Vorschüler und das Lesenlernen
Ausprobieren und immer wieder vorlesen

Lust auf Lesen: Kinder, die im Sommer eingeschult werden, entdecken sie in den letzten Kindergartenmonaten. Eltern können die Jungen und Mädchen dabei unterstützen, indem sie Leselernmodelle ausprobieren und vor allem durch eine ganz besondere Gewohnheit.

Samstag, 23.03.2019, 10:02 Uhr aktualisiert: 23.03.2019, 10:10 Uhr
Vorschüler und das Lesenlernen: Ausprobieren und immer wieder vorlesen
Mit dem Ende der Kindergartenzeit wächst bei Vorschülern die Neugier auf das Lesenlernen. Foto: Colourbox

Abends unter der Bettdecke heimlich beim Licht der Taschenlampe eine spannende Geschichte lesen: Wenn sie davon träumte, lesen zu können, hatte Gaby Papendicks Tochter immer dieses Bild von sich vor Augen. Wie weit der Weg zum stillen Lesen tatsächlich war, davon hatte die Erstklässlerin vor einem Jahr sicher noch keine Vorstellung.

Ihre Mutter dagegen schon und so tauchte sie einige Monate vor der Einschulung ein in die Buchwelten, die Buchhandlungen und Büchereien für Vorschüler und Leseanfänger zu bieten haben. „Das Angebot hat mich erschlagen”, bilanziert Gaby Papendick rückblickend.

Die Vielfalt ist riesengroß: Der Markt bietet viele Lernmodelle. Die einen orientieren sich an den Klassen, andere folgen einer verlagseigenen Struktur, um den Lesestand der Kinder einordnen zu können. Silbenlesen in mehreren Farben, der Wechsel von großer und kleiner Schrift und Bilder, die in den Text integriert werden – die Herangehensweisen der Verlage und Autoren sind vielfältig. Um einen Zugang zu bekommen, tat Gaby Papendick, was Franziska Hedrich von der Stiftung Lesen Eltern generell rät: Sie besuchte mit der Familie Büchereien und probierte aus.

Unsere Kinder- und Jugendbuchtipps im März

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  • Die 15-jährige Chloe, schön, ehrgeizig und äußerst unbeliebt, kommt vom Joggen nicht zurück, ihre Leiche wird in einem Teich gefunden. Ihr Exfreund, der hochintelligente Garvie, mischt sich in die Ermittlungen ein, denn der junge Kommissar Singh stellt sich bei der Tätersuche gar zu dusselig an. Schnell kommt Garvie mehreren Verdächtigen auf die Spur. Doch wer war es wirklich und was steckt eigentlich hinter der Tat?

    Fesselnder Jugendkrimi, der sich bis zum überraschenden Ende kaum aus der Hand legen lässt. Wer wissen will, wie Garvie weiter ermittelt: Band zwei „Kid got shot“ ist ebenfalls bereits erschienen.

    Simon Mason: Running Girl, Rowohlt rotfuchs, 408 S., 14,99 Euro, ab 14

     

    Foto: WN
  • Come-up bedeutet Aufstieg. Und genau den plant die 16-jährige Bri. Sie will Rapperin werden, genau wie ihr Vater, der vor vielen Jahren ermordet wurde. Als ihre Mutter ihren Job verliert, will Bri mit ihrer Musik Geld verdienen. Doch ihre Texte werden missverstanden, sie scheinen zu Gewalt aufzurufen. Die bricht auf, als brutales Wachpersonal an Bris Schule dunkelhäutige Schüler misshandelt. Die Situation eskaliert immer mehr, das war nicht Bris Absicht. Wird sie es schaffen, ihren eigenen Weg zu finden und sich nicht verbiegen und vereinnahmen zu lassen?

    Ein würdiger Nachfolger von „The Hate U Give“, großartig!

    Angie Thomas: On The Come Up, cbj, 512 S., 18 Euro, ab 14

     

    Foto: WN
  • Mari ist Influencerin, ihr Dasein ist geprägt von Klicks und Kommentaren ihrer fast 600 000 Follower. Aber sie empfindet ihr Leben immer mehr als leer und bedeutungslos, fühlt sich einsam und allein. Als ihre Cousine Bri stirbt und ihr als Vermächtnis einen gepackten Wanderrucksack für eine eigentlich gemeinsam geplante Reise hinterlässt, beschließt Mari, die Tour durch den Yosemite-Nationalpark anzutreten, ganz allein und ohne Vorbereitung. Und der Park verändert alles, auch Maris Leben: Hier warten Gefahren, aber auch die Liebe. Der Weg ist das Ziel.

    Wunderbarer Liebes- und Selbstfindungstrip.

     

    Jessi Kirby: Offline ist es nass, wenn‘s regnet, Loewe, 336 S., 14,95 Euro, ab 14

     

    Foto: WN
  • Ben ist schon lange verliebt in die unerreichbar scheinende Nesrin. Als er erfährt, dass sie vor einer Zwangsheirat flüchten will, hilft er ihr. Nesrin will nach Amsterdam, alles was sie hinterlässt, ist ein Zettel mit einer Adresse. Doch dort kommt sie nie an. Ben begibt sich auf Spurensuche, die ihn durch drei Länder und mitten hinein in einen Sumpf aus skrupellosen Menschenversuchen in abgeriegelten Kliniken führt. Mit an seiner Seite: Erol, der Mann, den Nesrin eigentlich heiraten sollte. Hilfe finden die beiden bei der Hackerin Milena, deren Bruder bei den Medikamententests starb.

    Hochspannung ist garantiert!

     

    Lukas Erler: Side Effect, Arena, 272 S., 14 Euro, ab 14

     

    Foto: WN
  • Keine leichte Lektüre: „Bus 57“ erzählt die wahre Geschichte der/des sich als agender identifizierenden Sasha und des jungen Afroamerikaners Richard. Der zündet im Bus Sashas langen Rock an, Sasha erleidet schwere Verbrennungen. Handelt es sich um ein Hassverbrechen, das mit voller Härte verfolgt werden muss? Werden Schwarze vor Gericht anders behandelt als Weiße? Autorin Slater verfolgt den Prozess, spricht Beteiligte und recherchiert Hintergründe. Was hat zur Tat geführt, wäre sie zu verhindern gewesen?

    Ein wichtiges, gut erklärendes Buch, etwas anstrengend zu lesen, weil ungewohnt, ist die strikt gendergerechte Sprache.

     

    Dashka Slater: Bus 57, Loewe, 400 S., 18,95 Euro, ab 14

     

    Foto: WN
  • Marie verliebt sich Hals über Kopf in Ben, den neuen Mitschüler. Dass der manchmal seltsam steif ist, stört sie nicht. Doch als plötzlich gemeine Fake-Bilder im Klassenchat kursieren, gut gehütete Geheimnisse ans Licht gebracht werden und sogar ein Lehrer aufgrund falscher Tatsachen suspendiert wird, werden Marie und ihre Freunde misstrauisch. Was ist Bens „Auftrag“, von dem der Direktor gesprochen hat? Hat jemand ihre Handys gehackt, werden sie überwacht?

    Schöne neue digitale Welt: gruselige Vorstellung, packend erzählt.

     

    Matthias Morgenroth: I can see U, Coppenrath, 304 S., 16 Euro, ab 12

     

    Foto: WN
  • Lotte, 14, tollpatschig und mit einer Vorliebe fürs Grafikenzeichnen, zieht mit ihren Eltern nach Berlin. Hier findet sie es erst ziemlich schrecklich – bis sie Spätibesitzer Yunus kennenlernt und in seinem Kiosk einen Job bekommt. Denn dort trifft sie ihre erste große Liebe: den namenlosen Jungen, der immer montags zehn grüne saure Gurken kauft. Lottes Eltern sind alles andere als begeistert: Schließlich soll ihre in ihren Augen hochbegabte Tochter sich aufs Lernen konzentrieren.

    Wunderbar humorvolle Liebes- und Abnabelungsgeschichte.

     

    Lena Hach: Grüne Gurken, mixtvision, 224 S., 17 Euro, ab 12

     

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  • Der Inselwald ist in Gefahr! Dabei haben die frisch gegründeten Blaubeerdetektive, bestehend aus Erzähler Samu, den Zwillingen Alma und Selma, Superhirn Olli und Hund Riku, dort ihr Hauptquartier. Der Sägewerkbesitzer Mäkelä scheint jedenfalls etwas im Schilde zu führen, warum sonst versucht er, sich überall einzuschmeicheln? Die Kinder gehen auf Spurensuche und entdecken ein geheimnisvolles Päckchen. Ob sie Mäkelä mit seinen eigenen Waffen schlagen können?

    Pfiffige Detektivgeschichte in bester Fünf-Freunde-Tradition.

     

    Pertti Kivinen: Die Blaubeerdetektive Bd. 1, dtv, 160 S., 12,95 Euro, ab 8

     

    Foto: WN
  • Stinkehund macht seinem Namen alle Ehre: Er lebt in einer Mülltonne, sein Fell steckt voller Flöhe und ein Fan-Club von Fliegen verfolgt ihn überall hin. Leider ist Stinkehund auch nicht die hellste Kerze auf der Torte, dafür aber hat er ein liebevolles und zartes Wesen. Und er wünscht sich so sehr ein Herrchen! Doch leider macht er eine schlechte Erfahrung nach der anderen – aber das merkt er gar nicht ... Zum Glück ist Kater Platti immer an Stinkehunds Seite.

    Witziger Auftakt der Reihe um einen liebenswerten kleinen Stinker, natürlich mit Happy End.

    Colas Gutman: Der Stinkehund, Woow, 64 S., 10,30 Euro, ab 6

     

    Foto: WN
  • Faultier Jojo kennen junge Leser schon aus den beiden ersten Bänden, nun, in Band Nummer drei, feiert er mit seiner Dschungelbande „Eine wilde Party“. Doch zunächst muss Jojo aus dem Baumarrest ausreißen, den ihm seine Familie auferlegt hat. Hilfe dabei bekommt er von Tukan Tamtam und Jaguar Suria. Gemeinsam besuchen die drei die Geburtstagsparty der weisen Schildkröte, die alle Tiere des Dschungels eingeladen hat. Und eigentlich gilt dort: Fressverbot für Partygäste. Ob das klappt?

    Amüsant, mit verrückten Tier-Fakten am Ende.

    Usch Luhn: Jojo und die Dschungelbande Bd. 3, Ravensburger, 100 S., 8,99 Euro, ab 7

    Foto: WN
  • „Kinder entdecken berühmte Leute“ heißt die Reihe des Kindermann-Verlags. Mit diesem Buch tauchen sie in die geheimnisvolle Welt des Leonardo da Vinci ein. Sie verfolgen seinen Werdegang vom Dorfjungen zum berühmten Künstler, Erfinder und Ingenieur, dessen Ideen und Werke bis heute begeistern.

    Spannend!

    Christine Schulz-Reiss: Leonardo da Vinci, Kindermann, 36 S., 18 Euro, ab 8

    Foto: WN
  • Der Troll wohnt jetzt im Altersheim! Für die Böckchen-Bande ist der Alm-Besuch ohne Troll-Ärgern aber nur halb so schön. Also statten sie ihm einen Besuch ab und erfahren: Der Troll macht im Haus Waldfrieden ordentlich Terror. Ob die Böckchen-Bande den alten Leuten helfen kann?

    Witzig und turbulent, die Böckchen sind inzwischen Kult.

    Björn F. Rörvik: Die Böckchen-Bande im Altersheim, Klett, 48 S., 15 Euro, ab 4

    Foto: WN
  • Straßenbahnfahrer Amadeo hat mit seiner Electrico 28 schon vielen Liebespaaren auf die Sprünge geholfen. Manchmal reicht ein einfaches Bremsmanöver, damit sich Menschen in den Armen liegen. Doch was ist mit ihm selbst? Jetzt, im Ruhestand, ist er ganz allein. Zum Glück hat sein Nachfolger beim Straßenbahnfahren auch einiges auf dem Kasten ...

    Schöne Liebesgeschichte und Hommage an die berühmteste Straßenbahnlinie Lissabons.

    David Cali: Electrico 28, Knesebeck, 36 S., 14 Euro, ab 5

    Foto: WN
  • Für heute ist Schluss mit Tablet-Spielen, bestimmt Papa. Was sollen die armen Kleinen jetzt bloß tun? Es ist doch alles soooo langweilig! Ein Problem, das viele Eltern kennen: Wie kriegt man die Kinder vom Daddeln weg?

    Urkomisch erzählt, besonders die Bilder sind zum Kaputtlachen!

    Claude K. Dubois: Pfff..., Moritz, 32 S., 10,95 Euro, ab 3

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  • Gibt es Feen wirklich? Elsie und Frances jedenfalls sind davon überzeugt. Damit auch alle anderen daran glauben, machen die Mädchen Fotos. Was ist Wahrheit, was Fantasie?

    Bezauberndes Bilderbuch nach einer wahren Begebenheit zu Zeiten des Ersten Weltkriegs in England.

    Ana Sender: Die Feen von Cottingley, NordSüd, 44 S., 15 Euro, ab 4

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  • Oje, der kleine Siebenschläfer hat heute einen grummeligen Tag. Maus, Eichhörnchen, Maulwurf, Schnecke, Fuchs und Igel geben sich die größte Mühe, ihn aufzuheitern. Und bei so guten Freunden ist es auch wirklich schwer, grummelig zu bleiben.

    Toll für alle kleinen Grantler, mit lustigen Tipps für gute Laune.

    Sabine Bohlmann: Die Geschichte vom kleinen Siebenschläfer, der den ganzen Tag lang grummelig war, Thienemann, 32 S., 13 Euro, ab 4

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  • Im Stall von Bauer Beck geht es nachts rund, die Mäuse machen Party. Dabei brauchen die anderen Tiere doch ihren Schlaf. Ob ein Bulldozer Bauer Beck bei seinem Mäuseproblem helfen wird? Nein, es geht einfacher.

    Sehr witzig und toll illustriert.

    Christian Tielmann: Bauer Beck im Versteck, Sauerländer, 32 S., 14,99 Euro, ab 4

    Foto: WN

Geschichten über Meerjungfrauen und Feen, Dinos und Ninjago: Über das Thema, das sie interessiert, lasse sich die Lust am Blättern, Schauen und Lesen am ehesten befriedigen oder auch erst einmal wecken. Die Motivation der Kinder sei zentral in dieser Phase vor dem Schulbeginn, sagt Franziska Hedrich. „Kinder signalisieren oft, ob sie soweit sind.” Im Vorschulalter sei es genauso wie auch in der ersten Zeit in der Schule: Jedes Kind habe sein eigenes Tempo. Darauf sinnvoll einzuwirken, sei Aufgabe der Lehrer. „Schule ist der Ort der Kompetenz”. Eltern seien gut beraten, ohne eine Systematik im Hinterkopf Lust auf das Lesen und Schreiben zu wecken.

Empfehlungen der Stiftung Lesen

Erwin Grosche: Das Känguru trägt keine Schuh (Arena, 7,99 € )

Mit Aal, Bär und Chamäleon lässt Autor, Kabarettist und Wortakrobat Erwin Grosche das Buchstabieren zum verbalen Abenteuer werden. Reime, die im Kopf bleiben.

Susanna Moll: 3-Minuten-Leserätsel (Fischer Duden, 5 € )

Kleine Geschichten kombiniert mit altersgerechten Rätseln vermitteln spielerisch Textverständnis und Lesekompetenz.

Tinkerbrain: Abenteuer (Beltz&Gelberg, 7,95 € )

Lesen lernen mit dem Kopf und den Händen: Jedem Buchstaben des Alphabets sind spannende und animierende Aktivitäten und ein leicht zu lesender Text zugeordnet.

Reihe „Bildermaus“ (Loewe)

Kurze Geschichten in einfachen Sätze und großer Schrift, in denen Hauptwörter durch Bilder ersetzt werden.

...

„Man will ja auch nichts falsch machen“, erinnert sich Gaby Papendick und lächelt heute über sich. „Ich hätte mir die vielen Gedanken sparen können. Die Auseinandersetzung mit Büchern an sich ist das Entscheidende.“ Lina hat selbst entschieden, welches Leselernmodell ihr Favorit ist. Sie mag das Modell der Texte, die nach Silben gegliedert sind. „Da sind wir jetzt hängengeblieben“, sagt ihre Mutter „Für dieses System muss man noch nicht jeden Buchstaben kennen. Das läuft bei uns gut.“

Vorlesen macht das Lesenlernen leichter

Vorgelesen zu bekommen sei für ihre Tochter und die vierjährige Schwester aber noch immer sehr wichtig. Mit Linas wachsendem Wissen seien die Mädchen jedoch inzwischen nicht mehr ausnahmslos auf einer Wellenlänge unterwegs. Die thematischen Vorlieben der Erstklässlerin hätten sich im Verlauf der ersten Monate in der Schule entwickelt und verändert.

Das Vorlesen ist auch für Franziska Hedrich von der Stiftung Lesen ein zentrales Mittel, um Kinder auf die Schule vorzubereiten. Studien belegten: Das Lesenlernen falle leichter, je mehr den Kindern vorgelesen wurde. Sie haben einen umfassenden Wortschatz und sind mit der Konzentration, die das Vorlesen und Lesen brauchen, vertraut. 

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