Finanzen
Unterschiede im Konsumverhalten – wie wirkt sich das Geschlecht auf den Einkauf aus?

Der Begriff Konsum bedarf eigentlich keines Definitionsversuchs, ist er in der deutschen Sprache doch allgegenwärtig. Käufer werden als Konsumenten bezeichnet, Waren als Konsumgüter. Auch ist in den Medien immer wieder von der Konsumgesellschaft die Rede, worunter im Grunde nur zu verstehen ist, dass Bedürfnisse mittels Bezahlung von Waren gestillt werden. Allerdings ist das Wort Konsumgesellschaft in der heutigen Zeit eher negativ behaftet, steht es doch eng in Verbindung mit dem Begriff Wegwerfgesellschaft.

Montag, 13.04.2015, 09:41 Uhr aktualisiert: 13.04.2015, 10:59 Uhr

Im Grunde bedeutet der Begriff Konsum aber schlicht und einfach den Ge- und Verbrauch von Gütern und Dienstleistungen, im volkswirtschaftlichen Sinne kommt der Faktor des käuflichen Erwerbs hinzu. In Deutschland stieg der Konsum in den vergangenen Jahren stetig, wie eine Statistik von Statista.com belegt: Während es im Jahr 2004 noch 1.301,44 Milliarden Euro private Konsumausgaben gab, sind es 10 Jahre später bereits 1.640,71 Milliarden Euro.

1.       Konsum macht glücklich

Laut einer GfK-Umfrage ist die Kaufbereitschaft der Deutschen im Jahr 2015 so hoch wie seit 2001 nicht mehr – und das trotz finanzieller Krisen im Ausland. Die niedrigen Rohölpreise und die daraus resultierenden zu erwartenden Nebenkostenrückzahlungen könnten ein Grund dafür sein. Allerdings ist mitanzuführen, dass Konsum ganz allgemein glücklich macht, wie Sozialwissenschaftler erst kürzlich herausgefunden haben. Der Konsum von alltäglichen Gütern wie Brot und Getränken ist dabei nicht gemeint, vielmehr bezieht sich der glücklich machende Einkauf auf Waren, die sich als besondere Belohnung gegönnt werden. Besonders zufrieden machen laut der Studie Ausgaben in den Bereichen Bildung, Bekleidung, Freizeit und Gastronomie.

Unterschiede im Konsumverhalten  Bild 2 Konsumausgaben

Die Konsumausgaben in Deutschland haben sich zwischen 1991 und 2014 stetig nach oben entwickelt.
Quelle: http://de.statista.com/statistik/daten/studie/155148/umfrage/private-konsumausgaben-in-deutschland-zeitreihe/

  a.       Konsum als Spiegel der Persönlichkeit

Interessen machen die eigene Persönlichkeit aus. Nur wenige Interessen sind allerdings ohne Konsum möglich. Wer Musik mag, kauft sich CDs, wer Interesse an Filmen hat, kauft sich DVDs. Wer Fan eines Vereins ist, kauft sich Merchandising-Artikel, die in den eigenen vier Wänden als Deko dienen. Um die eigene Identität eines Menschen richtig zum Ausdruck zu bringen, sind auch materielle Dinge vonnöten. Für Außenstehende sind solche Dinge und vor allem Sammlungen ein Hinweis auf die Persönlichkeit des Gegenübers und der Besitzer selbst wird Gegenstände, die ihm etwas bedeuten, mit Stolz zeigen.

  b.      Konsumverhalten auf dem Prüfstand

Ein erhöhter Konsum ist für die Wirtschaft prinzipiell immer positiv. Doch Konsum ist nicht nur ein Thema, das wirtschaftliche Aspekte betrifft. Auch die Umwelt ist von dem Konsumverhalten abhängig, genauer gesagt die Bereiche Energie, Verkehr und Abfälle. Gerade die westliche Welt, die wie eingangs erwähnt auch als Wegwerfgesellschaft bezeichnet wird, legt ein Konsumverhalten an den Tag, das die Umwelt negativ beeinflussen kann. In den letzten Jahren haben allerdings immer mehr Länder das Konsumverhalten der westlichen Welt übernommen, sodass ein schweres Problem für die Umwelt entstehen kann. Dies wurde bereits im Jahre 1992 auf der Konferenz der Vereinten Nationen für Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro festgestellt, weshalb diese Thematik einen wichtigen Punkt in der dort beschlossenen Agenda 21 eingenommen hat. Hier wurde festgelegt, dass sich gezielt mit nicht nachhaltigen Produktionsweisen und Konsumgewohnheiten auseinander gesetzt werden muss und in diesen Punkten für die Zukunft Handlungsbedarf besteht.

2.       Unterschiede zwischen Männern und Frauen

Männer und Frauen unterscheiden sich in vielen Punkten. Während die eine Sache die Aufmerksamkeit von einem Großteil der Männer auf sich zieht, ist sie für die meisten Frauen vollkommen uninteressant. Genauso verhält es sich andersherum. Zwar treffen die Interessen von Männern und Frauen in diversen Punkten aufeinander, dennoch legen beide Geschlechter in unterschiedlichen Situationen unterschiedliche Verhaltensweisen an den Tag. Dies ist auch beim Einkaufen der Fall.

  a.       Männer

Für Männer ist das Einkaufen oftmals ein notwendiges Übel . Im Gegensatz zu Frauen neigen sie nur selten zu Spontaneinkäufen, sie betreten ein bestimmtes Geschäft mit einer Kaufabsicht, suchen gezielt nach diesem Artikel und stöbern nur selten in weiteren Angeboten.

Sind teurere Anschaffungen geplant, gehen Männer ebenfalls anders als Frauen vor: Sie informieren sich vorab in Katalogen oder im Internet und eignen sich auf diesem Weg bereits ein gewisses Grundwissen an. Beim Kauf des Produktes stellen sie dem Verkäufer so wenig Fragen wie möglich – ähnlich wie sie es in der Regel umgehen, Fremde nach dem Weg zu fragen.

Im Großen und Ganzen kann also gesagt werden, dass Männer geradlinige Entscheidungen treffen und sich nicht von einem großen Drumherum im Geschäft beeinflussen lassen. Auch ist für sie bei der Ware selbst in erster Linie die Funktion wichtig. Die Beschaffenheit oder Farbe spielt eine untergeordnete Rolle, solange sie nicht typisch weiblich erscheint.

    i.                    Typisch männliche Produktwelten

Unterschiede im Konsumverhalten  Bild 3 Männerklischees

Schnelle Autos - vor allem für Männer ein attraktives Produkt.

Zwar finden auch immer wieder Frauen Gefallen an sogenannten „typischen Männerprodukten“, jedoch richten sich die Hersteller solcher Produkte in erster Linie an die männliche Kundschaft, richten ihre Werbung und das äußere Erscheinungsbild der Ware entsprechend aus. Typische Männerprodukte sind zum Beispiel:

- Immobilien
- Werkzeug
- sportliche Autos
- Technik und Elektronikgeräte
- Anzüge, Krawatten, Fliegen
- Bier, hochprozentiger Alkohol
- Rasierwasser
- Abenteuerausflüge
- Sportartikel im Bereich Fußball, Basketball usw.

    ii.                  Klischees

Klischees entstehen nicht aus heiterem Himmel, ein Körnchen Wahrheit ist oder war an den meisten wohl dran. Typische Männerklischees, die den Einkauf und Konsum betreffen, sind folgende:

Männer trinken gerne ein Feierabendbier.

Laut einer Umfrage der Apotheken Umschau aus dem Jahr 2014 ist dies tatsächlich der Fall: 49,6% der Männer sind es sogar, die gerne ein Feierabendbier trinken. Bei den Frauen sind es hingegen nur 22,6%. Firmen sehen also zurecht ihre Zielgruppe vor allem in der männlichen Bevölkerung.

Männer mögen schnelle Autos.

Autohersteller wissen, dass Männer sportliche Autos bevorzugen, die schnittig aussehen. Lamborghini , Ferrari oder Chevrolet sind Wagen, die sicherlich auch die Aufmerksamkeit der Damenwelt auf sich ziehen, aber in den meisten Fällen doch von Männern erworben und gefahren werden. Schnelligkeit ist für Männer sozusagen ein Synonym für Freiheit, allein die Möglichkeit auf der Autobahn ordentlich Gas geben zu können, muss für viele Männer bei der Auswahl ihres Autos gegeben sein.

Fußball ist ein Männersport.

Dass dies nicht stimmt, hat bereits die Begeisterung für das deutsche Frauennationalteam gezeigt. Doch der Großteil der Fans im Stadion bei Bundesligaspielen sind Männer. Dementsprechend sind die Merchandise-Artikel ausgerichtet, die T-Shirt-Wahl ist für Männer meist deutlich größer als für Frauen.

Männer „hassen“ einkaufen.

Wie oben bereits erwähnt, muss nicht unbedingt von Hass gesprochen werden, jedoch sind tatsächlich wenige Männer wirklich für einen Shopping-Trip zu begeistern. Dementsprechend muss Werbung für Männerprodukte besonders gut platziert sein, um die Aufmerksamkeit der Männerwelt auf sich zu ziehen, da Spontankäufe und Entdecken beim Einkaufen nur selten stattfinden.

Männer verbringen viel Zeit vor dem Computer und dem Fernseher.

Dieses Klischee trifft nur bedingt zu, dennoch ist kaum ein (Männer-)Haushalt vorzustellen, in dem sich kein Fernseher und kein Computer befinden. Da Männer allgemein Interesse an technischen Produkten hegen, wählen sie auch diese Geräte sorgfältig aus, informieren sich im Vorfeld und gehen gezielt zum Erwerb in ein Geschäft.

    iii.                Stereotype maskuline Eigenschaften

Es ist zwar nicht möglich, alle Männer über einen Kamm zu kehren, dennoch haben sich in der heutigen Gesellschaft einige Eigenschaften festgesetzt, die als stereotype maskuline Eigenschaften gelten:

- stark und kräftig
- angriffslustig
- mutig und abenteuerlustig
- dominant und selbstbewusst
- rational, realistisch und fortschrittlich
- rau, hartherzig und besonnen

  b.       Frauen

Frauen geben das Einkaufen des Öfteren als Hobby an und können stundenlang durch Einkaufszentren schlendern. Sie schauen in Geschäfte hinein, betrachten die Auslagen, probieren Schuhe und Kleidungsstücke an, die ursprünglich gar nicht geplant waren. Sie neigen zu impulsiven Einkäufen: Wenn ihnen etwas während ihres Einkaufsbummels gefällt, kaufen sie es auch. Frauen verhalten sich in Geschäften nicht linear wie Männer, sondern vollführen bei ihrem Einkauf Spiralen, indem sie schauen, vergleichen, überdenken und ein paar Schritte weiter ein weiteres Teil finden, das ihnen gefallen könnte.

Frauen lassen sich beim Einkauf zudem von vielen Faktoren beeinflussen, sie kaufen sozusagen mit allen Sinnen ein. Sie achten auf die Dekoration eines Geschäftes und betreten dieses eher selten, wenn es auf den ersten Blick nicht ihrem Geschmack entspricht. Sie setzen ihren Tastsinn ein, indem Stoffe befühlt und dadurch Rückschlüsse auf die Qualität gezogen werden. Des Weiteren sind Düfte ein wichtiger Faktor – wohl ein Grund, warum es Hygieneprodukte für Frauen oftmals in vielen verschiedenen Duftrichtungen gibt. Das äußere Erscheinungsbild einer Ware spielt eine weitere Rolle: Farben und Formen sind bei der Kaufentscheidung wesentliche Kriterien.

Machen Frauen teure Anschaffungen, legen sie vor allem Wert auf persönliche Erfahrungen. Sie befragen Freunde und Verwandte, nutzen Foren und weitere soziale Netzwerke, um sich Meinungen einzuholen. Im Geschäft lassen sie sich zudem ausführlich beraten und stellen dem Verkaufspersonal Fragen. Die Entscheidung einer Frau dauert letztendlich meist deutlich länger als die von Männern. 

    i.                     Typisch weibliche Produktwelten

Wie bei den Männern gibt es Produkte, die hauptsächlich das Interesse von Frauen auf sich ziehen bzw. die als typische Frauenartikel angesehen werden, wenngleich sie ab und zu auch für Männer nützlich oder notwendig sind.

- Dekoration und Einrichtungsgegenstände
- kleine, kompakte Autos
- kalorienarme Getränke und Nahrungsmittel
- Kosmetik und Haarpflegeprodukte
- Mode
- Accessoires
- Bücher
- Artikel für Kinder und Familie

    ii.                   Klischees

Unterschiede im Konsumverhalten Bild 4 Frauenklischees

Geht es um das Shopping-Vergnügen, so steht bei vielen Frauen der Kleiderkauf an erster Stelle.

Betreffend Frauen und ihrem Einkaufs- bzw. Konsumverhalten gibt es viele Klischees, eine Auswahl davon sind jene:

Frauen haben den Schrank voller Kleidung, aber nie etwas anzuziehen.

Anzuziehen haben Frauen aufgrund der Masse an Kleidungsstücke, die sich oftmals in ihrem Kleiderschrank befinden bestimmt, jedoch tragen Frauen gerne neue Kleider, die andere noch nicht an ihnen gesehen haben. Demzufolge könnten viele Frauen dazu neigen zu behaupten, sie hätten nichts anzuziehen, weil sie nicht das anziehen möchten, was ihr Partner oder ihre Freunde schon mehrmals an ihnen gesehen haben. Für die Modebranche ist dies von Vorteil, da Frauen gerne shoppen gehen, um sich für ein bevorstehendes Ereignis neu einzukleiden.

Frauen kaufen gerne Schuhe.

Gemäß einer Umfrage, die derwesten.de veröffentlicht hat, kaufen sich etwa 45% der Frauen zwei- bis dreimal im Jahr neue Schuhe. 15% greifen sogar noch häufiger zu. Viele Frauen haben weit mehr als 10 Paar Schuhe zu Hause, wovon aber nicht alle regelmäßig getragen werden. Es scheint dennoch, als würden Schuhe tatsächlich eine magische Wirkung auf die Frauenwelt ausüben. Mitunter geht die Liebe zum Schuh sogar so weit, dass knapp 70 Prozent aller Frauen auch notgedrungen falsche Größen kaufen würden, wie unter anderem Shops wie happy-size.de , aber auch Auswertungen des Deutschen Schuhinstituts belegen. Mit der Initiative Passender Schuh , der immerhin größten Fußmess-Aktion der Bundesrepublik, soll diese Problematik in Zukunft aber näher an die Konsumenten herantragen werden, um diese für ihre Fußgesundheit zu sensibilisieren.

Frauen brauchen zu jedem Anlass eine extra Tasche.

Ähnlich wie bei den Schuhen verhält es sich auch mit den Handtaschen. Groß, klein, bunt, schwarz, weiß – für jedes Outfit und für jede Gelegenheit muss Frau scheinbar eine passende Tasche haben, um ihre Habseligkeiten darin verstauen zu können.

Frauen kaufen ein, auch wenn sie nichts brauchen.

Wenn Frauen auf Shopping-Tour sind, handeln sie oft impulsiv. Sie sehen etwas, das ihnen gefällt und schlagen zu, wenn der Preis angemessen erscheint. Dementsprechend kommen Frauen oftmals mit mehr Tüten wieder nach Hause als sie eigentlich geplant hatten.

Frauen sind Schnäppchenjäger.

Das trifft wie die anderen Klischees sicherlich auch nicht auf jede Frau zu, doch scheinen Sonderangebote Frauen häufig anzuziehen. Auch Neuerscheinungen haben eine magnetische Wirkung, das beginnt schon bei kleineren Artikeln wie neuen Duftsorten der bevorzugten Waschmittelmarke.

    iii.                 Stereotype feminine Eigenschaften

Als typische feminine Eigenschaften gelten:

- ausgeprägter Familiensinn
- sanft und einfühlsam
- emotional, gefühlvoll und liebevoll
- vorsichtig und furchtsam
- neugierig
- geschwätzig
- impulsiv
- sozial kompetent
- irrational

  c.        Geschlechterrollen und Rollenwandel

Im Großen und Ganzen werden sowohl Männer als auch Frauen immer noch in bestimmte Rollen gesteckt. Das beginnt damit, dass der Mann als Hauptverdiener gesehen wird, während die Frau für den Haushalt und die Kinder zuständig ist. Im Laufe der Jahre hat die Emanzipation aber immer mehr an Bedeutung gewonnen, viele Frauen wollen selber auch als Mütter arbeiten gehen und interessieren sich für typische Männerthemen. Frauen gehen ins Stadion, Frauen trinken Bier statt Prosecco, Frauen sind durchaus in der Lage, ein Loch in die Wand zu bohren und vieles mehr.

Aber nicht nur die Frauen haben einen Wandel durchgemacht, wurden selbstbewusster und finden sich in Bereichen wieder, die früher fast nur Männern vorbehalten waren – auch Männer vollziehen einen Rollenwandel. Immer mehr Männer nehmen zum Beispiel die Möglichkeit der Elternzeit in Anspruch, um für die Familie da zu sein. Auch interessieren sie sich zunehmend für Themen wie Mode und Kosmetik. Darauf basierend bringt auch der Konsum einen ganz natürlichen Wandel mit sich, bei dem sich die Geschlechter immer häufiger für ähnliche oder auch geschlechtsuntypische Produkte interessieren.

3.        Gendermarketing

Bereits seit den 1990er Jahren wird das Gendermarketing in den USA erfolgreich praktiziert. Der deutsche Markt hat sich zwar etwas länger Zeit gelassen, sich mittlerweile aber auch immer mehr auf die verschiedenen Geschlechter aufgeteilt, um der entsprechenden Zielgruppe zugeschnittene Waren anzubieten.

Das Gendermarketing untersucht anhand von vier verschiedenen Aspekten den Einfluss geschlechtsspezifischer Unterschiede. Diese vier Aspekte sind:

Product

Bevor ein Produkt entwickelt wird, muss die Zielgruppe feststehen, um das Produkt für diese so attraktiv wie möglich zu gestalten.

People

Mit dem Produkt soll eine Beziehung zum Konsumenten – aber auch zum Händler – aufgebaut werden, um diesen langfristig an das Produkt und das Unternehmen zu binden.

Place

Vor allem für Frauen ist der Ort, an dem ein Produkt angeboten wird, wichtig. Männern ist es meist egal, wie das Geschäft aussieht, in dem sie ihren gesuchten Artikel finden, Frauen hingegen lassen sich oftmals von der Umgebung leiten. Demnach muss ein Unternehmen seine Produkte gezielt platzieren.

Promotion

Ein Unternehmen möchte auf sein Produkt aufmerksam machen. Dies geschieht in der Regel durch Werbung. Hier gilt es zu überlegen, wo die Werbung die Zielgruppe am besten ansprechen kann, in welchen Zeitungen oder Magazinen oder falls es sich um Fernsehwerbung handelt, zu welcher Sendezeit bzw. zu welcher Fernsehsendung.

  a.        Geschlechterspezifische Gestaltung

Je nachdem, ob hauptsächlich Frauen oder Männer angesprochen werden sollen, muss das Marketing gestaltet werden. Das bezieht sich nicht nur auf die Platzierung der Werbung, sondern auch auf die Aufmachung dieser und auf die Verpackung des Produktes.

    i.                    Was Frauen anspricht

In Sachen Werbung sprechen Frauen vor allem realitätsnahe Werbemittel an. Sicherlich sehen Frauen in einem Werbespot auch gerne mal einen gutaussehenden, jungen Mann, jedoch bevorzugen sie bei Produkten, die beispielsweise die Schönheit betreffen nicht Models, die perfekt aussehen, sondern Frauen aus dem Alltag mit Fehlern, Makeln und Rundungen. Schlussendlich möchten sich Frauen mit den Damen in der Werbung identifizieren können.

Um Vertrauen in ein Unternehmen und dessen Marke zu entwickeln, wird des Öfteren auf „Celebrity Marketing“ gesetzt. Dabei wird ein Prominenter zum Gesicht des Produktes und suggeriert damit, dass auch er bzw. sie die Marke nutzt. Wichtig ist hierbei, dass der Prominente die Zielgruppe oder dem Einkäufer anspricht.

Die Verpackung eines Produktes ist für viele Frauen allerdings auch wichtig – gerade bei Produkten, die direkt auf die Damenwelt abzielen, wird mit weiblicher Schrift und dezenten, hellen Farben gearbeitet.

    ii.                   Was Männer anspricht

Da Männer eher von Fakten als von schönen Bildern überzeugt werden, ist es schwieriger sie als Käufer über eine Werbeanzeige oder einen Fernsehspot ohne Angabe entsprechender Fakten zu überzeugen.

Trotzdem fällt auf, dass Produkte für Männer oftmals entweder mit hübschen Frauen oder ebenfalls mit Prominenten beworben werden. Bei dem „Celebrity Marketing“ handelt es sich meistens um Sportler oder ehemalige Sportler, die viele Männer als Idole ansehen.

Die Verpackung von Männerprodukten wird entsprechend männlich gehalten: schlicht und in dunklen Farben wie Blau oder Schwarz.

  b.      Im E-Commerce

E-Commerce wird heutzutage immer wichtiger. Viele nutzen des Öfteren die bequeme Methode des Online-Shoppings. Dazu muss aber der Shop ansprechend aufgebaut sein. Einige gute Beispiel hält zu diesem Thema das Magazin t3n in folgendem Beitrag bereit.

     i.                    Plattform für Frauen

Unterschiede im Konsumverhalten  Bild 5 Konsum Frauen

Besonders im Bereich Kleidung ist es schwierig, eine Frau online zu überzeugen. Wie bereits erwähnt, fühlen Frauen gerne und testen so den Stoff. Dies ist beim Online-Shopping nicht möglich.

Dementsprechend mussten sich Unternehmer andere Methoden ausdenken, um Frauen einen Kaufanreiz zu bieten. Detailansichten oder die Möglichkeit, das gewünschte Produkt aus einer anderen Perspektive anschauen zu können, sind eine ansprechende Art. Auch virtuelle Ankleideproben mithilfe von Fotos der potentiellen Käuferin sind auf dem Vormarsch.

Bei Plattformen für Frauen ist es also wichtig, dass sie das Gefühl vermittelt bekommen, trotz des fehlenden Tastens die gewünschte Ware dennoch genau begutachten zu können. Des Weiteren gilt auch beim Online-Shop eine interessante und ansprechende Atmosphäre in Form der Seitengestaltung und Service zu gewährleisten. Beratungsangebote per Mail oder Chat und Kundenrezensionen sind zum Beispiel denkbare Möglichkeiten, die weibliche Kundschaft an die Seite zu binden.

    ii.                   Plattform für Männer

Unterschiede im Konsumverhalten  Bild 6 Konsum Männer

Bei den Männern gestaltet sich auch der Online-Shop etwas einfacher. Männer legen Wert auf eine nüchterne Darstellung der angebotenen Ware und auf direkte Produktbeschreibungen, in denen sie „unverschnörkelt“ alle wichtigen Details erfassen können. Im Gegensatz zu Frauen ist für Männer nicht die Kundenmeinung, sondern viel eher eine Expertenmeinung wichtig.

  c.       Neue Märkte erschließen

Wenn sich Marketing nur an eine Zielgruppe – also Männer oder Frauen – richtet, können potentielle Kunden des anderen Geschlechts verlorengehen. Aufgrund des oben genannten Rollenwandels können auch typische Männerprodukte für Frauen interessant werden und andersherum. Einige Firmen haben diese Möglichkeit der neuen Markterschließung bereits für sich entdeckt, sodass Angebote bezüglich auf für Frauen ausgerichtete Werkzeuge und Haarfärbemittel speziell für Männer zu finden sind.

4.       Geschlechtsspezifisches Konsumverhalten im Wandel

Das Konsumverhalten ist nicht in jedem Land das gleiche. Das liegt einerseits an der vorhandenen bzw. nicht vorhandenen Kaufkraft, andererseits aber auch an den Angeboten auf dem Markt der einzelnen Länder. Wie bereits erwähnt, orientieren sich allerdings immer mehr Länder an dem westlichen Konsumverhalten. Ein Blick in unterschiedliche Länder der Welt zeigt, wie sehr sich das Konsumverhalten der Geschlechter in den vergangenen Jahren geändert hat.

  a.       Frauen in China

Vor allem in China steigt das Einkommen der Frauen rasant und somit auch ihre Kaufkraft. Das wiederum führt zu einem veränderten Konsumverhalten: Waren chinesische Frauen ehemals hauptsächlich für den Kauf von Nahrungsmitteln zuständig, so hat sich die Palette bis hin zu Versicherungen und Finanzdienstleistungen ausgebreitet.

  b.      Männer in Russland

Russische Männer gehen zwar nicht in der Form einkaufen wie westliche Frauen und lassen sich von Eindrücken leiten, jedoch kaufen sie zu einem großen Teil selbst ein, auch Lebensmittel und Haushaltsprodukte. Dabei sind sie deutlich markenbewusster als Frauen, sind also bereit mehr Geld für höhere Qualität auszugeben und aufgeschlossen gegenüber neuen Produkten.

  c.        Hispanische Verbraucher in den USA

Die hispanische Bevölkerung nimmt in den USA immer mehr zu. Da in hispanischen Haushalten in der Regel die Frau für den Einkauf zuständig ist, sind es die Latinas, die den Markt in den USA immer mehr beeinflussen. Mit einem jährlichen Konsumvolumen von 1,2 Billionen US-Dollar ist die Beeinflussung somit maßgebend für die Zukunft.

5.       Fazit

Abschließend ist zu sagen, dass das Gendermarketing durchaus Sinn macht, jedoch nicht zu eng gestrickt werden sollte, um neue, potentielle Kunden des anderen Geschlechts nicht völlig außen vor zu lassen. Coca Cola geht dabei mit gutem Beispiel voran: Cola light und Cola Zero sind beides kalorienreduzierte Getränke, während aber die Cola light seit ihrem Bestehen immer als weibliches Produkt gesehen worden ist – aufgrund der Kalorienreduzierung und ihrer Aufmachung – ist die relativ neu eingeführte Sorte Cola Zero mit ihrer Aufmachung und der dazu passenden Werbung auf Männer ausgerichtet.

Frauen und Männer unterscheiden sich beim Einkaufen sehr, daher ist es nur logisch, dass beide Geschlechter nicht immer von derselben Werbung angesprochen werden können. Dennoch ist die Erschließung neuer Märkte ein guter und wichtiger Schritt in Richtung Zukunft, um auch wirtschaftlich mit dem Rollenwandel mithalten zu können.

Abbildung 1: Colorful shopping © Kamaga - Fotolia.com

Abbildung 2: Balkendiagramm (erstellt mit Word)

Abbildung 3: Sport Coupé © Gunnar Assmy - Fotolia.com

Abbildung 4: Three women taking a selfie while shopping © william87 - Fotolia.com

Abbildung 5: Infografik © Piktochart

Abbildung 6: Infografik © Piktochart

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