Rollator-Training
Der Assistent für alle Fälle

Für Senioren ist er ein Mobilitätsgarant: der Rollator. Es gibt ihn in vielen verschiedenen Formen: stabil, leicht, ultra-leicht. Doch selbst das teuerste Top-Modell entfaltet erst dann seinen Nutzen, wenn man gelernt, es perfekt zu handhaben – und zwar in allen Lebenslagen

Freitag, 07.12.2018, 11:58 Uhr aktualisiert: 08.12.2018, 13:38 Uhr
Rollatoren sind für viele ältere Menschen ein wichtiges Mittel zur Mobilität
Foto: dpa

Silke Reicks kennt ein ganz besonderes Gender-Problem: Männer weigern sich standhaft, einen Rollator zu benutzen. „Während ältere Frauen schnell den Nutzen einer solchen Gehhilfe erkennen, sind Männer äußerst eitel“, weiß die Rollator-Trainerin und Mitarbeiterin des Sanitätshauses M+L in Ochtrup. „Noch brauch ich den nicht – später“, wiegeln die Herren laut Reicks meist ab. Doch die Expertin hat auch schon verzweifelte Damen erlebt: „Kürzlich hat eine Oma, 92 Jahre alt, große Tränen geweint, weil sie einen Rollator braucht.“

Die Zurückhaltung in Sachen Rollator hat viele Gründe. Einer ist der auf den ersten Blick komplizierte Umgang mit der rollenden Gehhilfe. Silke Reicks bietet Abhilfe: In Senioreneinrichtungen, aber auch im privaten Umfeld der eigenen Wohnung erläutert die Expertin den meist älteren Menschen wichtige Tricks beim Handling des Rollators.

Die Einstellung ist entscheidend

„Zunächst einmal ist die individuelle Einstellung des Rollators entscheidend“, weiß Reicks. Die Griffhöhe muss genau passen. Wenn der Senior gerade zwischen den Hinterrädern steht und die Arme herunterhängen lässt, sollten die Hände auf Höhe der Griffe sein. „Rücken, Becken und Knie müssen entlastet sein – nur kann macht das Gerät überhaupt Sinn.“

Auch die Bremsen ab und zu mal zu testen, empfehlen Fachleute. Erst jetzt ist der Nutzer des Rollators gewappnet, die zahlreichen Hürden zu nehmen, die überall auf ihn lauern. „Beim Gehen – möglichst nah an die Sitzfläche ran!“, rät die Ochtruper Fachfrau.

Rollator ist nicht gleich Rollator – es gibt große Unterschiede.

Silke Reicks

Eines ist Reicks besonders wichtig: „Rollator ist nicht gleich Rollator – es gibt große Unterschiede.“ Das Standardmodell zum Preis von 50 bis 80 Euro bezahlt die Krankenkasse. Nachteil: Es wiegt zehn bis zwölf Kilogramm und ist nur begrenzt verstellbar. „Wenn man sich nur ebenerdig etwa in einem Seniorenheim oder Krankenhaus bewegt, reicht der aus“, betont die Rollator-Trainerin.

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Silke Reicks zeigt ihren Kunden, wie ein Rollator zu handhaben ist. Foto: Wilfried Gerharz

Für den Alltag – inklusive Einkaufen, Bahn- oder Busfahren – empfiehlt eher eine Modell aus Aluminium (Preis: rund 250 Euro), das nun 7,5 Kilogramm auf die Waage bringt. Top-Modell ist ein Leichtgewicht von fünf Kilo zum Preis von etwa 450 Euro. Das Angebot ist generell vielfältig: Inzwischen gibt es schon Rollatoren aus Holz.

Tipps zum Rollator im Alltag

Die Hürden, die mit dem Rollator im Alltag zu nehmen sind, sind manchmal groß. Ein paar Tipps zu einzelnen Lebens­bereichen.

Hoher Bürgersteig und andere Hindernisse: Hier zahlt sich aus, wenn der Rollator leicht ist, weiß Reicks. Die Empfehlung: In leichte Schrittstellung gehen, das Sitzbrett der Gehhilfe mit einer Hand anfassen, die andere Hand am Griff lassen – und dann anheben. Die Hinterräder sollten am Boden bleiben. „Ein Kipphilfe an den Hinterrädern ist dabei sehr hilfreich“, weiß die Trainerin. In mancher Altstadt im Münsterland wartet beim Manövrieren eines Rollators eine weitere Schwierigkeit: „Auf Kopfsteinpflaster wird es unangenehm“, so Reicks. „Wenn das Gefährt zwölf Kilo wiegt, vibriert es schon sehr heftig.“

Bus und Bahn: Der erste Tipp von Silke Reicks ist der wichtigste: „Immer rückwärts in Busse und Bahnen einsteigen.“ Zunächst sollten die älteren Menschen einstiegen – und dann ihren Rollator nachziehen. „Beim Standardgerät kann das ein enormer Kraftakt sein – aber oft helfen ja Mitfahrende.“ Während der Fahrt sollte man sich schnell hinsetzen und den Rollator sicher verstauen. Busfahrer fahren schon mal rasant an oder sind zum abrupten Bremsen gezwungen. Beim Aussteigen ist es dann erneut sinnvoll, rückwärts den Bus oder die Bahn zu verlassen. Diejenigen, die es mit Rollator zu fernen Zielen zieht, sollten wissen: Im Flugzeug müssen Rollatoren als Sperrgepäck aufgeben werden.

Tücken in der Wohnung: In vielen alten Häusern sind die Maße der Türen für Rollatoren ungeeignet. Da hilft dann nur der Kauf eines sehr schmalen Modells. Spezielle Indoor-Rollatoren sind nur 20 bis 30 Zentimeter breit. Nachteil: Zwei-Zentner-Männer kann ein solches „Light“-Variante nicht tragen. Zwar gebe es auch XL-Rollatoren mit breiten Sitzflächen. „Deren Handling ist aber in vielen Wohnung äußerst schwierig“, so die Trainerin, die auch vor Ort im Wohnumfeld den Kunden in den Umgang mit dem Rollator einweist. „Grundsätzlich rollen die Geräte auf allen Bodenbelägen“, verspricht Reicks. Teppichkanten können jedoch tückisch sein.

Pause machen: Allen Menschen mit starker Gehbehinderung, Asthma oder schweren Herzerkrankungen bietet ein Rollator die Chance, häufig Pausen zu machen. Die Sitzfläche erlaubt es, überall zu parken. „Aber man sollte nicht im Sitzen durch die Wohnung trippeln“, warnt Reicks. „Dafür sind die Gehhilfen nicht gebaut.“ Wenn man sich auf einem Stuhl niederlassen will, ist es wichtig, mit dem Rollator rückwärts gewandt an die Sitzfläche fahren. Dann sollten unbedingt die Bremsen angezogen werden. Das gilt auch vor dem Aufstehen.

Beladen beim Einkaufen: Mit Korb oder Tasche ausgestattet ist es ein Leichtes, mit dem Rollator in den Supermarkt zu fahren. „Doch Vorsicht: Der Rollator ist kein Lastenrad“, warnt die Expertin. Aus Sicherheitsgründen sollte aber niemals die Handtasche mit Wertsachen oder das Portemonnaie im Korb liegen. „Die Diebstahlgefahr ist immens.“

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