Umfrage bei Bundesbürgern
Eine Mehrheit ist für freieren Umgang mit Totenasche

Bis jetzt war der Verbleib von Totenasche in Deutschland gesetzlich streng geregelt. Doch die meisten Bundesbürger sind für eine Liberalisierung im Umgang mit den sterblichen Überresten.

Dienstag, 29.10.2019, 16:59 Uhr aktualisiert: 29.10.2019, 17:06 Uhr
Immer mehr Deutsche wünschen sich, dass sie selbst darüber bestimmen können, was mit der Totenasche von Angehörigen geschieht.
Immer mehr Deutsche wünschen sich, dass sie selbst darüber bestimmen können, was mit der Totenasche von Angehörigen geschieht. Foto: Sophia Kembowski

Königswinter (dpa) - Eine klare Mehrheit der Bundesbürger befürworteteiner Umfrage zufolge einen liberaleren Umgang mit der Asche von Toten. Die Befragung wurde von Aeternitas in Auftrag gegeben, einer Verbraucherinitiative zur Bestattungskultur in Königswinter.

Demnach wäre mehr als zwei Drittel (71 Prozent) der Befragten damit einverstanden, wenn geringe Mengen der Asche für Schmuckstücke oder Erinnerungsgegenstände genutzt werden.

Mehrere Bundesländer hätten es in letzter Zeit abgelehnt, dieEntnahme kleiner Mengen Totenasche aus Urnen zu legalisieren, teilteAeternitas am Dienstag in Königswinter bei Bonn mit. Vielfach besteheder Wunsch, die Asche in Amulette zu füllen oder zur Herstellung vonErinnerungsgegenständen wie Glasskulpturen oder Diamanten zuverwenden. Beides finde bereits statt - heimlich oder auf dem Umwegüber das Ausland, wo die Vorschriften meist lockerer seien.

Einstellung zur Totenruhe im Wandel

Auch bei der Umbettung von Urnen widersprach die Mehrheit demnach dengesetzlichen Vorschriften. Derzeit reiche den Behörden etwa derWunsch der Angehörigen, ein Grab näher an ihrem Wohnort besuchen zukönnen, meist nicht als Begründung für eine Verlegung aus. 69 Prozentder Befragten seien jedoch dafür, dass die Umbettung einer Urne aufWunsch der Hinterbliebenen immer erlaubt sein sollte - sofern derWille des Verstorbenen nicht dagegen spreche.

«Einstellungen zu Fragen von Pietät und Totenruhe verändern sich mitder Zeit», sagte der Aeternitas -Vorsitzende Christoph Keldenich. «Sie passen sich an die Bedürfnisse einer mobilen Gesellschaft an, in der sich traditionelle Familienstrukturen zunehmend auflösen.» Daraufmüsse der Gesetzgeber reagieren.

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