Alles futsch?
Wie Anleger mit der Corona-Krise umgehen können

Die Corona-Pandemie ist für Anleger hart. Denn die Aktienkurse sind tief gefallen. Doch eines ist auch klar: Irgendwann werden sie auch wieder steigen. Anleger können die Zeit bis dahin nutzen.

Mittwoch, 08.04.2020, 04:52 Uhr aktualisiert: 08.04.2020, 05:02 Uhr
Die Corona-Pandemie hat zu deutlichen Kursverlusten an den Börsen geführt. Anleger, die ihre Investments breit genug aufgestellt haben, können die Krise aber durchstehen.
Die Corona-Pandemie hat zu deutlichen Kursverlusten an den Börsen geführt. Anleger, die ihre Investments breit genug aufgestellt haben, können die Krise aber durchstehen. Foto: Arne Dedert

Ludwigshafen (dpa/tmn) - Die Corona-Krise hat die Stimmung bei vielen Anlegern deutlich getrübt. Doch es gibt auch Gewinner: «Crash-Propheten haben aus dieser Situation Profit geschlagen», erklärt Prof. Hartmut Walz , Verhaltensökonom an der Hochschule Ludwigshafen am Rhein im Interview mit dem dpa-Themendienst.

«Es gilt aber immer noch: Einen Crash und vor allem seinen konkreten Verlauf kann man nicht vorhersagen», führt der Finanzexperte aus. Anleger könnten sich aber trotzdem auf stürmische Zeiten vorbereiten, indem sie sich ein festes und stabiles Haus bauen.

Was bedeutet die derzeitige Situation für Anleger?

Hartmut Walz: An den Börsen gab es durch die Corona-Krise zum Teil kräftige Verluste von 30 bis 40 Prozent. Was aber viele vergessen: Es gab in der Vergangenheit noch weit stärkere Kurseinbrüche. Nach dem Platzen der Dotcom-Blase sind die Kurse zum Beispiel um über 70 Prozent gefallen. Und trotzdem waren die Verluste nach nur wenigen Jahren mehr als ausgeglichen, wenn man nur die Füße still hielt.

Die derzeitigen Kurse spiegeln den Durchschnitt der Meinungen aller Marktteilnehmer wieder. Wenn die Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus wieder gelockert werden, wird sich auch die Wirtschaft vermutlich schnell erholen. Die Nachfrage ist ja nach wie vor da. Die Kurse werden irgendwann also wieder steigen

Muss man aktuell etwas tun?

Walz: Veränderungen in der Anlagestrategie kosten Anleger immer viel Energie und Transaktionskosten. Man muss aufpassen, dass man seiner Strategie treu bleibt und nicht hektisch handelt. Das ist oft nicht einfach.

Was im Einzelnen getan werden muss, hängt immer davon ab, in welcher Situation man persönlich ist. Wer sein Depot auf ein sicheres Fundament gestellt hat, kann diese Krise vermutlich einfach aussitzen und gut überstehen. Anders ist die Situation nur für diejenigen, die jetzt in eine finanzielle Schieflage geraten sind, weil sie entweder Aktien auf Kredit gekauft haben oder Geld langfristig anlegten, welches sie jedoch kurzfristig benötigen.

Und wie kann ich mich in Zukunft wappnen?

Walz: Drei Dinge können helfen: Erstens - streuen Sie Ihr Vermögen. Nicht nur innerhalb einer Anlageklasse, sondern über verschiedene Anlageklassen hinweg. Ein Eigenheim zum Beispiel kann sinnvoll sein, denn dadurch sparen Sie viele Jahre lang Miete. Außerdem lohnen sich Aktien-ETFs nach wie vor, wenn man günstige auswählt, die zugleich in möglichst viele verschiedene Unternehmen weltweit investieren. Und auch Gold kann einen Teil des Depots ausmachen.

Zweitens muss das Verhältnis von Sach- und Geldvermögen stimmen. Oft steckt zu viel Geld in unrentablen, inflationsgefährdeten und teuren Produkten wie Lebens- oder Rentenversicherungen. Das sollte man nicht mehr aufstocken. Auch Zertifikate sind nicht empfehlenswert, weil sie ein sogenanntes Vehikelrisiko beinhalten. Ein Beispiel: Zertifikate der US-Bank Lehman Brothers auf Gold galten als sicher - bis Lehman Brothers Pleite ging.

Drittens ist es nicht verkehrt, die Bargeldquote ein wenig zu erhöhen. Die Gefahr einer Ansteckung mit dem Coronavirus über Bargeld ist äußerst gering. Anders als bei Zertifikaten gibt es beim Bargeld kein Vehikelrisiko. Denn Bargeld ist eine Forderung gegen unseren Staat, der nicht so schnell pleite geht, während Zertifikate oder auch Einlagen nur eine Forderung gegen ein Kreditinstitut darstellen.

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