Finanzen
Mindestlohn 2018: Was ändert sich?

Seit 2015 gibt es den gesetzlichen Mindestlohn, der für rund 3,6 Millionen Arbeitnehmer eine finanzielle Grundsicherung gewährleisten soll. Dennoch ist Deutschland von einem bundesweit einheitlichen Mindestlohn weit entfernt, denn branchentarifliche Mindestlöhne waren von der Regelung bisher ausgeschlossen. Dieser Umstand soll sich 2018 ändern. Welche Änderungen sonst noch umgesetzt werden, erfahren Sie in diesem Artikel.

Montag, 11.12.2017, 10:19 Uhr
Veröffentlicht: Montag, 11.12.2017, 04:16 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Montag, 11.12.2017, 10:19 Uhr
Finanzen: Mindestlohn 2018: Was ändert sich?
Foto: Colourbox.com

Rückblick: Mindestlohn 2015 und 2017

Mit der Einführung des Mindestlohns von 8,50 Euro pro Stunde wollte die Bundesregierung 2015 das Existenzminimum von geringfügig Beschäftigten und Angestellten aus dem Niedriglohnsektor sichern. Vor dieser Änderung bestand das Problem, dass Arbeitnehmer vieler Branchen (u.a. Gastronomie, Dienstleistungsgewerbe) mit einem äußerst geringen Gehalt entlohnt wurden. Die meisten Menschen mussten zusätzlich Aufstockung beim Amt beantragen, um jeden Monat über die Runden zu kommen.

Um eine Verbesserung herbeizuführen, entschloss sich die eigens dafür zusammengestellte Mindestlohnkommission dazu, den Mindestlohn zum 01. Januar 2017 erneut zu erhöhen. Seitdem beträgt er 8,84 Euro pro Stunde. Eine Erhöhung soll in einem Turnus von zwei Jahren erfolgen. Demnach wäre erst Anfang 2019 wieder mit einer zu rechnen. Bei der Entscheidung spielen verschiedene Faktoren eine Rolle: Normalerweise erfolgt eine Orientierung an vergangene Tarifbeschlüsse. Wurden diese beispielsweise in den vergangenen Jahren erhöht, wird dies bei der Entscheidung berücksichtigt.

Lange bevor der Beschluss bezüglich des Mindestlohns erfolgte, waren viele Unternehmen skeptisch. Sie befürchteten nicht nur einen Verlust der Wettbewerbsfähigkeit, sondern ebenfalls einen bürokratischen Mehraufwand bei der gesetzlichen Lohnabrechnung. Diese Bedenken konnten jedoch schnell zerstreut werden. Die meisten Unternehmen nutzen ein Lohnprogramm. Das bedeutet, dass alle Angaben bezüglich der Lohnänderungen lediglich in eine spezielle Software eingepflegt werden müssen.

Ausnahmen vom Mindestlohn

Was sich ebenfalls nicht ändert, ist der Ausschluss bestimmter Personengruppen vom Mindestlohn:

  • Ehrenamtliche
  • Praktikanten, sofern das Praktikum im Rahmen einer Ausbildung oder für weniger als drei Monate erfolgt.
  • Langzeitarbeitslose, innerhalb der ersten sechs Monate ihrer neuen Beschäftigung
  • Jugendliche (unter 18 Jahre), die keine abgeschlossene Berufsausbildung haben
  • Auszubildende

Hinzu kommen jene Arbeitnehmer, deren Tarifverträge ein Gehalt unter der Mindestlohngrenze vorsehen. In diesen Fällen erlaubte der Staat eine Übergangsfrist für Unternehmen bis Ende 2017. Ab dem kommenden Jahr steht demnach zumindest den Angestellten mit einem Tarifvertrag ebenfalls der Mindestlohn zu.

Veränderungen 2018

Obwohl sich der allgemeine Mindestlohn 2018 nicht erhöht und weiterhin 8,84 Euro pro Stunde beträgt, gibt es trotzdem Veränderungen:

  1. Hatten Zeitungszusteller bisher nur einen Anspruch auf 85 Prozent des gesetzlichen Mindestlohns (bisher demnach 8,50 Euro pro Stunde), erhalten sie ihn ab 2018 in derselben Höhe wie alle anderen auch.
  2. Für Saisonarbeiter gibt es die spezielle 70-Tage-Regelung, die noch bis Ende 2018 gilt. Diese besagt, dass Saisonarbeiter in der Landwirtschaft, im Gaststätten- und Hotelgewerbe oder auf Weihnachtsmärkten nur maximal 70 Tage im Jahr sozialversicherungsfrei arbeiten dürfen. Die Einkommensgrenze beträgt auch weiterhin 450 Euro. Außerdem darf die Tätigkeit nicht regelmäßig erfolgen oder der Sicherung des Lebensunterhaltes dienen.

Eine weitere Veränderung betrifft die bereits erwähnten Branchen-Tariflöhne. Diese waren bisher vom Mindestlohn ausgenommen. Ab 01. Januar 2018 gilt er jedoch in allen Betrieben der jeweiligen Branche. Selbst bei denen, die nicht an einen Tarifvertrag gebunden sind. Eine detaillierte Übersicht aller Branchen-Mindestlöhne gibt es hier. Über eine Erhöhung der Gehälter können sich Angestellte der Pflegebranche freuen. Dieser betrug in den alten Bundesländern bisher 10,20 Euro und in den neuen Bundesländern 9,50 Euro pro Stunde. Der Stundenlohn wird im kommenden Jahr im Westen auf 10,55 Euro und im Osten auf 10,05 Euro erhöht. Dasselbe Prinzip gilt im Übrigen auch für die Land- und Forstwirtschaft. Dort erfolgt eine einheitliche Erhöhung auf 9,10 Euro pro Stunde. Damit liegen beide Branchen deutlich über der gesetzlich vorgeschriebenen Einkommensuntergrenze. Gerade in der Pflegebranche war es lange überfällig, die Löhne anzuheben. Gerade in Berufen, die mit körperlichen Tätigkeiten verbunden sind, ist das Gehalt oft wichtiger als flexible Arbeitszeiten.

Jedoch haben nicht alle Arbeitnehmer das Glück, dass sie direkt am Jahresanfang mit einem höheren Gehalt rechnen können. In einigen Branchen erhöhen sich die Löhne erst im Laufe des Jahres. Für Leih- und Zeitarbeiter erfolgt dieser erst im April. Angestellte im Westen erhalten dann 9,49 Euro und im Osten 9,27 Euro pro Stunde. Ähnlich verhält sich für Mitarbeiter im Maler- und Lackiererhandwerk. Sie erhalten zwar bundesweit als Ungelernte 10,60 Euro, als Gesellen im Westen 13,30 Euro und im Osten 12,40 Euro – jedoch erst ab Mai. Ebenso wie Steinmetz- und Steinbildhauer. Diese können sich über 111,40 Euro pro Stunde freuen.

Interessant wird es für folgende Branchen:

  • Textil- und Bekleidungsindustrie
  • Fleischindustrie
  • Gebäudereinigungshandwerk
  • Land- und Forstwirtschaft
  • Gartenbau
  • Schornsteinfegerhandwerk
  • Dahdeckerhandwerk
  • Bauhauptgewerbe

Die Branchenmindestlohn-Regelungen gelten nur bis Ende des Jahres. Bisher stehen noch keine neuen Regelungen für das kommende Jahr fest. Es bleibt demnach spannend, wie sich der Mindestlohn in diesen Bereichen entwickelt.

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