Finanzen
Keine Zinsen mehr auf Tagesgeld? Was Sparer jetzt tun können!

Die Verzinsung auf Spargutgaben ist enttäuschend gering, manche Banken verlangen gar Minuszinsen oder berechnen das sogenannte Verwahrentgelt. Unterm Strich aber kommt für Sparer dasselbe raus: Das Geld vermehrt sich nicht, sondern schmilzt ab. Dennoch müssen Sparer in Deutschland keine Angst haben, denn es gibt Alternativen.

Montag, 08.06.2020, 11:40 Uhr aktualisiert: 08.06.2020, 11:51 Uhr
Finanzen: Keine Zinsen mehr auf Tagesgeld? Was Sparer jetzt tun können!
Mit Geduld und Strategie können Verbraucher ihre Liquidität sichern. Foto: pixabay.com © roboadvisor

Zeichnet sich Trendwende ab?

Des einen Freud ist des anderen Leid: Niedrige Zinsen verbilligen Kredite und ermöglichen vielen Menschen die Finanzierung des Eigenheims oder anderer Vorhaben. Auf der Sparerseite aber sieht es düster aus, denn für sie bedeutet ein niedriger Zinssatz eine geringe Rendite. Der Frankfurter Privatbankier Emmerich Müller vom Bankhaus Metzler hofft, dass in absehbarer Zeit die nominalen Negativzinsen der Vergangenheit angehören . Schon seit 2014 müssen Banken Strafzinsen zahlen, wenn sie Geld bei der EZB parken. Der Zinssatz wurde zuletzt im Oktober 2019 angepasst und beträgt aktuell 0,5 Prozent. Die Negativzinsen geben Banken an ihre Kunden weiter, manchmal in offensichtlicher, manchmal in versteckter Form.

Die Anhebung der Strafzinsen waren ein Abschiedsgeschenk des scheidenden Mario Draghi , der am 28. Oktober 2019 von Christine Lagarde als neue EZB-Präsidentin abgelöst wurde. Sie hat eine Überprüfung der geldpolitischen Strategie auf den Weg gebracht, in die viele Geldhäuser und Sparer Hoffnungen setzen. Zwar ist keine substanzielle Änderung des Zinsniveaus in Sicht, aber Verbraucher können mit einer umsichtigen, langfristigen Strategie ihr Geld schützen und ein gewisses Maß an finanzieller Flexibilität und Sicherheit kreieren. Dazu sind drei Phasen nötig.

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Ein Kassensturz ist nötig, um eine umfassende private Liquiditätsplanung zu erstellen. Foto: pixabay.com © roboadvisor

1. Flexibel bleiben mit Tagesgeldkonten, Sicherheit aufbauen mit Festgeldkonten

Um finanziell flexibel zu bleiben brauchen Sparer Konten, auf denen sie Geld zwischenparken können und täglich Zugriff haben. Tagesgeldkonten sind dafür ideal geeignet. Sie bieten sich an, um überschüssiges Kapital in geeigneter Höhe zur täglichen Verfügbarkeit einzuzahlen und gleichzeitig können regelmäßige Sparraten auf ein Tagesgeldkonto fließen. Der jederzeitige Zugriff ermöglicht Flexibilität bei Bedarf. Allerdings sind die Zinsen bei Tagesgeldkonten sehr niedrig.

Auf Festgeldkonten werden die Beträge hinterlegt, die erst in naher oder ferner Zukunft gebraucht werden. Festgeldkonten gibt es mit unterschiedlichen Laufzeiten zwischen 6 und 120 Monaten. Insofern sind sie ideal geeignet, um mittel- bis langfristig Geld sicher abzulegen. Dabei können Sparer mit Zinsen zwischen 0,28 Prozent und 1,80 Prozent rechnen. Die Zinshöhe orientiert sich an der Laufzeit und der Höhe der Anlage. Die folgende Übersicht zeigt die aktuellen Zinsen bei Beträgen von 5.000, 10.000 und 20.000 Euro bei Laufzeiten von 24, 60 und 120 Monaten

Laufzeit 5.000 Euro 10.000 Euro 20.000 Euro
24 Monate bis zu 0,60 Prozent bis zu 0,76 Prozent bis zu 0,96 Prozent
60 Monate bis zu 1,10 Prozent bis zu 1,10 Prozent bis zu 1,26 Prozent
120 Monate bis zu 1,30 Prozent bis zu 1,30 Prozent bis zu 1,30 Prozent

Der Festgeldvergleich von Franke-Media , auf dem die obenstehende Tabelle basiert, lässt sich in vielen verschiedenen Varianten durchspielen und ermöglicht Verbrauchern, das beste Angebot für die geplanten Zwecke auszuwählen.

Mit Blick auf die derzeit niedrigen Zinsen raten die Experten der Plattform allerdings dazu, Geld nicht länger als 3 Jahre auf Festgeldkonten zu parken. Außerdem sollten Verbraucher große Summen auf mehrere Banken aufteilen und das Geld nicht nur in Deutschland, sondern auch bei Banken in anderen Ländern anlegen. Wer sich bezüglich der Seriosität ausländischer Banken sorgt, kann sich auf der Plattform nur die Angebote anzeigen lassen, die ein sehr gutes Rating von A, AA oder AAA  aufweisen.

2. Erstellung einer persönlichen Liquiditätsplanung

Eine Finanzstrategie beginnt mit einem Basisplan. Es geht darum, die persönlichen Liquiditätsbedarf kurz, mittel und langfristig zu durchdenken. Beispielsweise sind hierbei Ereignisse wie Heirat, Kinder, Erbschaft, Immobilienkauf, Studium der Kinder und anderes mehr zu berücksichtigen. Die langfristige Strategie orientiert sich also stets an der persönlichen Lebensplanung. Dass sich diese ändern kann, liegt auf der Hand. Verbraucher sollten bei signifikanten Änderungen ihre Liquiditätsplanung entsprechend anpassen, damit die Planung zur Realität passt. Eine regelmäßige jährliche Überprüfung ist empfehlenswert, um die eigenen Finanzen stets im Blick und im Griff zu behalten. Folgende Fragen sind Grundlage der persönlichen Liquiditätsplanung mit einem mittelfristigen Zeithorizont:

  • Wie groß sollen die Reserven sein, auf die ich jederzeit zurückgreifen kann?
  • Wie viel Kapital brauche ich in den nächsten zwei bis fünf Jahren?
  • Wie viel Kapital brauche ich während der nächsten fünf Jahre nicht?

Wer darüber hinaus langfristig planen will, fügt noch die Frage an, wie viel Kapital in den nächsten 10 bis 15 Jahren zur Verfügung stehen soll. Anhand dieser Basisplanung lassen sich entsprechende Sparraten und Anlagestrategien ermitteln, die zur Erreichung der gesetzten Ziele notwendig sind.

3. Langfristige Investitionen in risikoreichere Anlagen

Als Alternative zu langfristigen Festgeldanlage mit derzeit geringen Festgeldzinsen präsentieren sich risikoreichere Investitionen zum Beispiel in ETFs . Wichtig bei langfristigen Anlagen in vergleichsweise risikoreichere Papiere ist die persönliche Haltung zu der Anlageform.

Anleger müssen mit ihren Investitionen einverstanden sein und sich damit wohlfühlen. Tun sie das nicht, laufen sie Gefahr, die Papiere vorzeitig und dann oft mit Verlust wieder zu verkaufen. Anleger sollten sich die Frage stellen, welche Gründe dagegen sprechen, Geld vom Tagesgeldkonto zu nehmen und es langfristig anzulegen.

Bei langfristigen Investitionen gilt der Leitsatz, dass Kursschwankungen aufgrund des langen Zeithorizontes eine geringe Rolle spielen. Diese gleichen sich in der Regel aus. Kursschwankungen wird es immer geben. Doch nur, wenn Geld kurzfristig verfügbar sein soll, sind diese Schwankungen kritisch zu sehen. Denn wer zeitlich keinen Spielraum hat, um den Kursanstieg abzuwarten, ist gezwungen, das Geld zu entnehmen, auch wenn die Rendite negativ ist. Deshalb ist es so wichtig nur Geld für langfristige Anlagen einzusetzen, welches nicht akut benötigt wird.

Für unentschlossene Anleger, die sich erst noch eine Meinung über ihre Investitionsabsichten bilden müssen, helfen folgende Fragen bei der Entscheidung für das richtige Produkt und die passende Investitionssumme:

  • Was kann mit der Summe im schlimmsten Fall passieren und was bedeutet das in letzter Konsequenz für mich?
  • Mindert eine Anlage in nachhaltige Produkte oder ethisch korrekte Produkte die Angst vor dem Verlustrisiko?
  • Wäre die Investitionen eines Teils der Summe statt des gesamten verfügbaren Betrags die bessere Wahl?

Fazit: Drei-Phasen-Strategie bringt Sicherheit

Die tagesverfügbare Liquidität zu sichern und parallel für geplante Anschaffungen und Investitionen in der Zukunft Geld anzulegen sowie anzusparen ist eine Strategie, die trotz niedriger Zinsen eine sinnvolle Finanzplanung ermöglicht. Wer aber stattdessen nichts tut, hat Nachteile und verzichtet auf die Sicherheit, die die individuell angepasste Drei-Phasen-Strategie bietet.

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