Mit Zeitpuffer
So werden Kinder selbstständiger

«Ich kann das schon alleine»: Erreichen Kinder diesen Punkt, ist das Fluch und Segen zugleich. Denn meist geht am Anfang noch einiges daneben. Es lohnt sich aber, wenn Eltern geduldig durchhalten.

Freitag, 07.08.2020, 04:16 Uhr aktualisiert: 07.08.2020, 05:03 Uhr
Wenn Kinder selbstständig werden, bekommen Eltern eine Gratislektion in Sachen Geduld.
Wenn Kinder selbstständig werden, bekommen Eltern eine Gratislektion in Sachen Geduld. Foto: Andreas Gebert

Fürth (dpa/tmn) - Wer seiner Zweijährigen beim Milch eingießen zuschaut, weiß, was Nervenkitzel ist. Und wenn sich der Dreijährige ganz alleine in die Latzhose friemelt, bekommen Eltern eine Gratis-Lektion in Sachen Geduld und Stoizismus.

Auch, wenn es manchmal schwer fällt: Dinge selbst zu tun und selbstständig zu werden, ist für die Entwicklung von Kindern immens wichtig. «Das klingt erst einmal einfach - ist im Alltag aber gar nicht so leicht umzusetzen», weiß Dana Mundt . Sie ist Sozialpädagogin und arbeitet bei der Online-Beratung der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung ( bke ). Vor allem unter Zeitstress und Druck ist es schwer, einfach nur danebenzustehen, wenn sich das Kind selbst die Schuhe zubinden will. «Mit mehr Zeitpuffer oder am Wochenende sollte es aber klappen.»

Einfach machen lassen statt kontrollieren

Eltern dürfen ihr Kind immer wieder ermutigen - besonders, wenn Dinge wie Milch eingießen oder Popo abputzen nicht gleich klappen. Ansonsten gilt: machen lassen und einfach beobachten. Und sich immer wieder vor Augen führen: Je selbstständiger das Kind wird, umso leichter und entlastender wird es auch für die Eltern.

Ist das Kind ein begeisterter Eingießer, kann es das auch erstmal spielerisch üben: zum Beispiel im Sommer auf der Terrasse oder über dem Waschbecken mit verschiedenen Gefäßen. Dabei lernen Kinder nebenbei ein Gefühl für Mengen. Beim Milcheinschenken können Eltern am Anfang noch dabeibleiben und es zusammen machen. Im nächsten Schritt helfen sie dem Kind mit Tipps wie «Schön festhalten mit beiden Händen», es alleine zu schaffen. Und wenn es daneben geht, kann das Kind ja mithelfen, aufzuwischen.

Das Zähneputzen sollten Eltern nicht ganz abgeben

Eine Ausnahme in Sachen Eigenregie sollten Eltern aber beim Zähneputzen machen: Hier ist es wichtig, nachzuputzen, bis die Kinder schreiben können. Erst dann verfügen sie über die nötige Motorik. Nichtsdestotrotz können Eltern schrittweise üben und zeigen, wie Zähneputzen richtig geht.

Und egal, um welche Dinge es geht: Selbstständigkeit ist kein Wettbewerb. Eltern sollten daran denken, dass jedes Kind sein eigenes Tempo hat und bestimmte Dinge zu verschiedenen Zeitpunkten alleine kann.

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