Mediation
Gemeinsam am Konsens arbeiten

Eine aufgebrachte, von den Anklägern manipulierte Menschenmenge. Ein schlecht informierter Richter. Ein Angeklagter ohne Verteidiger. Ein Todesurteil, nach dem sich der Richter die Hände „in Unschuld wäscht“. So wurde laut Übermittlung der Bibel über Jesu Kreuzigung entschieden. So wünscht sich niemand die Entscheidungsfindung in einem Konflikt. 

Donnerstag, 13.04.2017, 16:04 Uhr

In einer Mediation finden beide Konfliktparteien gleichermaßen Gehör und arbeiten mit Unterstützung des Mediators an einer gemeinsamen Lösung.
In einer Mediation finden beide Konfliktparteien gleichermaßen Gehör und arbeiten mit Unterstützung des Mediators an einer gemeinsamen Lösung. Foto: Colourbox/Eric Audras

Jeder möchte Gerechtigkeit, möchte gehört werden mit seinem Anliegen, vielleicht seiner Mission. Doch was kennzeichnet die „gerechte“ Lösung eines Konflikts? „Gerechtigkeit ist etwas sehr Individuelles“, meint Andrea Wegner-Katzenstein , Mediatorin beim Kölner Institut „ Konsens plus“. Gerecht sei eine Lösung, wenn beide Konfliktparteien mit ihr zufrieden sind und jeder den Eindruck hat, durch den Klärungsprozess etwas gewonnen zu haben.

Ziel einer Mediation ist es, beide Seiten mit ins Boot zu holen, um eine gemeinsame Vereinbarung zu erarbeiten. „Dazu sind anfangs vertrauensbildende Maßnahmen nötig, damit die Parteien offen miteinander kommunizieren“, erläutert Wegner-Katzenstein.

Negative Formulierungen und Angriffe sollen nicht stehen bleiben, sondern so umformuliert werden, dass eine sachliche Basis für das weitere Gespräch entsteht. „Dadurch wächst die Kooperationsbereitschaft“, weiß die professionelle Mediatorin.

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Andrea Wegner-Katzenstein ist Mediatorin und bildet Mediatoren aus. Foto: privat

Verständnis für beide Seiten

Ein wichtiges Element in der Mediation ist, dass die Beteiligten Verständnis für den jeweils anderen bekommen. „Um das zu erreichen, muss zunächst jeder erkennen, warum ihm etwas wichtig ist – nur dann kann er auch den anderen verstehen“, betont Andrea Wegner-Katzenstein. Am Anfang steht also die Selbstbehauptung, das Eintreten für die eigene Sache.

Zunächst muss jeder erkennen, warum ihm etwas wichtig ist.

Andrea Wegner-Katzenstein

Erst danach wird ein Perspektivwechsel möglich, bei dem sich jeder Konfliktbeteiligte in den anderen hineinversetzt und versucht, seine Sichtweise nachzuvollziehen.

„Jeder darf sich für seine Position einsetzen, aber weiter kommen wir bei der Suche nach einer Konfliktlösung nur, wenn wir hinter die Positionen blicken“, fordert die Kölner Institutsleiterin zur Erforschung der persönlichen Interessen und Bedürfnisse auf.

Der Mediationsprozess

Während eines Mediationsprozesses gibt sie keine Ratschläge, fällt auch keine Entscheidung. „Die Mediation zielt auf die Stärkung der Autonomie ab. Denn die Parteien sind selbst die Spezialisten für ihre Probleme – und damit auch für die Lösung“, nennt Andrea Wegner-Katzenstein eine wesentliche Grundhaltung der stets allparteilichen Mediatoren.

Wenn eine Situation aussichtslos erscheint, ein Streit schon seit Langem besteht und sich verselbstständigt hat, werden die Beteiligten dabei unterstützt, ein paar Stufen auf der Eskalationsleiter zurückzugehen.

Grundregeln der Mediation

Abschluss mit Vertrag

Die Mediation ist ein strukturiertes außergerichtliches Verfahren, in dem ein neutraler Dritter versucht, gemeinsam mit den Konfliktparteien eine einvernehmliche Lösung zu erzielen. Der Mediator hat keine Entscheidungs­gewalt, sondern die Konfliktparteien erarbeiten die Lösung selbst. Die Inhalte des Prozesses werden vertraulich behandelt. Am Ende steht ein verbindlicher schriftlicher Vertrag.

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„Es geht dann zuerst darum, ihnen bewusst zu machen, wie der Streit angefangen hat – was war der Auslöser?“ Bevor es zum Verhandeln von Lösungsoptionen kommen kann und die Bereitschaft zu Zugeständnissen wächst, ist im Mediationsprozess schon einiges geschehen. Die Ursachen des Konflikts werden erarbeitet, die vielfältigen Aspekte des Problems durchleuchtet.

Eigenverantwortliche Entscheidungen 

Wenn die Kontrahenten diesen Weg mitgegangen seien, haben sie ein großes Interesse, den Mediationsprozess zum Erfolg zu bringen, sagt die Kölner Mediatorin. „Keiner gibt so leicht etwas auf, in das er viel Arbeit gesteckt hat. Sie wollen dann beide ein Ergebnis erzielen“, lautet ihre Erfahrung.

Definitiv gilt in der Mediation nicht „einer entscheidet“. Niemand fällt am Ende ein Urteil. Die Konfliktparteien handeln eigenverantwortlich und können am Ende der Mediation den Blick auf die weitere gemeinsame Zukunft mit ihrem Gegenüber richten.

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