betonen, wie wichtig einem der andere ist. «Wenn der beste Freund nie mehr Zeit für mich allein hat, sondern immer nur noch mit seiner Freundin aufkreuzt, kann ich das ruhig ansprechen», findet Sozialpädagogin El-Safti-Jütte. Dann aber besser diplomatisch und ohne Angriff gegen die Freundin, sondern eher so: «Ich freue mich für dich, dass du jetzt jemanden hast, der dir so viel bedeutet, aber ehrlich gesagt vermisse ich dich mittlerweile. Ich hätte dich gerne mal wieder allein, nur für mich.»

Literatur:

Raffauf, Elisabeth: Only for girls: Alles über Liebe und Sex. Beltz. 264 Seite, 12,90 Euro, ISBN-13: 9783407753403

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